Wohnhaus

Brüsseler Platz 19 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7908
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Brüsseler Platz 19, 50674 Köln
Baujahr1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut 1898, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 2 Achsen, Stuckfassade in neugotischen Formen, rechts: Wandvorlage und konsolgetragener Erker auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon im 3. Obergeschoß, Eingang rechts mit segmentbogigem oberen Abschluß, sechsstufige Treppe, Eingangsgewände beidseitig mit Wandstuck dekoriert, Haustür erneuert, Oberlicht, Fenster im Erdgeschoß mit segmentbogigem oberen Abschluß, im 1. Obergeschoß mit Rundbogen- bzw. Korbbogenabschluß, im 2. und 3. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, Souterrainfenster mit geschmiedeten Stahlgittern und Fenster im 1. Obergeschoß original erhalten (Holz, Oberlichte), Erdgeschoßfenster erneuert (Einscheibenfenster mit Oberlicht), 2. Obergeschoß: Fenster links original, im Erker erneuert (Kunststoff), im 3. Obergeschoß z.T. originale Fenster.

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel fünfachsig, am Seitenflügel nach Osten risalitartiger Vorbau über zwei Achsen, Loggien im Rücksprung (Winkel zwischen Vorderhaus und Seitenflügel), Terrassenausbau im Hochparterre mit Wellblechdach ist nicht Bestandteil des Denkmals. Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, originale zweiflügelige Loggiatüren mit Oberlicht, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß (Oberlichte z.T. zugemauert), rückwärtige Fenster z.T. original, Holz, Mittelteilung, Oberlichte, (im 3. Obergeschoß erneuert, Kunststoff).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Marmorbodenbelag, zweifarbig, schwarz/weiß, bis zu halber Höhe Wandfliesen erneuert, reicher Deckenstuck: zweiteiliges Rippengewölbe, Gurte, Stichkappen, kassetierter Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus Erdgeschoß: zweifarbiger Marmorboden schwarz/weiß, bis zu halber Höhe Wandfliesen erneuert, Holztreppe mit Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste und Zwischenpodeste mit Terrazzo belegt, Bordure, Mittelbetonung, im Treppenhaus Deckenstuckprofile, weitere Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf führt vom 3. Ober- in das Dachgeschoß, Lichtschacht mit originalen segmentbogenförmig abschließenden Fenstern: zwischen Hochparterre und 1., und 1. und 2. Obergeschoß große Fenster in Metall mit Metallsprossen, in den weiteren Geschossen Holzfenster mit Oberlichten, originale zweiteilige Wohnungseingangstüren in Holz, verglast, reiche Profilierung der Gewände.

In den Wohnungen: in den Dielen mehrfarbiger Terrazzoboden mit Bordure und Mittelbetonung (z.T. beschädigt), Deckenstuck, in den Wohnräumen z.T. Parkettböden, Deckenstuck, z.T. auch in den rückwärtig gelegenen Räumen, Türen und Gewände zum großen Teil original.

Die rückwärtige originale Einfriedungsmauer in Backstein, geschlämmt, ist Bestandteil des Denkmals.

Der eingeschossige Anbau im Hof (an der südlichen Grundstücksgrenze) sowie der Terrassenausbau am Hochparterre sind nicht Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, geprägt von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Der Brüsseler Platz, der teilweise auf dem Terrain der Lünette 5 angelegt wurde, ist im wesentlichen um 1898 bebaut worden. Der nach Osten hin spitz zulaufende Rechteckplatz mit altem Baumbestand liegt im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener- und Venloer Straße, östlich der baumbestandenen Allee Moltkestraße, im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. 1902-06 folgte die anstelle einer Notkirche in neoromanischen Formen errichtete katholische Pfarrkirche St. Michael. Vom Ring erreicht man die geplante Platzanlage durch die Maastrichter Straße, die in der Achse auf den Platz und die Ostfassade der Kirche mit Portal zuführt. Das Gebäude Brüsseler Platz 19 ist Bestandteil eines im südlichen Teil des Platzes mit seinen Nachbargebäuden Nrn. 17, 21 und 11 gebildeten Ensembles.

Der heute mit Grünanlagen um die Kirche gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung mit unterschiedlich großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Die Gebäude Nrn. 17-21 dokumentieren in Verbindung mit den historischen Gebäuden mit purifizierten Schauseiten (Nrn. 9, 13-15) eine geschlossene Platzfront. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz (Nr. 7 Nachkriegsneubau) zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis viereinhalbgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 19 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten, unmittelbar am Platz gelegenen Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalfassade ist das Objekt für die Architektur am Brüsseler Platz und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung. Die neugotischen Schmuckformen nehmen Bezug auf den vis-à-vis gelegenen Sakralbau St. Michael (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesimse, in der linken Achse paarweise zusammengefaßte Fenster, im 1. Obergeschoß mit reichen plastisch durchgearbeiteten spitzbogigen Verdachungen, Kreuzblume, konsolgetragener Erker auf Kreuzrippengewölbe, bekrönte Erkerfenster im 1. Obergeschoß mit Einschluß eines Wappens, im Brüstungsbereich links Wappenschilde, Balkon mit Maßwerkbrüstung, Spitzbogenfries leite über zum profilierten Traufgesims). Die Häuserzeile des Brüsseler Platzes setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalsubstanz der Schauseite, der Rückfassaden, des reich gestalteten Eingangsbereichs und Treppenhauses sowie der Interieurs ist das, den Oststeilen des Kirchengebäudes benachbart gelegene Wohnhaus Nr. 19 für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Neustadt-Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0