Wohnhaus

Katzengasse 2 · Niehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7772
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Katzengasse 2, 50735 Köln
Baujahr2. Hälfte 19. Jahrhundert
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 01.02.1996
Stadtteil Niehl

Erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Fassadendekoration um 1910, auf rechteckiger Grundfläche.

Fassaden: giebelständig, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, gassenseitige Fassade: 2 Achsen, Putzfassade in Formen des Jugendstils, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle gassenseitigen Fenster erneuert in Holz (zweigeteilt, sprossengeteilte Oberlichte, profilierter Sturz); Nordfassade: 3 Achsen, verputzt, Stockwerkgesims, profilierte Sohlbänke, segmentbogige Öffnungen, Haustür erneuert in Holz, alle Fenster erneuert (zweigeteilt, sprossengeteilte Oberlichte, profilierter Sturz); Ostseite: verputzt, eingeschossiger Anbau mit Pultdach, Obergeschoß weitgehend geschlossen; Südseite: (im Erdgeschoß im Bauverband mit dem eingeschossigen Anbau des Gebäudes Merkenicher Straße 156) Backstein, Traufgesims, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß.

Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Terrazzoboden mit Bordüre und Mittelbetonung, bis zu halber Höhe Wandvertäfelung in Holz (in Teilen erneuert), Stuckdecke, Holztreppe, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Stuckdekoration an den Treppenunterseiten, Podeste mit Holzdielenboden. In den Wohnräumen: Erdgeschoßräume z. T. mit Stuckdekken, im Obergeschoß Holzdielenboden, in zwei Räumen Stuckdecken, Türen und Gewände original erhalten, im Obergeschoß eine dreiteilige Türanlage in Holz, verglast mit Oberlicht (diese in jüngster Zeit versetzt).

Die an der Gasse gelegene Toranlage mit verputzten Pfeilern und profilierter Deckplatte in Stuck ist Bestandteil des Denkmals.

Der rückwärtige Garten mit altem Baumbestand und Einfriedungsmauer in Backstein nach Süden ist Bestandteil des Denkmals.

Der nach Osten im Bauverband anstehende eingeschossige Anbau ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf Niehl ist urkundlich erstmals 927 im Zusammenhang mit einer erzbischöflichen Schenkung an das Ursulastift und 1080 mit einer solchen an das Kunibertstift erwähnt. Das Kunibertstift besaß spätestens seit jenem Zeitpunkt die Pfarrhoheit über Niehl. Politisch gehörte Niehl zur Grafschaft Hülchrath, 1314 zum Erzstift Köln und seit der französischen Besetzung des Rheinlands zu der 1798 neugeschaffenen Bürgermeisterei Longerich, mit der es 1888 nach Köln eingemeindet wurde. An der Sebastianstraße, einer alten Römerstraße, liegt am Rheinufer bis heute das älteste Niehler Baudenkmal, die Landkirche Alt-St. Katharina. Der beherrschende Standort dieser alten Pfarrkirche an der höchsten Stelle der Ortschaft auf dem Steilufer des Rheins sowie die benachbarten Hofbauten bilden den erhaltenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße und Rheinufer. Zahlreiche Kapellen und Wegekreuze des 18. und 19. Jahrhunderts haben sich im alten Dorfbereich erhalten. Von den einstigen umfangreichen Hofanlagen sind nur noch einige Wohnbauten erhalten. Niedrige giebel- und traufständige Hausbauten des 19. Jahrhunderts entlang der ungeregelten Straßenführung mit zahlreichen gassenartigen Durchlässen zeugen von ländlich-dörflicher Struktur. Bis ins 20. Jahrhundert bewahrte Niehl seinen ländlich-dörflichen Charakter, erfuhr in den 20er Jahren mit der Ausweitung des stadtkölnischen Gebiets und in den 30er Jahren durch die Ansiedlung der Fordwerke im Norden eine allmähliche städtische Prägung. Siedlungsbau und weitgehende Veränderung der ländlich geprägten Wohnbebauung zu Mietwohnobjekten veränderten den dörflichen Charakter Niehls hin zum Arbeiterwohnort im Einzugsbereich von Industrieanlagen. Die ehemals ländlich-dörfliche Bebauungsstruktur ist heute dennoch im näheren Bereich zur alten Pfarrkirche, unweit des Rheinufers erlebbar. Teile ehemaliger Hofanlagen, die den überkommenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße, Hermesgasse und dem Niehler Damm markieren, haben sich dort erhalten.

