Wohnhaus

Fridolinstraße 37 · Neuehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7909
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Fridolinstraße 37, 50823 Köln
Baujahr1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.07.1996
Stadtteil Neuehrenfeld

Erbaut 1913; Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Mansarddach; 3 Achsen (Eingang links); Putzfassade mit Stuckgliederung des Neo-Klassizismus (aufgeputzte Quaderstruktur im EG/Erker; Kolossalpilaster im 1./2.OG; portalartige Eingangsrahmung; kassettierte Fensterbrüstung im 2.OG Erker); Fassadenrhythmisierung durch dreigeschossigen risalitartigen Standerker mit Balkon (Brüstung seitlich mit Voluten) und Dachaufbau mit Konsolfries und Walmdach; Fenster mit Beschlägen (oberstes Treppenhausfenster mit Bleiverglasung) und Eingangstür original (außer Treppenhausfenster im 1./2./3.OG).

Rückfront: 3 Achsen; verputzt; rechts Balkonanlage (Geländer außer im EG erneuert); Treppenaufgang zum EG mit originalem Metallgeländer; Fenster (außer Kellerfenster: original mit Beschlägen)/Fenstertüren erneuert (Original-Fenster lagern im Keller und im Garten).

Innen original: Treppenhaus: Bodenbelag im Eingangsbereich, Hochparterre und Treppenstufen zum Hochparterre aus hellem Marmor; Wandbelag mit Bordüre im Eingangsbereich/Hochparterre aus weißem und grauen Marmor; Fußleisten aus Belgischem Granit; Treppenstufen bis einschl. Hochparterre mit rotem Teppich belegt (originale Messingstangen als Halterungen); Terrazzotreppe (mit Terrazzofußleiste) mit hölzernem Antrittspfosten (oben ornamentiert), hölzernen Geländerstäben (mit Metallbuchsen) und Holzhandlauf; ab dem Hochparterre aufwärts Linkruster mit hölzerner Wandleiste; Podeste mit schwarz-weißen, wabenförmigen Bodenfliesen; Stuckrosetten an den Unterseiten der Geschoßpodeste; Kellertür mit Beschlag; Wohnungseingangstüren (mit Beschlägen im 1./2./3.OG); Speicher/Speichertür; Keller: Grundriß; z.T. originale Kellertüren; Wohnungen: Grundrisse; Hochparterre: Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschlägen (erneuert: Straßenzimmer, Zwischentür vorn, Abstellkammertür); Stuckornamente im Flur, der Küche und beiden Gartenzimmern; Wandfliesen in der Küche (mit blauer Bordüre), im WC (mit schwarz-weißer Bordüre); Terrazzoboden mit Bordüre in der Küche; teilweise Fußleisten; hölzerne Zwischenwand (mit Fenstern) zwischen Gartenzimmer und Bad (heute verkleidet); 1.OG: 3 Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschläge, Abstellkammertür (3 Türen erneuert; Zwischentür vorn ist vorhanden); Stuckornamente in einem Straßenzimmer (ursprünglich mit Blattgold) mit Deckenleisten (im zweiten Straßenzimmer 1979 erneuert), in beiden Gartenzimmern und der Küche; Wandfliesen in der Küche (heute durch Holzverschalung verdeckt); 2.OG: 5 Zimmertüren; Stukkornamente im Flur, einem Straßenzimmer (mit Deckenleiste), einem Gartenzimmer und der Küche; Wandfliesen in der Küche (heute durch Holzverschalung verdeckt); teilweise Fußleisten; 3.OG: Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschlägen; komplette Stuckausstattung; Dielenböden.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit Einfriedung (Sockel mit Pfeilern und Metalleinfriedung), die Pflasterung des Zugangs mit Blaubasalt (mit Bordüre) und der rückwärtige Garten.

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts südlich der Köln-Aachener Bahnlinie, mußte jedoch schon in der ersten Hälfte der 1870er Jahre des letzten Jahrhunderts infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen und daraus resultierender zügiger baulicher Erschließung um Gebiete nördlich der Bahntrasse erweitert werden. Erste Erschließungsansätze lagen an der Otto- und Overbeckstraße, die von der Subbelrather Straße her entwickelt wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis an die Nußbaumerstraße geführt waren.

Die Anlage des großen Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie an der Liebigstraße erwies sich dann als siedlungsförderndes Element. Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna (1896 erbaut) und der fast gleichzeitigen Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde wenig später St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, u.a. entlang der Fridolinstraße, deren Bebauung bis 1914 abgeschlossen war.

Zilkens war hier um die Schaffung einer attraktiven Wohngegend bemüht, wobei sein Anliegen durch zwei städtische Planungen unterstützt wurde. Dies war zum einen die 1910 geplante und bis 1913 fertiggestellte Blücherparkanlage und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels. Der Verlauf des Gürtels war um die Jahrhundertwende herum festgelegt worden und wurde in Ehrenfeld um 1910 angelegt und schnell bebaut.

Auffällige Mermale des o.g. Objektes sind ein gegenüber gründerzeitlichen Bauten reduzierter Schmuckaufwand, der sich vielmehr architektonischer Großformen bedient. Auffällig vor allem die mächtige Kolossalordnung, die die beiden Obergeschosse im Sinne des Neo-Klassizismus zu einer großformatigen, repräsentativen Einheit zusammenfaßt. Repräsentativ angelegt ist ebenfalls der portalartig gerahmte Eingang mit Pilastern, Architrav und geschweiftem Giebel mit seitlichen Voluten: alles umgewertete Elemente des Klassizismus, die hier im Mietwohnungsbau den hochherrschaftlichen Anspruch der Bewohnerschaft zum Ausdruck bringen. Als weiteres wesentliches gestalterisches Merkmal des Gebäudes ist der kräftig akzentuierte Standerker zu nennen, der wie ein Risalit vor die Gebäudeflucht tritt und in Einheit mit dem hoch aufragenden Dachaufbau dem Haus eine straßenbildprägende Wirkung verleiht.

Der reduzierte Schmuckaufwand und die Betonung der Kubatur spiegeln die um diese Zeit bei gutsituierten Bauherren aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen, die als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.

Als integraler Bestandteil der in weiten Teilen erhaltenen Erstbebauung Neuehrenfelds ist das o.g. Objekt mit seiner streng neo-klassizistischen Gestaltung ein unverzichtbares bauliches Dokument, das die städtebaulichen und architekturhistorischen Zusammenhänge bis in die heutige Zeit veranschaulicht und erlebbar macht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0