Doppelvilla
Heinestraße 27 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7901 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Doppelvilla |
| Adresse | Heinestraße 27, 50931 Köln |
| Baujahr | um 1927 bis 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.07.1996 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Erbaut um 1927/28; Architekt: Clemens Klotz; Bildhauer: Willy Meller; rechte Hälfte einer zweigeschossigen Doppelvilla mit Rauhputzfassaden (Kellersockel mit scharriertem Putz) und abgeschlepptem Walmdach (originales Dachhäuschen mit Verschieferung).
Straßenfront: 2 Achsen; rechter Hand vorgezogener erdgeschoßhoher Vorbau in Verbindung mit seitlicher, rundbogiger Torbogeneinfahrt; vierfach abgetrepptes, im Eckbereich verkröpftes Gesims; Eckbetonung durch Bauplastik (florales Motiv); Fenster mit Beschlägen (außer Wohnraum links) und Fenstervergitterung (EG rechts) original; Schlagläden erneuert (vermutlich vor 1938).
Seitenfront: mittig risalitartig vorgestufter Eingangs- und Treppenhausbereich mit flacher, weit vorkragender Eingangsverdachung; Eingangsrahmung mit scharriertem Putz; linker Hand im EG Reihung 5 kleiner Fenster hinter gemeinsamer Vergitterung; Eingangstür mit mittigem Beschlag und Stoßleiste, Fenster mit Beschlägen, Fenstervergitterungen und Schlagläden original; seitliche Kellertreppe mit originalem Metallgeländer; Kelleraußentür erneuert (Metall).
Gartenfront: 2 Achsen; seitlich links eingeschossiger Flügelbau mit Flachdach (originales Metallgeländer); Fenstertür (OG links) und Fenster mit Beschlägen original (Wohnraumfenster mit innenliegendem Scherengitter); dreiteilige Terrassentür erneuert.
Innen original: Grundrisse (Tür zwischen straßen- und gartenseitigem Wohnraum nachträglich geschlossen, als Regal umgenutzt, Tür entfernt); komplett Türen mit Rahmen (außer Gartenzimmer) im Keller/EG/OG/DG (im OG mit Beschlägen); hölzerne Treppenanlage (Stufen, profilierte Geländerhölzer, Handlauf); Fensterbänke (außer EG Straßenzimmer); EG: straßenseitiger und rückwärtiger Wohnraum mit Parkettboden; rückwärtiger Wohnraum mit Balkendecke; straßenseitiger Wohnraum mit profilierter Deckenleiste; Heizungsabdeckungen im Straßen- und rückwärtigem Wohnraum; Küche mit roten Bodenfliesen und hellen Wandfliesen; WC mit Wand- und Bodenfliesen; OG: Wandschrank im Schlafzimmer; profilierte Stuckkehlen in allen Zimmern; Wand- und Bodenfliesen im Bad.
Veränderungen: Bodenbelag im Flur (ursprünglichen Solnhofener Platten) und im hinteren Gartenzimmer (neuer Parkettbelag) erneuert; Rolläden im Gartenzimmer erneuert; Dachhaut nach dem Krieg erneuert; erneuerter Terrassenbelag.
Bestandteile des Denkmals sind auch die straßenseitige Einfriedungsmauer (verputzt mit Abdeckung, links der Einfahrt nach Beschädigung leicht verkürzt), der Vor- und der rückwärtige Garten mit Einfriedungsmauern und die Garage (Fenster mit Vergitterungen original; Tor erneuert).
Das Haus Heinestr. 27 ist integraler Bestandteil der Wohnbebauung in Lindenthal, da es den um 1900 einsetzenden und bis in die 20er Jahre anhaltenden Ausbauprozeß des Geländes zwischen Zülpicher Straße und Dürener Straße zu einem reinen Wohngebiet für eine Bevölkerung mit gehobenen Wohnansprüchen dokumentiert. In der Nähe der Universitätsklinik entstand als individuelle städtebauliche Konzeption eine Bebauung von Ein- und Mehrfamilienhäusern und Villen, die durch Vor- und rückwärtige Gärten, Parks und Straßenbepflanzung aufgelokkert ist.
Nachdem die private Bautätigkeit während und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg fast völlig zum Erliegen gekommen war, wurde seit Beginn der 20er Jahre der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern zum Hauptarbeitsgebiet der Architekten. Zahlreiche Privathäuser entstanden in Köln in den bevorzugten Außenbezirken, wo bereits vor 1914 eine rege Bautätigkeit eingesetzt hatte. So auch in Lindenthal. Die repräsentativen Großvillen, wie sie u.a. Theodor Merrill in Marienburg nach 1918 noch in zahlreichen Stilvarianten baute, nahmen zahlenmäßig jedoch rapide ab und wurden, den gesellschaftlichen Umständen entsprechend, durch bescheidener dimensionierte Bauten ersetzt.
