Wohnhaus
Riehler Gürtel 7 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8305 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Riehler Gürtel 7, 50735 Köln |
| Baujahr | 1920 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.05.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1924, auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten, südöstliches Gebäude einer dreiteiligewn Gebäudegruppe.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 2 Achsen (paarweise zusammengefaßte Fenster), Putzfassade mit Gliederungen, Sokkel in Putz, scharriert, gekehltes Traufgesims, links Erdgeschoßerker auf Halbrundgrundfläche, Horizontalfugenschnitt, mit abschließendem Obergeschoßbalkon, originales geschmiedetes Stahlgitter, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster sowie Balkontür original (Holz, Oberlichte, Sprossenteilung).
Südostfassade: 3 Achsen, Eingang in der Mittelachse mit vorgelagerter Freitreppe in Terrazzo, Podest mit Terrazzobodenbelag, geschmiedetes Stahlgeländer erneuert, leicht vorkragender Eingangsbereich mit waagerechter, oben auskragendem verdachungsartigen Abschluß, scharrierte Putzflächen, Eingang flankiert von beidseitig je zwei Dielenfenstern mit geradem oberen Abschluß, original in Holz, originale Fenstergitter in geschmiedetem Stahl, Haustür erneuert (Metall/Glas), geschoßweise versetzte Treppenhausfenster, im Dachgeschoß Rundfenster, alle Fenster der Seitenfront original (Holz, Oberlichte, Sprossenteilung).
Rückseite: 2 Achsen, Erdgeschoßerker links mit abschließendem Obergeschoßbalkon, rechts Gartentreppe mit originalem geschmiedeten Stahlgeländer, Wintergarten mit originaler Verglasung in Metall mit Sprossenteilung, Gartentür in Metall, Sprossenteilung, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster sowie Balkontür original (Holz, Oberlichte, Sprossenteilung), Klappläden in Holz, grün.
Im Inneren: Eingangsbereich: originale Bodenfliesen schwarz/weiß, Holztreppe (unter Belag) mit Stäben und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden (unter Belag), Diele: originale Bodenfliesen schwarz/weiß, Küche: originale sechseckige Bodenfliesen, rot; originale Wandfliesen, weiß mit Bordure, schwarz, im Erdgeschoß Stuckdecken und Dekkenstuckprofile, Holzdielenböden unter Belag (Linoleum und PVC), originale Türen und Türgewände, zum Wintergarten originale vierteilige Tür mit Sprossenteilung und Verglasung, Wintergarten mit originalen sechseckigen Bodenfliesen, rot; Ober- und Dachgeschoß: originale Holzdielenböden (unter Belag), originale Türen und Türgewände, im Obergeschoß zwei Bäder mit originalen sechseckigen Bodenfliesen, rot, originale Wandfliesen, weiß,
Der straßenseitige Ziergarten mit originaler kniehoher Einfriedungsmauer und Mauerpfeilern (Putz erneuert), geschmiedeten Gittern in Stahl, sowie der rückwärtige Garten mit südwestlicher verputzter Einfriedungsmauer, ursprünglicher formaler Gestaltung (rechteckige Rasenfläche mit umgebenden Wegen) und altem Baumbestand, sind Bestandteil des Denkmals.
Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nachträglich errichtete, der Seitenfront vorgelagerte Garage.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen Wohnbauten am Riehler Gürtel an, die im weiteren Verlauf der Straße als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung im Kreuzungsbereich zur Stammheimer Straße prägt das anliegende dreigeschossige Eckgebäude Stammheimer Str. 95/Riehler Gürtel 1 in aufwendigen expressionistischen Schmuckformen. Das Gebäude Riehler Gürtel 3 bildet mit dem dreigeschossigen Giebel mit eigenem Walmdach die überleitung von der drei- bis viergeschossigen Bebauung an der Stammheimer Straße zu den zweigeschossigen Wohngebäuden des Riehler Gürtels. Im weiteren Verlauf bilden bis jenseits der Garthestraße großzügige Gruppenbauten das gehobene Wohngepräge des Gürtels. Das Gebäude Riehler Gürtel 7 ist Teil einer - heute weitgehend veränderten - dreiteiligen Gebäudegruppe. Allein das südöstliche Gebäude Nr. 7 hat seine historische Erscheinungsform bewahrt; das Gebäude Nr. 9 mit entferntem Fassadenschmuck und Kunststoffenstern, sowie das Gebäude Nr. 11 mit z.T. veränderten Fensterformen vermitteln heute nurmehr in geringem Maße den ursprünglichen Charakter des Gruppenbaus.
Das Gebäude Riehler Gürtel 7 zeigt im Grundriß, an der Schauseite und im Inneren charakteristische Merkmale des gehobenen Ansprüchen genügenden Einfamilienhauses. Die zurückhaltende künstlerische Fassadengestaltung durch Putzrahmungen, Blendfelder und repräsentativer Fassung des Eingangs, sowie wertvollen Materialien in den Wohn- und Wirtschaftsräumen, die großzügige Ausstattung mit straßenseitigem Balkon und rückwärtigem Wintergarten zeugen von qualitätvoller Gestaltung der Architektur. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Vorgarten und der in überlieferter Gestaltung erscheinende rückwärtige Ziergarten. Die Villenanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Eingangsbereichs und Treppenhauses, der originalen Holzfenster und der Interieurs, sowie der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden, die an bürgerliche Wohnformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Riehler Gürtels im Kreuzungsbereich zur Stammheimer Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Das Wohnhaus Riehler Gürtel 7 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0