Wohnhaus
Schulze-Delitzsch-Straße 80 · Raderthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7919 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schulze-Delitzsch-Straße 80, 50968 Köln |
| Baujahr | 1902 bis 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Raderthal |
Erbaut 1902/03; Bestandteil einer einheitlich angelegten Reihenhausbebauung der Architekten Endler, Klee, Renner und Moritz (Schulze-Delitzsch-Str. 75 - 95, 78 - 104).
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach (mittig erneuerte zweifenstrige Gaube mit Walmdach); 2 Achsen (Eingang rechts); EG backsteinsichtig, OG verputzt (typische, an den Heimatstil angelehnte Gliederung); Fenster erneuert (Kunststoff: im EG/DG einteilig, im OG mit Oberlichtern); Eingangstür neu (Holz); Dacheindeckung und Verkleidung der Gaube erneuert.
Rückfront: alle Geschosse 1961 rückwärtig erweitert (vom Keller bis ins OG eine Front, neu verputzt; breit gelagerte Gaube im DG); großflächige Kunststoffenster, Kellertür erneuert.
Innen original: Teilbestand der tragenden Wände; Lage der Treppe; Kellergrundriß; Balkenkonstruktion im Bereich der Dachgaube (weisen auf die beiden ursprünglichen Mansardenzimmer hin).
Veränderungen: Grundrisse (außer Keller) wesentlich verändert (z.T. Wände entfernt bzw. versetzt, rückwärtige Wohnraumerweiterung); Treppe in Holz erneuert; abgehängte Decken im EG/OG; neue Bodenbeläge und Zimmertüren.
Bestandteil des Denkmals ist auch der schmale rückwärtige Garten. Nicht Bestandteile des Denkmals sind die rückwärtigen Gebäudeerweiterungen, der eingeschossige Hofanbau (links) und die Garage am Parzellenende.
Nach der Ansiedlung von Handwerks- und Industriebetrieben im späten 19. Jahrhundert erfährt Raderthal eine erste städtebauliche Prägung mit der genossenschaftlich erstellten Wohnsiedlung an der Schulze-Delitzsch-Straße. Die im Auftrag der Arbeiterwohngenossenschaft Köln-Süd errichtete Siedlung - bestehend aus 34 (ehem.) Zweifamilienhäusern - ist ein typisches Beispiel für den genossenschaftlich errichteten Arbeiterwohnungsbau, wie er in Köln noch in vergleichbarer Form in Sülz (Scherfginstraße), Neuehrenfeld (Chamissostraße) und in Nippes (Eisenachstraße) besteht.
Das o. g. Objekt ist integraler Bestandteil einer einheitlichen Straßenbebauung von stilistisch gleichartigen, in Einzelformen jedoch individuell gestalteten Häusern. So ist das Haus Nr. 80 in seiner Fassadengestaltung durch einen Wechsel von Backsteinmauerwerk und Putzfläche charakterisiert. Die Haustür wird durch eine portalartige Rahmung mit separater Verdachung markant betont. Weitere Baudetails, wie die Aufsockelung des EG-Fensters oder die backsteinsichtigen Sohlbänke und Stichbögen der OG-Fenster, machen den individuellen Charakter des Gebäudes aus.
Die Innenraumaufteilung war ursprünglich in beiden Geschossen gleich (1 Küche mit besonderem Spülraum, 2 Zimmer, Diele und WC), so daß die Möglichkeit bestand, eine Etage als gesonderte Wohnung zu vermieten, um die monatlichen Belastungen für den Kaufanwärter zu reduzieren.
Trotz dieser in allen Häusern gleichartigen Grundrißlösung, gelang es dem Architekten Eduard Endler (1860 - 1932) und seinen Mitarbeitern dem gesamten Straßenzug eine durch individuell gestaltete Wohnhäuser abwechslungsreiche und dennoch zusammenhängende Prägung zu geben. Für diese historisch und städtebaulich bedeutende Planung erhielt er 1902 auf der Düsseldorfer Ausstellung die Goldene Medaille für das Arbeiterwohnhaus in der Gruppe Wohlfahrtseinrichtungen. Diese bereits frühe Würdigung der Siedlung markiert einerseits einen Höhepunkt der gestalterischen Bemühungen des Architekten Endler und seiner Mitarbeiter im preiswerten und dennoch qualitätvollen Wohnraum und andererseits die Frühphase der Kölner Siedlungsbaugeschichte als deren Bestandteil das o. g. Objekt trotz der umfangreichen Veränderungen unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0