Wohnhaus
Kuenstraße 36 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7799 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kuenstraße 36, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Mansardgiebeldach, 4 Achsen, Backsteinfassade, rot, mit Gliederungen in Stuck in Formen des Klassizismus, Erdgeschoß verändert (Rauhputz), Traufzone verändert, Eingang links mit geradem oberen Abschluß mit Oberlicht, Haustür und Oberlicht erneuert, Holz, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: Backstein, Konsoltraufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel nach Kriegsschaden nurmehr zweigeschossig, Hofzugang und Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert in Holz, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff).
Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: zweifarbiger Terrazzobodenbelag, Terrazzotreppe, Geländer in Metall, Handlauf in Holz, erneuert, Podeste mit Terrazzobodenbelag, Treppenhausfenster erneuert (Kunststoff), alle Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen: keine Originalsubstanz.
Der rückwärtige Garten einschließlich der Einfriedungsmauer in Backstein, Backsteinpfeiler und Deckplatten, ist Bestandteil des Denkmals.
Ein eingeschossiger Anbau im Bauverband zum Vorderhaus und ein weiterer eingeschossiger Anbau im Bauverband zum Seitenflügel sind nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 36 veranschaulicht mit den sich anschließenden, eine weitgehend einheitliche Gestaltung bildenden Nachbargebäuden 34 und 38 das ursprüngliche Erscheinungsbild des mittelständischen Wohngebäudes mit in den Blockinnenbereich ragenden Anbauten und Hofwohnungen. Das Gebäude zeigt eine qualitätvolle Dekoration der Backsteinfassade in Formen des Klassizismus (Schmuckformen: Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, waagrechte profilierte Verdachungen, im 1. Obergeschoß konsolgetragen, profiliertes Traufgesims). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt.
Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade (im Erdgeschoß wurde die Stuckdekoration entfernt) und des Treppenhauses deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft. Das Gebäude Kuenstraße 36 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0