Wohnhaus
Simon-Meister-Straße 30 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7848 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Simon-Meister-Straße 30, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1870 bis 1880 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.04.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut: um 1870/80, Fassadendekoration um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuck-/Backsteinfassade mit Gliederungen in historistischen Formen, Jugendstildetails, Ziergiebel mit Rundbogenabschluß in der Mittelachse, Eingang in der linken Achse mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, vierstufige Eingangstreppe nachträglich mit Bodenfliesen belegt, Haustür original, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, im Obergeschoß waagrechte und profilierte Verdachungen, im Ziergiebel Zwillingsfenster mit Rundbogenabschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: verputzt, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel vierachsig, Seitenflügel mit Pultdach, im vorderen Bereich nachträglich aufgesetzte Schleppgaupe, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Im Inneren original erhalten: Grundriß des Treppenhauses im Erdgeschoß verändert (Öffnung zum anschließenden Wohnraum), Holztreppe mit Antrittspfosten Stäben und Handlauf in Holz.
In den Wohnräumen: Erdgeschoß: nachträgliche Ausstattung mit Bodenfliesen auf Estrich, im Ober- und Dachgeschoß Holzdielenboden, Wohnraum Erdgeschoß mit originaler Holzbalkendecke auf Holzkonsolen, alle weiteren Wohnräume nachträglich mit Holzdecken ausgestattet, alle Türen und Gewände erneuert, ausgebautes Dachgeschoß mit offenem Spitzboden.
Gewölbekeller: Rundtonne.
Der rückwärtig gelegene Ziergarten mit gemauerter und verputzter Einfriedungsmauer und Deckplatte ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Simon-Meister-Straße wurde im Zuge der Aufgabe der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld und der Anlage der Kempener Straße (im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts) anstelle der Bahntrasse, die Nippes vom Ortsteil Sechzig trennte - als Verbindung zwischen Merheimer- und Gocher Straße angelegt. Im Kreuzungsbereich zur Gocher Straße und im Geviert zwischen Merheimer-/Weseler- und Gocher Straße liegt das Gebäude Simon-Meister-Straße 30 im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Die städtebauliche Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Die Simon-Meister-Straße im Kreuzungsbereich zur Gocher Straße ist charakterisiert durch aufwendige breitgelagerte und im Inneren großzügig dimensionierte Wohn- und Mietwohngebäude mit Betonung der Fassaden in Form von Erkern und Ziergiebeln (Nrn. 34-40, Nr. 28). In der Umgebung dieses Wohnquartiers erwarben Bauunternehmer und Spekulanten zu Anfang des Jahrhunderts zahlreiche ausgedehnte Parzellen, die in den darauffolgenden Jahren (1905 - 1913) mit Mietwohngebäuden bebaut wurden (Simon-Meister-Sraße 34-40, Gocher Straße 19-23, Auguststraße, Hartwichstraße, Merheimer Straße, Sechzigstraße, Ulrich-Zell-Straße). Das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete und zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer zeitgemäßen Fassadendekoration neu gestaltete Wohngebäude zeigt Versatzstücke historisierender Schmuckformen und Jugendstildetails (im Erdgeschoß kräftiger Horizontalfugenschnitt, Entlastungsbögen, Stockwerkgesims, im Obergeschoß Backsteindekoration, Brüstungsfelder mit dekorativem floralen Schmuck, Voluten, bekrönte Wappenschilde, waagrechte profilierte Fensterverdachungen, ein Jugendstilzierfries leitet über zum Traufgesims, Ziergiebel mit eingestellten Zwillingsfenstern, profiliertes Gesims, Rundbogenabschluß, im Bogenfeld Voluten und Blattwerk, Kartusche). Das Haus Simon-Meister-Straße 30 deutet aufgrund der Zweigeschossigkeit mit niedrigen Raumhöhen, der dreiachsigen Fassade rheinischer Prägung und des weit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügels mit ehemals Hofwohnungen, auf die frühe Parzellierung und Bebauung der Straße. Das zur Straße hin bescheiden dimensionierte Haus ist innerhalb des Zusammenhangs das letzte Gebäude aus der Frühzeit der Straße. Weitere Gebäude der Nachbarschaft entstanden als viergeschossige Mietwohnbauten (Nrn. 34-40) in den ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts, sowie nach Kriegszerstörungen als Nachkriegsneubauten (Nr. 25 an der gegenüberliegenden Straßenseite). Das Gebäude Nr. 30 ist ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes im 19. Jahrhundert. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung mit modernisierter Schauseite, mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Simon-Meister-Straße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderner Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren des Gebäudes, insbesondere im (z.T. veränderten) Treppenhaus und im straßenseitigen Wohnraum mit wertvoller Holzbalkendecke. Die sich noch heute darstellenden Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Simon-Meister-Straße eine mittelständische Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes Simon-Meister-Straße 30 für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Substanz ist das Geäbude sowohl für das Erscheinungsbild der Simon-Meister- und umgebender Straßen als auch als Dokument für die städtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historischer Wohn- und Repräsentationsformen der Erbauungszeit von hoher Bedeutung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0