Wohnhaus
Kuenstraße 26 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7797 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kuenstraße 26, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 bis 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905/10, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Treppenhausvorbau.
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen des Jugendstils, 1. Obergeschoß Mittelbalkon, 2./3. Obergeschoß Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche, Erdgeschoß verändert (links ehemals Durchfahrt, in der Mitte ehemals Ladenlokal), Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert (Metall), Fenster mit geradem oberen Abschluß (im Erdgeschoß quergelagertes Fenster, Oberlicht geschlossen), alle straßenseitigen Fenster erneuert, Einscheibenfenster in Kunststoff, Oberlichte.
Rückseite: Backstein, 3 Achsen, Treppenhausvorbau, Balkone, Hoftür in Metall erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert, ein Holzfenster.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: bis zu halber Höhe Wandfliesen zweifarbig mit oberem Abschluß durch Formfliesen, Deckenstuck, im Treppenhaus Terrazzoboden mit Mittelbetonung, Podeste mit Terrazzo belegt, Bordure, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Treppenhausfenster in Metall erneuert, Unterlichte, Wohnungseingangstüren der Obergeschosse als dreiteilige Holz-/Glaseinbauten, Oberlicht, Konsoldekoration. In den Wohnungen Holzdielenböden, z.T. Deckenstuck.
Der rückwärtige Garten und die Einfriedungsmauer, Backstein, verputzt, mit Deckplatten sind Bestandteil des Denkmals.
Der eingeschossige rückwärtige Anbau im Bauverband zum Vorderhaus ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Das anderthalbgeschossige Gebäude im rückwärtigen Garten ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 20-40 und weiteren Mietshäusern der Zeile eine fast ununterbrochene Fassadenreihe (das Nachbarhaus Nr. 24 erscheint als Nachkriegsneubau) von Häusern des späten Historismus und des Jugendstils bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 26 veranschaulicht mit den sich anschließenden Nachbargebäuden das ursprüngliche Erscheinungsbild des drei Achsen breiten Hauses mit rückwärtigem Hof/Garten. Die Dekoration in Anlehnung an Formen des Jugendstils ist innerhalb des Spektrums der historistischen Architektursprache eine zeitgemäß moderne Dekorationsvariante, die im Falle des Objektes Kuenstraße 26 in unwesentlich veränderter Form erhalten ist. Sowohl die - im Gegensatz zur Wohnbebauung der Kuenstraße im Bereich zur Neusser Straße - Breitenausstreckung der unmittelbar an der Straße gelegenen Parzelle, als auch damit einhergehend die variantenreichausgewogene Gliederung der großflächigen Schauseite, die geringe Grundstücksausnutzung (d.h. kein Anbau oder Seitenflügel) sowie die den gehobenen Wohnkomfort unterstreichende Gartenanlage weisen auf den bürgerlichen Sozialstatus der Bewohner hin. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere des reichen Fassadendekorationssystems in Backstein und großer Teile der Interieurs ist das Gebäude für das Gesamterscheinungsbild der Kuenstraße und des Stadtteils ein wertvolles Zeugnis der bürgerlichen Architektur (Schmuckformen: Erdgeschoß Stuckfassade mit Fugenschnitt, in den Obergeschossen Backsteinfassade mit Einfassung der Gebäudekanten durch Stuckquader, reich dekorierte Brüstungsfelder, Mittelbetonung durch Balkon und konsolgetragenen Erker in Stuck, reich profilierter Gesimsabschluß, Traufgesims mit Rankenfries und Profilen). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Städtebauliche Aspekte sowohl, wie die ausgewogen in der Breite gestaltete Backsteinfassade und die weitgehende Erhaltung der Interieurs begründen die Schutzwürdigkeit der Architektur. Das Gebäude Kuenstraße 26 ist ein wertvolles und unverzichtbares Dokument der Kölner Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0