Wohnhaus
Kuenstraße 22 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7859 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kuenstraße 22, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.05.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Treppenhausanbau
Fassade: 3 Geschosse, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils und der Neogotik mit größtenteils segmentbogig schließenden Fensteröffnungen: Erdgeschoß mit Sockel, horizontalem Fugenschnitt und abschließendem Geschoßgesims, erstes und zweites OG mit angeputzter Eckquaderung und Traufgesims mit floralem Dekor; die Fassade achsialsymmetrisch, nur im Erdgeschoß rechts Fenster und links Eingang (mit Stuckrahmung), letzterer mit zwei Oberlichtern in stehend, annähernd ovaler Form, die Haustür erneuert, die Fenster im ersten OG über Brüstungsfeld mit diagonal gestelltem Gitterwerk, mit reich profilierter Sohlbank sowie Rahmung und Verdachung in gotisierenden Formen, auch im zweiten OG Fenster mit Stuckeinfassung in Werksteinimitation mit reich profilierter Sohlbank und davon abhängenden Zierformen; die mittlere Fassadenachse risalitartig leicht vortretend, im EG mit zwei Fenstern, darüber leicht eingezogener zweigeschossiger Erker auf Konsolen, die als dreistrahlige Gewölbeanfänger gestaltet, Geschoßgesims um Erker verkröpft, darüber die obengenannte Brüstungszier, die mit Sohlbankgesims schließt, darauf in Höhe und Breite gestaffelte, rundbogig schließende Fenster-Dreier-Gruppe, die durch angeputzten Korbbogen mit in das Mittelfenster ragendem Keilstein zusammengefaßt wird, reiche florale Füllung in den Zickeln und im gerahmten Feld über dem Bogen: die "Belle Etage" damit in der Fassade deutlich gekennzeichnet, über mehrteiligem Sohlbankgesims eine weitere gestaffelte Fenstergruppe mit der sonst üblichen Rahmung und abschließend reich profiliertes Traufgesims, flaches Pultdach, der Mittelrisalit seitlich des Erkers als schmale Bänder mit horizontalem Fugenschnitt, dieser auch oberhalb des Erkers, wo einst Ziergiebel, dessen oberer Abschluß fehlt, vertikale Gliederung durch spitzwinklig vortretende Lisenen auf von einem Horizontalgesims überkröpften Konsolen, das breitere Mittelfeld von Doppelfenster in einfacher Rahmung durchbrochen, dieses wohl nachträglich nach unten erweitert; das Satteldach mit jeweils einer Gaupe in den seitlichen Achsen, diese, wenn nicht erst von späterem Dachausbau, so doch in jetziger Form erneuert.
Rückseite: Backstein, farbig gefaßt, Treppenhaus springt rechts vor, links Zungenmauer, dazwischen Balkone gespannt (T-Träger/Beton, im Dachgeschoß nur Beton), gußeiserne Zwischenstütze, Fensteröffnungen segmentbogig geschlossen.
Im Inneren: Vestibül mit rundbogigem Durchgang zum Treppenhaus, Terrazzoböden, Terrazzotreppe, Treppengeländer neu in Holz, Fenster erneuert, Wohnungstüren im EG, zweiten OG und Dachgeschoß erneuert, diejenige im ersten OG fehlt, dahinter Wohnung in zwei Appartments aufgeteilt, alle Türen und Gewände in den Wohnungen erneuert, alte Holzzwischendecke mit Dielenfußboden gesichert nur mehr im EG/ersten OG erhalten, im Dachgeschoß Betonboden, im EG in den straßenseitigen Räumen Stuckdecken.
Der Hof mit Einfriedungsmauer in Backstein und altem Baumbestand ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Das oben genannte Objekt ist vor allem aus städtebaulichen Gründen schützenswert: Es bildet als Teil der Erstbebauung der Straße - zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20 und 26-40 - eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und des Jugendstiles, in welcher der gleiche Bautyp in geringen Variationen wiederholt wird. Der reich verzierte Erker bildet in dieser Straßenfront einen markanten Blickfang. Das Gebäude ist deshalb innerhalb des Ensembles unverzichtbar. Das Haus ist durch eine im Vergleich mit den meisten Nachbarhäusern aufwendige Dekoration der Fassade mit Jugendstilmotiven und Formen der Neogotik ausgezeichnet. Die besonders hervorgehobene Belle Etage weist auf gleichfalls auf eine repräsentationsbewußte bürgerliche Bauherren- und Bewohnerschaft.
Das Gebäude Kuenstraße 22 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0