Die Katzengasse verläuft in Nord-Süd-Richtung parallel zum Niehler Damm unweit des Rheins. An der Wegegabelung, die die Merkenicher Straße nach Nordwesten hin abzweigen läßt, liegt in Fortführung dieser Dorfstraße die schmale Katzengasse. Das giebelständige, unmittelbar an der Straße gelegene Gebäude Katzengasse 2 bildet an der markanten - hier auffallend breiten Straßenkreuzung - gemeinsam mit dem gegenüberliegenden, aus dem 19. Jahrhundert stammenden dreigeschossigen Schulgebäude mit zweigeschossigem Winkelbau ein Ensemble. Sowohl der weitgehend geschlossene und durch Dekorationen in Backstein gestaltete Giebel des Schulgebäudes, als auch der straßenseitige Giebel des Gebäudes Katzengasse 2 begrenzen an zwei Seiten den Straßenplatz.

Die ländlich-dörfliche Bauweise - in diesem Abschnitt der Merkenicher Straße anhand der zahlreichen freistehenden und schräg zum Straßenraum plazierten, z. T. niedriggeschossigen Gebäude noch deutlich nachvollziehbar - für die das Wohnhaus ein typisches Beispiel darstellt, d. h. ein unmittelbar an der Straße gelegenes Gebäude mit seitlicher Zufahrt zum anschließenden (ehemaligen) Wirtschaftshof sowie weitere sich anschließende Gebäude im Bauverband mit ausgedehnten Wiesen und Nutzgärten, ist bezeichnend für diesen Teil von Niehl.

Später angefügte Jugendstildekorationen der Fassaden und in den Wohnräumen im Sinne einer Modernisierung des weitaus älteren Gebäudes (die Grundmauern mit einer Stärke von 140 - 150 cm deuten darauf hin) geben Auskunft über die wohlhabende und repräsentationsbewußte (Bauherren- und) Bewohnerschaft zu Anfang unseres Jahrhunderts (Schmuckformen: einheitliche dekorative Behandlung der West- und Nordseite, eine Lisenengliederung mit figürlichen Abschlüssen im Relief faßt die Hauptfassade ein, Stockwerkgesims zum Dachgeschoß, der profilierte Giebelanschluß folgt nicht der Form des dahinterliegenden Satteldachs, sondern läßt ein Mansardgiebeldach vermuten). Das Objekt ist zur Veranschaulichung der ländlich geprägten Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsformen und als Beispiel des frühen Wohnbaus, der zu Anfang unseres Jahrhunderts eine zeitgemäß moderne Schauseite sowie im Inneren den Wohnwünschen entsprechende Dekorationen erfuhr (Stuckdecken, Antrittspfosten der Holztreppe sowie die Schmuckformen an Türen und Gewänden) in Niehl ein historisches Dokument. In unmittelbarer Umgebung eingerahmt von Neubauten der Nachkriegszeit (fünf- bzw. dreigeschossige Mietwohnzeilen nach Osten) und im weiteren Verlauf der Katzengasse und Merkenicher Straße z. T. umgeben von Wohnhäusern aus neuester Zeit dokumentiert das Gebäude mit anderen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung in Köln-Niehl. Die noch heute erkennbare charakteristische Bauform dokumentiert die ländlich-dörflich geprägte Struktur mit kleinmaßstäblicher Bebauung zur Zeit des Überganges zu vorstädtischen Verhältnissen seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Das im Kreuzungsbereich zur Merkenicher Straße gelegene Gebäude Katzengasse 2 ist als typisches Dokument dieses Zusammenhangs ein wesentliches Element im Ensemblebereich der Gasse und somit als Baudenkmal zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0