Wohnhaus
Xantener Straße 141 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8334 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Xantener Straße 141, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1925 bis 1930 |
| Eigentum | städtisches / öffentliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 25.06.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1925-30, Architekt: Ernst Scheidt, westliches Gebäude eines freistehenden zweiteiligen, ehemals symmetrisch gegliederten Doppelbaus, auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten und seitlichem Treppenhausrisalit.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach mit seitlicher Einfassung durch getreppte Backsteinmauer, 2 Achsen, Backsteinfassade mit Gliederungen in rheinischem Tuffstein in expressionistischen Formen, links Erdgeschoßerker in Natursteinplattenverkleidung, abschließender Balkon, Fenster mit geradem oberen Abschluß z. T. mit gerundeten Ecken an Sohlbank und Sturz, alle straßenseitigen Fenster sowie die Balkontür erneuert (Holz).
Westseite: eine Achse, Treppenhausrisalit auf Halbrundgrundriß, vertikales Fensterband mit originalen Buntglas-Bleifenstern, Eingangspodest mit seitlicher gemauerter Brüstung, waagrechte Eingangsüberdachung, Eingang nach Süden mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert (Holz).
Rückseite: Backstein, Traufgesims in rheinischem Tuffstein, 2 Achsen, im Erdgeschoß Terrasse über die gesamte Fassadenbreite, links auf vorkragendem Souterrain, Erdgeschoßerker (z.T. verändert), 13-stufige Gartentreppe, Belag erneuert, im Obergeschoß rechts Terrasse auf rechteckiger Grundfläche, Fenster und Terrassentüren mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und Balkontüren erneuert, im Erdgeschoß in Aluminium, im Obergeschoß in Holz
Im Inneren: in Eingangsbereich und Diele Natursteinbodenplatten, Holztreppe, geschlossene Treppenbrüstung in Holz, Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden belegt (unter Belag), in der Obergeschoßdiele Linoleum unter Belag.
In den Wohnräumen: im Erdgeschoß Parkettböden, in der Küche originale Bodenfliesen schwarz/weiß (z.T. unter Belag), Türen und Türgewände erneuert, originale zweiteilige Schiebetür in den Erdgeschoßwohnräumen, im Ober- und Dachgeschoß Fußböden erneuert.
Der straßenseitige Ziergarten mit hüfthoher Einfriedungsmauer in Backstein, Mauerpfeilern und aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, originalem Gartentor und Einfahrtstor, Natursteinbodenplatten in der Einfahrt und altem Baumbestand, sowie der rückwärtige Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Nicht Bestandteil des Denkmals ist die westlich im Bauverband anstehende Garage.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, JohannesMüller-Straße und Am Botanischen Garten/Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 141/143 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße. Das Gebäude 141 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit dem - heute weitgehend veränderten - Nachbargebäude errichtet. Das Gebäude 141 weist eine deutliche Betonung der westlichen Außenachse mit natursteinverkleidetem Erdgeschoßerker und anschließendem Treppenhausrisalit auf. Die künstlerische Gestaltung zeigt individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen (Verbindung von Plastik, rheinischem Tuffstein und Reliefs). Das optisch in der Horizontalen betonte Gebäude erfährt seitlich durch den hohen und weitgehend geschlossenen Treppenhausrisalit auf halbrund vorkragender Grundfläche einen Vertikalakzent (Schmuckformen: Vorbau mit aufwendiger Gestaltung in Naturstein und abschließendem Gesims in expressionistischen Formen, Treppenhausfensterband mit originalen Buntglas-Bleifenstern). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Das Gebäude ist in Einheit mit benachbart gelegenen Gruppenbauten (Nrn. 133-139, 145-147) ein ausgezeichnet Dokument für den gehobenen Villenbau in Formen des Expressionismus und für das Bauschaffen des bedeutenden Architekten Ernst Scheidt. Die Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Das Wohnhaus Xantener Straße 141 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0