Wohn- u. Geschäftshaus
Spichernstraße 71 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7778 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Spichernstraße 71, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1898 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.02.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1898, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel und Treppenhausvorbau.
Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen der Neogotik, konsolgetragener Erker auf trapezförmiger Grundfläche in der linken Achse, Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse, Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß und hohem Rundbogenoberlicht, Haustür erneuert, Souterrain mit separatem Eingang mit segmentbogigem oberen Abschluß, Eingangstür erneuert, Fenster im Souterrain mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster im Hochparterre mit Rundbogenabschluß, Fenster der Obergeschosse mit geradem oberen Abschluß, die straßenseitigen Fenster z.T. in Teilen original erhalten, Holz.
Rückseite: Backstein, Traufgesims, abgeschrägte Ecke im Winkel, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel (nach Kriegsschaden nurmehr drei Geschosse) zweiachsig, Hofzugang mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür in Holz original, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß (z.T. sind die Öffnungen verändert), Treppenhausfenster in Metall, sprossengeteilt, original, übrige rückwärtige Fenster erneuert (Kunststoff, Oberlichte).
Im Inneren original erhalten: Vestibül: elfstufige Marmortreppe, Handläufe links und rechts in der Wand verankert, Wandstuck, unten Fugenschnitt, oben stuckierte Wandfelder, Zierfries, Gurte, die Decke als dreiteiliges Kreuzgratgewölbe in Stuck, Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus: vom Souterrain zum Erdgeschoß Holztreppe mit Stäben und Handlauf in Holz, Terrazzotreppe, dekorativer Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Deckenstuck an den Podesten und im Erdgeschoß an der Treppenunterseite, im Erdgeschoß originale Wohnungseingangstür mit Oberlicht und Gewände: reiche Pilastergliederung, Voluten, Gesimse. In den Wohnungen: Holzdielenböden unter PVC-Belag, z.T. originale Türen und Gewände, Stuckdecken in einigen Räumen unter den abgehängten Decken.
Der rückwärtige Hof mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Spichernstraße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung), liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Werder- und Kamekestraße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Venloer- und Gladbacher- bzw. Erftstraße, westlich des Stadtgartens und der Begrenzung durch die Bahnlinie mit anschließendem Grüngürtel und südöstlich des Neubaugebietes Mediapark. Das Mietwohngebäude, die quantitativ gesehen wichtigste neue Bauaufgabe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend viergeschossigen Häusern mit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern der Zeit des Historismus und des Jugendstils. Das Gebäude stellt in diesem Straßenabschnitt einen Rest der gründerzeitlichen Bebauung dar, die unmittelbaren Nachbargebäude erscheinen als Nachkriegsneubauten, die gegeüberliegende Straßenseite wurde in den letzten Jahren mit einem großflächigen Bürogebäude bebaut, während im Kreuzungsbereich zur Erftstraße ein Schulgebäude in Neoranaissanceformen erhalten blieb. Trotz weitgehender Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Die Fassade des Hauses Nr. 71 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: sie zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalfassade, der rückwärtigen Fassaden, des Treppenhauses und z.T. der Interieurs ist das Objekt für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: Souterrain und Hochparterre Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, Erker getragen von Konsole in Form eines Rippengewölbes, Eingangsoberlicht mit Fialbekrönung und Inschrift, Fensterverdachungen in den Obergeschossen: Dreipaßmaßwerk mit Fialbekrönung, Maßwerkfries leitet über zum profilierten Traufgesims, Ziergiebel: getreppt, hoch aufragender Bogenabschluß in der Mitte). Die Häuserzeile der Spichernstraße setzt sich aus Fassaden und Gebäudetypen verschiedener Bauphasen seit der Jahrhundertwende zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude Nr. 71 ist für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Zeugnis für die reiche städtisch geprägte Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0