Wohnhaus
Johannes-Müller-Straße 1 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7913 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Johannes-Müller-Straße 1, 50735 Köln |
| Baujahr | 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1912 (inschriftlich datiert), Eckgebäude zur Stammheimer Straße, auf unregelmäßiger abgewinkelter Grundfläche mit Vorbauten.
Fassade: zur Johannes-Müller-Straße Souterrain und zwei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach mit Fuß, zur Stammheimer Straße Souterrain und drei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach bzw. hohe, die Ecke markierende Dachaufbauten mit eigenen Satteldächern, 6:2 Achsen, abgerundete Ecke, Putzfassade mit Gliederungen in Formen des Jugendstils (z. T. entfernt), Risalite auf rechteckiger Grundfläche: zur Stammheimer Straße in der Mittelachse, zur Johannes-Müller-Straße an den beiden äußeren Achsen mit abschließendem Ziergiebel im Dachgeschoß, Souterrainfenster mit geschmiedeten Stahlgittern (zur Stammheimer Straße mit Glasbausteinen geschlossen), zur Johannes-Müller-Straße nachträgliche Entfernung der Lichtschächte des Souterraingeschosses, teilweise Absenkung des Gartenniveaus, Hauseingang (Johannes-Müller-Straße) mit rundbogigem oberen Abschluß, waagerechtes Wetterdach von Pfeiler getragen, scharriert (verändert, ehemals in Glas), originale Haustür, Holz, verglast (geschliffenes Glas), alle Fenster der Hauptgeschosse mit geradem oberen Abschluß, z. T. breitgelagerte Fenster, an der abgerundeten Ecke zu Dreiergruppen zusammengefaßt (das dreiteilige Eckfenster im Dachgeschoß nachträglich eingefügt), in den Ziergiebeln (Spitzboden) je ein hochovales Fenster, alle straßenseitigen Fenster der Hauptgeschosse original bzw. in Teilen original erhalten, Holz, Oberlichte, Sprossenteilung, Hochovalfenster der Ziergiebel erneuert (Holz).
Rückseite: zur Johannes-Müller-Straße zweiachsig, zur Stammheimer Straße zweiachsig, verputzt, im Gebäudewinkel rechts Loggien, links Balkone mit originalen geschmiedeten Stahlgeländern, Fliesenboden der Balkone und Loggien erneuert, Hofzugang im Winkel, originale Hoftür (Holz) mit Oberlicht, weiterer Hofzugang von der Souterrainwohnung nachträglich eingefügt, Fenster von Balkon-/Loggiatüren mit geradem oberen Abschluß, z. T. breigelagerte Fenster, alle rückwärtigen Fenster und Türen original bzw. in Teilen original erhalten (Holz, sprossengeteilte Oberlichte), im Dachgeschoß ein Fenster in Kunststoff).
Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Marmorbodenbelag, siebenstufige Marmortreppe, Geländer, Stäbe und Handlauf in Holz, bis zu halber Höhe Marmorwandplatten, weiß, Bordüre in rotem Marmor, Wand- und Deckenstuck, Kellerzugang rechts nachträglich zum Vestibül geöffnet, Marmortreppe erneuert; Treppenhaus: Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit PVC-Belag (darunter möglicherweise Terrazzoboden), alle Treppenhausfenster original (Holz, sprossengeteilte Oberlichte), zweiflügelige Wohnungseingangstüren, z. T. verglast, sprossengeteilte Oberlichte.
In den Wohnungen: Holzdielenböden, in einigen Wohnräumen Parkettböden, in der rechten Haushälfte (Johannes-MüllerStraße) z. T. originale Stuckdecken, in den Wohnungen zur Stammheimer Straße z. T. erneuerter Deckenstuck, Türen, verglast und Gewände zum großen Teil original erhalten.
Der straßenseitige (am Eckgrundstück) Ziergarten mit kniehoher verputzter Einfriedungsmauer als Sockel für das geschmiedete Stahlgitter ist Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende.
Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen.
Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an. Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich Johannes-Müller-/Stammheimer Straße gelegene Gebäude Nr. 1 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Mietwohnbauten des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts. Das zu beiden Straßen hin mit breitgelagerten Fassaden orientierte Gebäude erscheint als großkomponierte, durch Risalite, Dachaufbauten und die abwechslungsreiche Dachlandschaft lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails eines verhaltenen Jugendstils und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf.
Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 10er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt reduzierte klare Formen und Versatzstücke historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Eingang: flankierende Pilasterdekoration, kanneliert, Sockel mit Horizontalscharrur, über der Wetterplatte Reste eines Gesimses mit Fries, Stockwerkgesims, Traufgesims mit Klötzchenfries, zur Stammheimer Straße durch flache Lisenengliederung gefaßter Risalit über die drei Hauptgeschosse, im Giebelgeschoß leicht zurückgebaute Fortführung des Risalits mit gerundeten Ecken und profiliertem Gesims, profilierte Sohlbänke und Fenstereinrahmungen, im Brüstungsbereich Rechteckfeld mit flach aufgelegter Kartusche und Jahreszahl der Erbauung). Die zu beiden Straßenzügen orientierten hohen Giebelbauten setzen mit der abgerundeten Ecke und über Eck eingefügten dreiteiligen Fensterbändern einen markanten Akzent an der Straßenkreuzung, während die unterschiedliche Geschossigkeit zu Johannes-Müller- und Stammheimer Straße in Einheit mit verschieden gestalteten und dimensionierten Dächern jeweils zu der weiterführenden Nachbarbebauung überleiten (zur Stammheimer Straße dreigeschossig, zur JohannesMüller-Straße zweigeschossig).
Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind die straßenseitigen Ziergärten (in jüngster Zeit zurückgebaut), deren Einfriedung an der Kreuzung dem Straßenverlauf folgend, gerundet erscheint. Aufgrund der ungünstigen Grundstücksdisposition der Eckparzelle verfügt das Gebäude nurmehr über einen kleinen rückwärtigen Garten-/Hofbereich. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern an der Stammheimer- und Johannes-Müller-Straße gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Das Nachbargebäude Stammheimer Str. 77 und das gegenüberliegende Wohnhaus Nr. 84 weisen identisch gegliederte und dekorierte Schauseiten auf, während das gegenüberliegende Eckgebäude Nr. 2 purifizierte Fassaden zeigt. Die Nrn. 80/82 und 86/88 erscheinen als Nachkriegsneubauten. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustandes, der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden einschließlich der Mehrzahl der Holzfenster, des reich gestalteten Eingangsbereiches und Treppenhauses und der Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Johannes-Müller-Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Johannes-Müller-Str. 1 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0