Die Freude an dekorativer Formgebung bzw. eine Pluralität in der architektonischen Ausprägung wurde jedoch beibehalten. Bevorzugt wurde ein Villentyp "behaglicher Breite im Stil eines Landhauses", wie es Gustav Lampmann 1927 in einer Publikation zur baulichen Entwicklung Kölns formulierte. Allzugroße Repräsentation wurde zugunsten von mehr Funktionalität und Wirtschaftlichkeit aufgegeben.
Der Architekt des o.g. Objektes, Clemens Klotz (1886-1969 Köln), kannte die bisweilen herausragenden Beispiele der Kölner Villen- bzw. Privathausarchitektur, die er bei dem o.g. Objekt produktiv verarbeitete, wodurch er zu einer eigenständigen Lösung dieser Bauaufgabe gelangte. Seit 1921 ging Klotz eine Partnerschaft mit dem Diplomingenieur und Regierungsbaumeister Josef Fieth ein, für den er 1922 dessen Privathaus in Marienburg baute. Die Architektengemeinschaft Klotz und Fieth gehörte zwischen 1921 und 1930 zu den wichtigsten Kölner Architekturbüros. Klotz bestimmte dabei weitgehend die baukünstlerische Gestaltung, während Fieth die bautechnische und finanzielle Betreuung übernahm.
1925, das Jahr in dem das o.g. Objekt erbaut wurde, war auch für Klotz und Fieth ein gutes Auftragsjahr, in dem insgesamt 5 Privathäuser errichtet wurden. Klotz' Formensprache entwickelte sich zu einem klaren Gestaltungsausdruck ohne ein Zuviel an dekorativen Elementen. Heinrich de Fries schrieb in seinem Buch "Moderne Villen und Landhäuser" (Berlin 1924), daß "mit einem Minimum von architektonischen Mitteln (ein) nachhaltiger Formausdruck erreicht wird."
Das o.g. Objekt ist durch eine für Klotz typische, betont horizontale Linienführung charakterisiert, die den zweigeschossigen Bau mit weit auskragendem Dach bestimmt. Symmetrisch behandelte Baumassen, belebt durch Vor- und Rücksprünge, Fenstergruppen verschiedener Formung mit horizontaler Sprossengliederung und eine kontrastierende Farbgebung einzelner Elemente kennzeichnen den Bau. Die Anordnung der Fenster, besonders im oberen Geschoß, waren ein weiteres Merkmal des von Klotz bevorzugten Formenapparates. Die äußeren Fenster wurden an der Straßenfassade betont an die Fassadenkanten gerückt. Zusammen mit den Fenstern an der Schmalseite ergeben sie jenes eigenwillige Motiv, das Klotz bereits bei seinem ersten Wohnhausbau von 1913 benutzte. Bei dem Doppelhaus in der Heinestraße wurde die Eckbetonung durch expressionistisch anmutende Bauplastiken (abstrahierte Tier- und Pflanzenornamente) von Willy Meller zusätzlich hervorgehoben. Klotz faßte ähnlich wie Carl Moritz seine Bauten als Gesamtkunstwerk auf, bei denen die Bauplastik, die eine wichtige Stellung einnahm, stets von seinem Freund Willy Meller (1887-1974 Köln) geschaffen wurde.
Ein weiteres, das Gebäude prägendes Motiv ist der erdgeschoßhohe Vorbau in Verbindung mit der seitlichen, rundbogigen Toreinfahrt, die dem Haus eine gewisse Großzügigkeit verleihen und dessen breite Lagerung betonen. Die durch die Torbögen erzielte optische Erweiterung wird durch die gleichartig behandelte Einfassungsmauer zusätzlich verstärkt.
Ein organischer Übergang zwischen Dachüberstand und den Fassaden wird durch ein in vierfacher Stabung gestaffeltes, nach oben verbreitertes Traufgesims hergestellt. Als weiteres baukünstlerisches Gestaltungsmittel tritt der scharrierte Putz des Kellersockels, an der Einfriedung, den konischen Abschrägungen der Torbögen und insbesondere an der mehrfach profilierten Türrahmung des Seiteneingangs in Erscheinung. Die Gartenfassade ist ebenfalls in einem symmetrisch ausgewogenen Schema entworfen. Eingeschossige Seitenflügel mit Terrassendächern sind dem Bau vorgestellt. Daran schließen seiltlich zurückversetzte Garagenbauten an (vom Niveau her gegenüber dem Wohnbau abgesenkt).
Im Inneren sind es die Raumfolge, die besonders im Erdgeschoß auf Großzügigkeit hin angelegt war, und die zum Originalbestand gehörende Ausstattung, wie die Türen mit Rahmen, die Treppenanlage, Deckengestaltungen und Bodenbeläge, die das Gesamtbild eines Hauses abrunden, das aufgrund seines außergewöhnlich guten Erhaltungszustandes die Gestaltungsabsicht des Architekten bis zum heutigen Tag erlebbar macht, was nicht zuletzt auf die hohe Qualität der Gestaltung und die dadurch bedingte Akzeptanz von Seiten der Eigentümer zurückzuführen ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0