Wohnhaus
Kuenstraße 28 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7860 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kuenstraße 28, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.05.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, auf annähernd quadratischer Grundfläche mit gestaffelter Rückfassade
Fassade: 3 Geschosse, nachträglich aufgesetztes Dachgeschoß, flaches Satteldach; 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, konsolgetragener Erker auf rechteckiger Grundfläche, Eingang rechts mit mehrfach gebrochenem Abschluß und Oberlicht in annähernd ovaler Form, Haustür und Oberlicht original (Holz, sprossengeteilt), Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß im Erdgeschoß, im ersten Obergeschoß hochrechteckig mit aufwendiger Verdachung, im zweiten Obergeschoß alter segmentbogiger Abschluß verloren: einfache hochrechteckige Fensteröffnungen; alle straßenseitigen Fenster in Aluminium erneuert.
Rückseite: nachträglich verputzt, Fensteröffnungen segmentbogig geschlossen (Fenster erneuert), Aufstockung leicht zurückversetzt, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, hier ein nachträglicher, zweigeschossiger Anbau (Mitte 1980er Jahre, nicht Teil des Denkmales), Balkone am Vorderhaus (derjenige im zweiten Obergeschoß auf das Dach des Anbaues ausgeweitet).
Im Inneren: Vestibül: original der mehrfarbige Fliesenfußboden mit Bordüre, die zweistufige Marmortreppe, bis zu halber Höhe Wandverkleidung aus Marmorwandplatten in vier verschiedenen Varietäten (rot, schwarz, zwei verschiedene Grau-Weiß-Töne), Wand darüber und das korbbogige Gewölbe (mit Gurten) in Stuck, Durchgang zum Treppenhaus mit gebrochenem Bogen. Treppenhaus: Fliesenfußboden mit Bordüre im EG, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzobodenbelag (Bordüre in Mosaik und verschiedenfarbiges Terrazzo), Wohnungseingangstüren im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß sowie Kellertür in Holz erneuert, Hoftüre erneuert (Aluminium/Glas) ebenso die Treppenhausfenster, das Podest zwischen erstem und zweitem OG mit Tür abgetrennt (Podestbelag, Treppengeländer usw. dahinter erhalten). In den Wohnungen: Holzdielenböden im 1. Obergeschoß, ansonsten neue Betonzwischendecken, in EG-Wohnung teils erneuert Stuckdecken, Türen und Gewände erneuert, auch die Stuckdecken im zweiten OG, dort und im EG Zwischenwände z. T. versetzt.
Der Hof mit Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Das oben genannte Objekt ist vor allem aus städtebaulichen Gründen schützenswert: Es bildet als Teil der Erstbebauung der Straße - zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20/22 und 26-40 - eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und des Jugendstiles, in welcher der gleiche Bautyp in geringen Variationen wiederholt wird. Es ist deshalb - trotz des Verlustes der alten Dachzone - innerhalb des Ensembles unverzichtbar. Das Haus Kuenstraße 28 veranschaulicht mit dem sich anschließenden, eine spiegelbildliche gestalterische Einheit bildenden Nachbargebäude Nr. 30 das ursprüngliche Erscheinungsbild des breitgelagerten Wohngebäudes mit in den Blockinnenbereich ragenden Anbauten und Hofwohnungen. Das Gebäude zeigt eine auch im Vergleich mit den Nachbarhäusern aufwendige Dekoration der Fassade mit Jugendstilmotiven (Schmuckformen: Fugenschnitt, Einfassung des Oberlichts durch Blattwerkschmuck, Stockwerkgesims, am Erker gekröpft, Brüstungsbereiche mit Blattwerk in Verbindung mit einem durchlaufenden Fries, Fassung des Erkers durch Lisenengliederung, reich dekoriertes Bogenfeld, Bogenabschluß, Fensterverdachungen mit Einschluß von Wappenschilden, Traufzone mit Fries von geometrisch-floralem Zierrat (in Resten)). Die Gestaltung des Treppenhauses ist von entsprechend großer Qualität und weist damit gleichfalls auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft.
Das Gebäude Kuenstraße 28 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0