Wohnhaus

Xantener Straße 145 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7907
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Xantener Straße 145, 50735 Köln
Baujahr1927 bis 1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.07.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut 1927/28, westliches Gebäude einer freistehenden, symmetrisch gestalteten dreiteiligen Gebäudegruppe; Architekt Ernst Scheidt, Bauherr: Kölnische Bauaktien Gesellschaft; auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach mit Fuß, Dachgaupen, weit vorkragende Dachkante, Unterseite in Holz (einheitliches Dach des Doppelbaus), 2 Achsen, Backsteinfassade, Sockel verputzt, Gliederungen in rheinischem Tuffstein und Backstein in expressionistischen Formen, Erdgeschoßerker in der linken Achse, gerundete Ecken, abschließender Balkon im Obergeschoß, originales Brüstungsgitter in geschmiedetem Stahl, orginale sechseckige Bodenfliesen, rot, Fenster mit geradem oberen Abschluß, hochrechteckige Fenstertür am Erker mit Rundbogenabschluß, geschmiedetes Fenstergitter in Stahl, im Obergeschoß zweiteilige Fenstertür, alle straßenseitigen Fenster und Fenstertüren original erhalten (Holz, Sprossenteilung), originale Holtfenster der Dachgaupen.

Westseite: eine Achse, vorgelagertes Podest mit dreistufiger Treppe in Backstein, gemauerte kniehohe Brüstung mit originalem Gitter in geschmiedetem Stahl, Eingang mit geradem oberen Abschluß, Einfassung in rheinischem Tuffstein, originale Haustür in Holz mit Glas, waagerechte Wetterplatte, beidseitig flankierende Rundfenster mit geschmiedeten Stahlgittern, originales Buntglas, im Obergeschoß Dreiergruppe von hochrechteckigen Fenstern mit Rundbogenabschluß, originale Holzfenster, die Treppenhausachse durchbricht risalitartig die Dachtraufe, den oberen Abschluß bildet ein gebrochener Giebel mit profilierter Kante, die ehemalige Souterraingarage durch nachträglichen Anbau der vorgelagerten Garage geschlossen.

Rückseite: 2 Achsen, Backstein, rechts Erkerausbau mit abschließendem Balkon im Obergeschoß, vorgelagerte Terrasse mit Gartentreppe, gestufte Brüstung in Backstein, Sichtschutzmauer in Backstein, Fenster und Türen mit geradem oberen Abschluß, links originale dreiteilige Terrassentür in Holz, alle rückwärtigen Fenster original erhalten (Holz, Sprossenteilung), zweiteilige Gartentür im Souterrain erneuert (Aluminium).

Im Inneren: Eingangsbereich mit originalen Natursteinbodenplatten, in der Diele originaler Parkettboden, Holztreppe, Geländer aus horizontalen Sprossen und Handlauf in Holz original, Deckenstuckprofile, Obergeschoßdiele mit erneuertem Parkettboden, weitere Holztreppe zum Dachgeschoß original.

In den Wohnräumen: im gesamten Erdgeschoß originale Parkettböden, im Obergeschoß Parkettböden erneuert (ehemals Linoleum), im Dachgeschoß originale Holzdielenböden, Küche Erdgeschoß mit originalen Bodenfliesen schwarz/weiß, Türen und Gewände, z.T. verglast originale erhalten, im Erdgeschoß originale Deckenstuckprofile, im Obergeschoß z.T. in Holz nachgearbeitet, Bäder im Obergeschoß mit originalen Wandfliesen, z.T. originale Bodenfliesen schwarz/weiß, z.T. originale Heizkörperverkleidungen in Holz mit Natursteinplatte.

Der straßenseitige Ziergarten (einheitliche Einfriedung der gesamten Anlage Xantener Straße 145-149) mit hüfthoher Einfriedungsmauer in Backstein (nach Süden und Westen), Mauerpfeilern und aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, originalem Gartentor und zweiteiligem Tor der Einfahrt, Einfahrt mit Natursteinbodenplatten, seitlicher Einfassung durch Natursteinmauer, sowie der rückwärtige Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nach Westen im Bauverband errichtete Garage.

Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller- und Xantener Straße/ Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 145-149 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße.

Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale von Villen in Gruppenbauweise mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 145 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (147/149) errichtet; alle drei Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Außenachsen und der Eingangsbereiche auf. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Tuffstein und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen, Mittel- und Eckbetonung an der Schauseite), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition des Gruppenbaus, breitgelagerte kubische Bauform, Sockelbereich verputzt, Einfassung der Öffnungen durch rheinischen Tuffstein, dekorative Fenstergitter in expressionistischen Formen). Die Dachlandschaft mit weit vorkragender Kante faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Das Gebäude dokumentiert mit weiteren in der Nachbarschaft anstehenden Gruppenbauten und Siedlungskomplexen in ausgezeichneter Überlieferung das Werk des bedeutenden Architekten Ernst Scheidt. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, großen Teilen der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung.

Das Wohnhaus Xantener Straße 145 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0