Wohnhaus
Brüsseler Platz 11 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8158 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Brüsseler Platz 11, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1904 bis 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.09.1997 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Um 1904/05 erbaut, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Hinterhaus auf U-förmig geschlossenem Grundriß.
Fassade: 4 Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (Wiederaufbau mit 4 neuen Gauben und späterer Spitzbodenausbau mit Dachflächenfenstern); 4 Achsen axialsymmetrische Anlage mit Betonung der beiden äußeren Achsen jeweils durch einen zweigeschossigen Erker mit aufgesetztem Balkon auf dreiseitigem polygonalen Grundriß; Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an den Jugendstil; Hauseingang in der zweiten Achse von links, rundbogiges Oberlicht original, Haustür erneuert; rechteckige, nur im EG eine rundbogige und 2 korbbogige Fensteröffnungen, Fenster erneuert (Kunststoff).
Rückseite des Vorderhauses: 4 Geschosse und als Vollgeschoß verändert ausgebautes Dachgeschoß, zusätzlich als Vollgeschoß ausgebauter Spitzboden; Fassade backsteinsichtig aus gelbem Klinker, Rest des Dachgesimses (Dachgeschoß mit neuer Schieferverkleidung); 3 Achsen, mittlere Treppenhausachse; stichbogige Tür- und Fensteröffnungen, Hoftür orginal, Fenster weitgehend erneuert (Kunststoff), 3 untere Treppenhausfenster original.
Hinterhaus: 4 Geschosse und zusätzliches späteres Vollgeschoß auf den seitlichen Flügeln in Verbindung zum Dachgeschoß des Vorderhauses (spätere Dachterrassen auf dem rückwärtigen Flügel und auf den seitlichen Flügeln in Anbindung an die Spitzbodenetage des Vorderhauses); Fassaden backsteinsichtig aus gelbem Klinker (oberstes neues Geschoß mit Schieferverkleidung); je 3 Achsen in den seitlichen Flügeln, 1. Achse am Ansatz zum Vorderhaus jeweils zurückgesetzt, rückwärtiger Flügel geschlossen; stichbogige Fensteröffnungen, Fenster weitgehend erneuert, 2 Fenster in zurückgesetzter Achse des linken Seitenflügels im 1. und 2. OG original.
Rückseite des Hinterhauses: 4 Geschosse; 4 Achsen; Fassade backsteinsichtig aus Feldbrandziegeln; stichbogige Fensteröffnungen (teilweise im EG verändert), Fenster erneuert (Kunststoff).
Im Inneren original: Im Entrée: Boden, Treppe und Wandsockel aus Marmor, aufgehende Wand mit Stuckgliederung-Lisenen und Ornamentfriese-, stichbogige Deckenwölbung mit Stuckunterzügen; stichbogiger, seitlich konkav einschwingender Stützbogen; im Treppenhaus: Marmorboden bis zur Treppe, seitlich der Treppe Terrazzoboden und -stufen, vor der Hoftür und auf den Treppenabsätzen ornamentierter Tonfliesenboden, Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer mit Holzhandlauf, Kellertür und Holverkleidung des Kellerabgangs, alle Wohnungstüren (im Dachgeschoß neu); in den bis ins Hinterhaus durchgehenden Wohnungen: überwiegend Holzdielenböden, Holzfußleisten, Zimmertüren, Stuckdecken, Wandfliesen in der Küche - weiß/hellblau).
Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrundert. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard. Das sogenannte "Westend" zwischen Gladbacher und Zülpicher Straße entwickelte sich zu einem gutbürgerlichen Wohnviertel mit vornehmen Miethäusern von meist reicher Fassadengestaltung. Auf dem zwischen Brüsseler Straße und Moltkestraße gelegenen Brüsseler Platz, 1888 benannt, steht die katholische Kirche St. Michael. Zunächst war dort 1894 eine Notkirche errichtet worden. Die heutige Kirche wurde im Anschluß an eine Wettbewerbsphase 1902 - 06 nach den Plänen von Eduard Endler in neuromanischer Formensprache als platzbeherrschender architektonischer Blickfang ausgeführt. Die Bebauung der Platzseiten erfolgte im wesentlichen um 1898.
Der heute mit Grünanlagen um die Kirche gestaltete und durch alten Baumbestand gekennzeichnete Platz, dessen Rechteckform nach Osten hin spitz zuläuft, weist ringsum geschlossene Bebauung auf. Das o.g. Gebäude Brüsseler Platz 11 ist Bestandteil eines im südlichen Teil des Platzes mit den Nachbargebäuden Nr. 17 - 21 gebildeten Ensembles. In Verbindung mit den beiden historischen Gebäuden Nr. 13 und 15, deren Fassaden purifiziert wurden, dokumentiert die Häuserzeile das für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristische Erscheinungsbild vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 11 ist prägender Teil dieses städtebaulichen Zusammenhangs. Es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten, unmittelbar am Platz der Kirche gegenüber gelegenen Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der originalen Fassade ist das Gebäude für die Architektur am Brüsseler Platz und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung. Die variantenreich dekorierten Häuserfronten bilden ein Ensemble historischer Architektur, innerhalb dessen sich das um 1904/05 errichtete o. g. Gebäude mit seinen klassizistisch geprägten Jugendstilformen als jüngstes der noch erhaltenen Erstbebauung des Platzes abhebt. An den in glattem Fugenschnitt gehaltenen Fassadenflächen konzentrieren sich die aufwendigeren Details der Gliederung besonders auf das Türgewände, die Erkerfüße sowie die Fenster- und Balkonbrüstungen, die mit üppigem, jedoch der stilistischen Eigenart entsprechend flachem Blattwerk geschmückt sind. In der Gesamtanlage zeichnet sich die Fassadengestaltung durch das ausgewogene Verhältnis der vier vertikalen, symmetrisch angelegten Achsen zu den vier horizontalen Geschoßebenen aus. Die mittleren Achsen und Etagen setzen sich jeweils gegen die äußeren Achsen bzw. die unterste und die oberste Etage ab und weisen übereinstimmende Gestaltungsmerkmale auf. Als Besonderheit ist am Gebäude Brüsseler Platz 11 im Gegensatz zur üblichen Schmuckweise das oberste Geschoß nicht den darunterliegenden Geschossen gestalterisch nachgeordnet, sondern als aufwendiger Gebäudeabschluß ausgebildet. Trotz einiger Substanzverluste z. B. des Dachgeschosses, ist der originale Bestand, der sich auch in der noch überwiegend gut erhaltenen, qualitätvollen Innenausstattung dokumentiert, insgesamt weitgehend erhalten. Das o. g. Gebäude ist deshalb als wichtiges Zeugnis für die reiche Neustadtarchitektur der Jahrhundertwende und als unverzichtbarer Bestandteil für das Erscheinungsbild des Brüsseler Platzes unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0