Wohn- u. Geschäftshaus
Ehrenstraße 88 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7788 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Ehrenstraße 88, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1895 bis 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1895/90, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Satteldach, 4 Achsen, Stuckfassade in Formen der Neorenaissance, Erdgeschoß (Ladenlokal) verändert (Kunststeinwandverkleidung), Haustür im Eingangsbereich rechts, Haustür (Metall) erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster mit Oberlichten original erhalten (Holz).
Rückseite: Backstein, rot, Gliederungen in gelbem Backstein, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, Hofzugang und Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür mit Oberlicht und alle rückwärtigen Fenster mit Oberlichten original erhalten (Holz).
Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzoboden mit Bordure und Mittelbetonung, dreifarbig (schwarz/rot/gelb), Deckenstuck, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden, Holztreppe, Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf, Podeste mit Holzdielenboden belegt, Treppenhausfenster original, im 3. Obergeschoß erneuert (Kunststoff), Wohnungseingangstüren, z. T. verglast, Oberlichte und Gewände original. In den Wohnungen: Holzdielenböden, originale Gewände und Türen, z. T. Zweiflügeltüren, in allen Wohnräumen Deckenstuck, in den straßenseitigen Räumen sehr aufwendig, z. T. mit Eierstab-Zierleiste.
Der eingeschossige Anbau im Hof (links) ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung. Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Friesenwall und Apostelnstraße und im Winkel zum Hohenzollern-/Habsburgerring liegt die Ehrenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausaubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Die Ehrenstraße im Kreuzungsbereich zwischen Palmstraße und Friesenwall gelegen, weist im Gegensatz zu dem stark kriegszerstörten Straßenabschnitt im Bereich um den Friesenwall/Ring mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine noch weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich kommt dem Gebäude Ehrenstr. 88 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete Gebäude mit rückwärtigem kleinen Grundstück und Seitenflügel weist eine sehr aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende, dem historistischen Formenkanon verpflichtete Fassade auf. Die in unverändertem Zustand (das Erdgeschoß ausgenommen) überlieferte Schauseite prägen sehr aufwendige und plastisch durchgebildete Architekturdetails der Renaissance (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, konsolgetragene, z. T. mit Löwenhäuptern bewehrte, je zwei Fenster zusammenfassende Verdachungen, im 1. Obergeschoß als Dreieckgiebel mit Einschluß von Köpfen, Diamantquader, den oberen Fassadenabschluß bilden festongeschmückte Konsolen, die überleiten zum profilierten Traufgesims). Die aufwendige Gestaltung der vierachsigen Fassade charakterisiert die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren, die dem Gebäude trotz der durch die Parzellendisposition eingeschränkten Möglichkeiten eine individuelle architektonische Form gaben, die sich von der Massenbauweise des Historismus abhebt. Das Gebäude Nr. 88 ist Teil eines zusammenhängenden Ensembles von Fassaden und Gebäuden mit historistischen und Jugenstildekorationen. Die gegenüberliegenden Gebäude Nrn. 69 und 71 a und die unmittelbaren Nachbargebäude (Nrn. 84 - 86) sind wie die Nr. 88 in weitgehend unverändertem Zustand überliefert. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße ist das Gebäude Ehrenstr. 88 von hohem Wert.
Es dokumentiert trotz mancher Verluste (Erdgeschoßfassade) überkommene städtische Lebens- und Wohnformen der historischen Altstadt Kölns und ist als zeittypisches Denkmal gebauter Architektur vom Ende des vorigen Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0