Wohnhaus

Merheimer Straße 124 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7752
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Merheimer Straße 124, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 4 Geschosse, Satteldach, Stuckfassade in Formen der Renaissance, Erdgeschoß verändert, 4 Achsen, Hauseingang in der linken Achse mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz), im Erdgeschoß, 2. Achse von rechts Reste der ursprünglichen Einfassung eines Eingangs zum Ladenlokal. Rückseite: Backstein, Stockwerkgesimse durch horizontale Backsteinlagen, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel dreiachsig, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, ein Fenster im Erdgeschoß Vorderhaus z. T. geschlossen mit Glasbausteinen, alle rückwärtigen Fenster sowie die Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibül: Deckenstuck, Treppenhaus: Bodenfliesen schwarz/weiß (z. T. beschädigt), Holztreppe (zum 1. Obergeschoß erneuert inklusive Geländer und Handlauf), in den Obergeschossen originale offene Holztreppe mit Zwischenpfosten, gedrechselten Stäben und Handlauf, Podeste mit Holzdielenboden, Wohnungseingangstüren zum großen Teil original. In den Wohnungen: Holzdielenboden, Türen und Gewände zum großen Teil original.

Im rückwärtigen Hof teilweise Erhaltung der Einfriedungsmauer in Backstein.

Ein eingeschossiger Anbau im Bauverband zum rückwärtigen Seitenflügel ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzbergerplatz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstanden zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Merheimer Straße, die Hauptverkehrsachse des Ortsteils Sechzig, liegt im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Das Gebäude Nr. 124 gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Das Gebäude im Kreuzungsbereich zur Wilhelmstraße gelegen, zeigt eine vierachsig gegliederte, an bürgerliche Repräsentationsformen anknüpfende Neorenaissancefassade ohne Mittelbetonung bzw. Vorbauten. Neben den gestaltbildenden Charakteristika des Baukörpers ist die Verwendung von bauplastischen Dekorationsformen an den Fassaden aufwendig (Schmuckformen: Eingang mit Bossenquadern gerahmt, Keilstein, Stockwerkgesimse, sehr aufwendige plastische Rahmung der Obergeschoßfenster, Belétage: Rund- und Dreieckverdachungen, von Konsolen getragen, in den Bogenfeldern Muschelmotiv bzw. halbplastische Häupter, 2. Obergeschoß mit geraden, reich profilierten Verdachungen, 3. Obergeschoß mit profilierter Fensterrahmung, Konsoltraufgesims). Die in städtebaulicher Hinsicht aufeinander bezogene Bebauung im Kreuzungsbereich Merheimer-/Wilhelmstraße erscheint als geplante Ensemblegestaltung. Das Haus Merheimer Str. 124 ist Teil dieses Zusammenhangs von z. T. dreiachsigen und zwei- bis dreigeschossigen Wohnhäusern auf schmalen und weit in den Blockinnenbereich ragenden Parzellen mit rückwärtigen Anbauten bzw. Seitenflügeln (Nrn. 123 - 139), sowie breitgelagerten Gebäuden mit Erkern und Ziergiebeln und straßenseitigen Ziergärten (Nrn. 136 - 142). Die gesamte Bebauung der Merheimer Straße ist weitgehend geprägt von originaler Bausubstanz. In diesem Zusammenhang ist das Gebäude Merheimer Str. 124 von hoher Bedeutung innerhalb des Ensemblebereichs. Es dokumentiert noch heute aufgrund der weitgehenden Erhaltung originaler Substanz die bescheidenen Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse einer mittelständischen Bewohnerschaft zur Zeit der Jahrhundertwende. Als Zeugnis für den städtisch geprägten Wohnbau in Köln-Nippes ist das Gebäude ein unverzichtbares Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0