Wohnhaus

Brüsseler Platz 17 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7829
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Brüsseler Platz 17, 50674 Köln
Baujahr1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.03.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut 1898, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in neugotischen Formen, konsolgetragener Erker auf trapezförmigem Grundriß mit abschließendem Balkon in der linken Achse, Eingang rechts, Oberlicht als Doppelrundbogenfenster, Buntglasbleifenster erneuert, originale Haustür, Souterraineingang links, Tür in Holz erneuert, Fenster im Erdgeschoß mit Rundbogenabschluß, im 1. und 2. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, im 3. Obergeschoß mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, außen braun, innen weiß).

Rückseite: Backstein, Vorderhaus dreiachsig, Seitenflügel fünfachsig, Balkone im Rücksprung, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, am Seitenflügel alle, am Vorderhaus z. T. zugemauerte Oberlichte, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzotreppe, jeweils Handlauf in Holz an der Wand verankert, Wandstuck (Fugenschnitt), Rundtonne in Stuck, stuckierter Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, originale Wandmalereien im oberen Wandbereich und an der Rundtonne: Ton in Ton und Grisaille, Motive aus Flora und Fauna, am Rundbogendurchgang mehrfarbige Malereien, im Treppenhaus mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Podeste mit zweifarbigen Bodenfliesen und Bordure, Terrazzotreppe, Geländer mit Stäben und sehr dekorativem Antrittspfosten sowie Handlauf in Holz, im Erdgeschoß Rundbogeneingang zur Wohnung mit reichen Stuckdekorationen, Tür erneuert, alle übrigen Wohnungseingangstüren erneuert, im Souterrain zweifarbige Bodenfliesen. In den Wohnungen: Grundrisse der Obergeschoßwohnungen verändert (je Etage Vorderhaus drei Appartements, Großwohnung je Seitenflügelgeschoß), z. T. Parkettböden unter Belag.

Die rückwärtige originale Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.

Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, geprägt von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Der Brüsseler Platz, der teilweise auf dem Terrain der Lünette 5 angelegt wurde, ist im wesentlichen um 1898 bebaut worden. Der nach Osten hin spitz zulaufende Rechteckplatz mit altem Baumbestand liegt im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener- und Venloer Straße, östlich der baumbestandenen Allee Moltkestraße, im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. 1902-06 folgte die anstelle einer Notkirche in neoromanischen Formen errichtete katholische Pfarrkirche St. Michael. Vom Ring erreicht man die geplante Platzanlage durch die Maastrichter Straße, die in der Achse auf den Platz und die Ostfassade der Kirche mit Portal zuführt. Das Gebäude Brüsseler Platz 17 ist Bestandteil eines im südlichen Teil des Platzes mit seinen Nachbargebäuden Nrn. 19, 21 und 11 gebildeten Ensembles.

Der heute mit Grünanlagen um die Kirche gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung mit unterschiedlich großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Die Gebäude Nrn. 17-21 dokumentieren in Verbindung mit den historischen Gebäuden mit purifizierten Schauseiten (Nrn. 9, 13-15) eine geschlossene Platzfront. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz (Nr. 7 Nachkriegsneubau) zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 17 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten, unmittelbar am Platz gelegenen Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalfassade ist das Objekt für die Architektur am Brüsseler Platz und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung. Die neugotischen Schmuckformen nehmen Bezug auf den benachbarten Sakralbau (Schmuckformen: Fugenschnitt, reich profilierte konsolgetragene Dreieckverdachung des Eingangs, profilierte Erkerkonsole, profilierte Fassung der Fenster mit aufgelegten Spitzbögen, Stockwerkgesimse mit Maßwerkfries am Erker, Traufgesims in Form eines Bogenfrieses mit Konsolen, reich dekorierte Brüstungsbereiche, Wappenschilde, in den Obergeschossen konsolgetragene Fensterverdachungen). Die Häuserzeile des Brüsseler Platzes setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude Nr. 17 ist für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0