Wohnhaus
Xantener Straße 139 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8288 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Xantener Straße 139, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 02.03.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1928, östliches Gebäude einer symmetrisch gestalteten Anlage, bestehend aus zwei Doppelbauten (korrespondiert mit dem Gebäude Xantener Straße 133), Architekt: Ernst Scheidt; auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten, weit vom Straßenraum zurückgesetzte Gruppe mit großem Ziergarten.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach, Schleppgaupe, vorkragende Traufkante (einheitliches Dach des Doppelbaus), profilierte Traufzone in rheinischem Tuffstein, 2 Achsen, Backsteinfassade, Gliederungen in rheinischem Tuffstein und Backstein in expressionistischen Formen, Risalit in der rechten Achse, gerundete Ecken, dekorative Gestaltung des Traufgesimses am Risalit durch reiche Profilierung und Einschluß eines Schmuckkeilsteins, Zierbalkon auf profilierter konsolgetragener Halbrundplatte, geschmiedetes Stahlgitter in expressionistischen Formen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, gerundete Ecken der Fensterstürze, im Erdgeschoß rechts Querrechteckfenster, links paarweise zusammengefaßte Hochrechteckfenster, im Obergeschoß rechts Zwillingsfenster mit rundbogigen Abschlüssen, links zu Vierergruppe gehörendes Rechteckfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Einscheibenfenster in Holz und Metall).
Ostseite: eine Achse, flach vortretender Treppenhausrisalit auf Rechteckgrundfläche, vorgelagertes Podest mit dreistufiger Treppe, gemauerte kniehohe Brüstung mit originalem Gitter in geschmiedetem Stahl, Eingang mit geradem oberen Abschluß, Keilstein, waagerechte Wetterplatte auf Konsole, profilierte Kante, Unterseite mit dekorativer Scharrur, Haustür in Holz erneuert, den Eingang beidseitig flankierende Rechteckfenster, originale Fenstergitter in geschmiedetem Stahl, im Obergeschoß Hochrechteckfenster in Dreiergruppe, Buntglas-Bleifenster original, originale Fenstergitter, geschmiedetes Stahl in expressionistischen Formen, ehemals rechts Souterraingarage, heute zu Büroraum umgebaut.
Rückseite: 2 Achsen, Backstein, Erkerausbauten, vorkragende Dachkante, Traufgesims in Backstein, Erdgeschoßterrasse über dem Souterrainausbau auf halbrunder Grundfläche, im Obergeschoß Terrasse auf rechteckiger Grundfläche, gemauerte Sichtschutzwand zum Nachbargebäude, beide Terrassen über die gesamte Breite der rückwärtigen Fassade, beide Terrassen sowie die Gartentreppe mit erneuertem Belag in Basaltplatten, erneuerte Stahlgeländer in modernen Formen, zu Büronutzung ausgebautes Souterrain und Keller, rückwärtige Fenster und Terrassentüren mit geradem oberen Abschluß, Fenster und Türen erneuert (Holz und Kunststoff).
Im Inneren: Holztreppe, geschlossene Brüstung und Handlauf in Holz, originale Deckenstuckprofile, in der Obergeschoßdiele originale Einbauschränke in Holz, weitere Holztreppe zum Dachgeschoß.
In den Wohnräumen: im Erdgeschoß originale Parkettböden in Wohnräumen und Diele, im Obergeschoß Parkettböden erneuert, im Dachgeschoß originale Holzdielenböden, in der ehemaligen Küche originaler Fliesenboden schwarz/weiß (unter Belag), z.T. sehr aufwendige Stuckdecken, die mit der Dekoration der Türgewände korrespondieren, im Obergeschoß eine originale Stuckdecke, Türen und Gewände zum großen Teil original, im Dachgeschoß zwei originale Türen und Gewände, Einbauschrank.
Der straßenseitige - weit vom Straßenraum zurückliegende - tiefe Ziergarten (einheitliche Einfriedung der gesamten Anlage Xantener Straße 133-139) mit kniehoher Einfriedungsmauer in Backstein, Mauerpfeilern mit Abdeckplatte und aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, originalem Gartentor und zweiteiligem Tor der Einfahrt, Einfahrt mit Natursteinbodenplatten, seitlicher Einfassung durch Natursteinmauer, sowie der rückwärtige Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller-Straße und Am Botanischen Garten/Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 133-139 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße.
Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale von Doppelvillen mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 139 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (133-137) errichtet; alle vier Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der risalitartigen Außenachsen, der Eingangsbereiche und der aufwendigen Gestaltung mit verbindender Pergola in Backstein auf. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Tuffstein und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition der beiden Doppelvillen, Sockelbereich mit horizontalem Backsteinbändern, Brüstungsbereich im Erdgeschoß mit Horizontalprofilen in rheinischem Tuffstein). Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete große Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der Fassaden (mit dekorativ gestaltetem Traufgesims und Einschluß eines Keilsteins), die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Xantener Straße 139 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0