Wohn- u. Geschäftshaus
Riehler Gürtel 3 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8304 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Riehler Gürtel 3, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.05.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1928, auf rechteckiger Grundfläche.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, rechts Schleppgaupe in Backstein, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Gliederungen in expressionistischen Schmuckformen, links risalitartiger Vorbau bis in das Dachgeschoß mit eigenem Walmdach, Eingangspodest, von Stützen getragene waagerechte Eingangsverdachung, Eingang in der Mitte mit geradem oberen Abschluß (Eingang sowie flankierendes Fenster nachträglich verlegt), Haustür in Metall erneuert, Oberlicht entfernt, flankierende Fenster original in Holz, waagerechte Sprossenteilung, geschmiedete Fenstergitter in Stahl original, Treppenhausfenster im Obergeschoß als Dreiergruppe mit geschmiedeten Fenstergittern in Stahl original in Holz, Horizontalsprossen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, straßenseitige Fenster in Kunststoff (ohne Oberlichte) erneuert, Kellergarage rechts.
Rückseite: 3 Achsen, Backstein mit Gliederung in Putz, in den Brüstungsbereichen Bandornamentik in Backstein, Traufgesims in Backstein, rechts risalitartiger Vorbau bis in das Dachgeschoß, in der Mittelachse im Erdgeschoß Terrasse (heute durch Kunststoff/Glasaufbauten geschlossen), Gartentreppe, im Obergeschoß Loggia (heute durch Kunststoffenster geschlossen), Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff), Gartentür vom Keller original in Holz.
Im Inneren: Eingangsbereich verändert (Eingang verlegt, Abschluß des Erdgeschosses zum Treppenhaus), originale Bodenplatten in Naturstein, bis halbe Höhe Wandverkleidung in Natursteinplatten, originale Holztreppe (unter Belag), Geländer und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden.
Erdgeschoß (Praxis): Grundriß z.T. verändert, Originalsubstanz weitgehend entfernt, z.T. originale Türen und Gewände in Holz. Obergeschoß (Wohnung): in den Wohnräumen z.T. originaler Parkettboden, in der Garderobe originale sechseckige Bodenfliesen, rot, im Bad originale sechseckige Bodenfliesen, weiß, z.T. Wandfliesen in blau mit Bordure, in den Wohnräumen Deckenstuckprofile, Türen und Gewände z. T. verglast z.T. original, originaler, die Wohnräume verbindender Rundbogendurchgang mit zweiteiliger Schiebetür, beide Türen zur (geschlossenen) Loggia original, weitgehend verglast mit Horizontalsprossenteilung, Einbauschränke in Holz, in nachträglich in das Obergeschoß verlegten Küche Einbauschränke mit Rundbogenabschluß, im Dachgeschoß originale Türen und Gewände.
Der straßenseitige Ziergarten, Einfriedung in Backstein, Mauerpfeiler (z.T. mit horizontaler Bandornamentik in Backstein), erneuerten geschmiedeten Gittern und Gartentor in Stahl, sowie der rückwärtige Ziergarten mit altem Baumbestand sind Bestandteil des Denkmals.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen Wohnbauten am Riehler Gürtel an, die im weiteren Verlauf der Straße als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung im Kreuzungsbereich zur Stammheimer Straße prägt das anliegende dreigeschossige Eckgebäude Stammheimer Str. 95/Riehler Gürtel 1 in aufwendigen expressionistischen Schmuckformen. Das Gebäude Riehler Gürtel 3 bildet mit dem dreigeschossigen Giebel mit eigenem Walmdach die überleitung von der drei- bis viergeschossigen Bebauung an der Stammheimer Straße zu den zweigeschossigen Wohngebäuden des Riehler Gürtels. Diese städtebaulich markante Situation wird durch die sich dem Eckgebäude angleichende Materialverwendung und durch die Backsteindekorationen unterstrichen; der straßenseitige Ziergarten ist in Fortführung des Gartens an der Eckparzelle gestaltet. Das Gebäude, das als Wohnhaus eines Arztes mit Erdgeschoßpraxis gebaut wurde, zeigt im Grundriß, an der Schauseite und im Inneren charakteristische Merkmale des gehobenen Ansprüchen genügenden Einfamilienhauses. Die zurückhaltende künstlerische Fassadengestaltung durch eine Bandornamentik in Backstein, aufwendige dekorative Materialien im Eingangsbereich und in den Wohnräumen und die großzügige Ausstattung mit rückwärtiger Terrasse und Loggia und Zutritt zum Garten zeugen von qualitätvoller Gestaltung der Architektur. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Vorgarten. Die im Bauverband mit dem Nachbargebäude Stammheimer Straße 95 gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade, die an bürgerliche Wohnformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Riehler Gürtels im Kreuzungsbereich zur Stammheimer Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Das Wohnhaus Riehler Gürtel 3 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0