Wohnhaus

Heinestraße 31 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7820
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Heinestraße 31, 50931 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.03.1996
Stadtteil Lindenthal

Erbaut um 1910; zweigeschossiges Wohnhaus mit Putzfassaden und Mansarddach in einseitiger Anbindung an das Nachbarhaus.

Straßenansicht: 3 Achsen (mittiger Eingang; Zugangstreppe mit Terrazzobelag, seitlich flache Mauerwangen); ausgebautes Mansarddach (im unteren Teil verschiefert, originales Dachhäuschen mit Dreiecksgiebel und erneuertem, großflächigem Holzfenster rechts; mittig neues, großflächiges Dachflächenfenster); Putzfassade mit sparsamer Suckgliederung in Anlehnung an den Neo-Klassizismus (portalartige Eingangsfassung, Fensterbrüstungen des OG mit Putzspiegeln, profiliertes Traufgesims); Fassadenrhythmisierung durch linker Hand leicht zurückverspringende Fassade (Risalitbildung an der Seitenfront); Sprossenfenster mit Beschlägen, ovales Treppenhausfenster original; großes Treppenhausfenster nach dem Krieg neu zusammengesetzt.

Seitenansicht: 2 Achsen (rechts risalitartig vorgestuft, links zurückversetzt erneuerte Wintergärten im EG/OG, in der Tiefe verspringend; originale Terrazzotreppe Garten/EG-Wintergarten mit originalem Metallgeländer); Risalitfenster im EG/OG original (im EG Sprossen beim rechten Fenster unten entfernt; beim OG-Fenster ebenfalls fehlende Sprossen, Beschlag original); DG-Fenster links erneuert (großflächiges Holzfenster), rechts originales Dachhäuschen mit originalem Fenster.

Innen original: Treppenhaus: Terrazzoboden im Treppenhaus EG (seitlich marmorgerahmt); hölzerne Treppenanlage (Antrittspfosten, oben profiliert; gedrehte Geländerstäbe; Handlauf; Stufen); Kellertür mit Beschlag; Wohnungen: Zimmertüren vorhanden, werden derzeit aufgearbeitet und nach den Umbaumaßnahmen im Gebäude wiederverwendet; EG: Stukkaturen im Straßen- (flach angelegtes, großflächiges florales Motiv) und Gartenzimmer (geometrisches diamantiertes Ornament mit mehrfach profilierter Deckenleiste); Gartenzimmer im unteren Bereich mit Holztäfelung (in Wandfelder gegliedert); originaler gußeiserner Heizkörper mit aufwendig gestalteter Verkleidung (markante Über-Eck-Stellung); Laibung zwischen Straßen- und Gartenzimmer; Fußleisten; OG: Stuckkehlen im Straßen- und Gartenzimmer; Türlaibungen; Wintergarten und Gartenzimmer mit teilweise erhaltener Wandvertäfelung; DG: ehemalige Speichertreppe (Holz) original.

Veränderungen: Rundgiebel über der Treppenhausachse fehlt (soll rekonstruiert werden); das ehemalige Einfamilienhaus wurde zur besseren Nutzung in 3 Wohneinheiten unterteilt; dadurch bedingt Grundrißveränderungen (s. Anlage); OriginalTüren werden wiederverwendet.

Bestandteile des Denkmals sind auch der das Haus umgebende Garten und die straßenseitige Einfriedung (Metall, derzeit zur Reparatur entfernt, wird wieder angebracht).

Lindenthal wurde 1888 dem stadtkölnischen Gebiet eingemeindet. Der Vorort, der ab 1846 für die Wohnbebauung erschlossen wurde, entwickelte sich aufgrund günstiger Bodenpreise und nur vereinzelt vorhandener Industriebetriebe zu einem der bevorzugten Wohngebiete für wohlhabende Kölner Bürger. Vor allem in der Umgebung der Grünanlagen erfolgte eine Wohnbebauung, die ihren Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende hatte.

Zwischen Gleueler und Kerpener Straße verlaufend, gehört die Heinestraße zu einem Bereich zwischen Zülpicher und Dürener Straße, in dem die Ausbauphase um 1900 einsetzt und bis in die 20er Jahre anhält. In unmittelbarer Nähe der Universitätsklinik entstand eine Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern und Villen, die durch Vorgärten und rückwärtige Gärten, Parks und Straßenbepflanzung aufgelockert ist. Architektonisch herausragend präsentiert sich die Heinestraße, deren Bebauung im wesentlichen durch Einzel- und Doppelvillen geprägt ist.

Das o.g., noch vor dem Ersten Weltkrieg errichtete Objekt ist ein frühes bauliches Dokument der durch gehobene Wohnansprüche geprägten Bebauung, die in diesem Fall stilistisch durch einen reduzierten Schmuckaufwand und die Betonung der Kubatur charakterisiert ist. Diese am Neo-Klassizismus orientierte strenge Architekturauffassung spiegelt die um diese Zeit bei gutsituierten Bauherren aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen wider, was als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.

Als Zeugnis der historischen Entwicklung des im Krieg erheblich zerstörten Stadtteils Lindenthal und als bauliches Dokument der architekturhistorischen Entwicklung in der Zeit zwischen Gründerzeit und Jugendstil einerseits und den modernen Strömungen (Expressionismus und Neues Bauen) andererseits ist das o.g. Objekt unverzichtbar für das Verständnis der Lindenthaler Stadtteilgeschichte.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0