Wohnhaus

Schulze-Delitzsch-Straße 84 · Raderthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8185
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schulze-Delitzsch-Straße 84, 50968 Köln
Baujahr1902 bis 1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1997
Stadtteil Raderthal

Erbaut: 1902/03; Architekt: Eduard Endler; Bauherr: Arbeiterwohnungs-Genossenschaft Köln-Süd; zweigeschossiges Eckhaus der Viererhausgruppe Schulze-Delitzsch-Str. 78-84; Bestandteil der Reihenhaus-Siedlung Schulze-Delitzsch-Str. 75-95, 78-104; Satteldach; ausgebautes Dachgeschoß (1947 errichtet); Holzfenster (erneuert, originale Fenstergliederung nicht mehr vorhanden);

Straßenfront: verputzter Sockel; Gliederung durch Kombination von Backstein- und Putzfassade; Erdgeschoß und südliche, mit Stufengiebel bekrönte Gebäudeachse: Backsteinverkleidung, Obergeschoß der nördlichen Achse: verputzt; hochrechteckige Fensteröffnungen verschiedener Größe mit Segmentbogen, diese durch Backsteineinfassung betont; Backsteinfensterbänke; Fensterbrüstungen der südlichen Gebäudeachse unterschiedlich gestaltet: Erdgeschoß: leicht vorspringende Backsteinverkleidung, Obergeschoß: leicht vertiefte, auf den Kopf gestellt U-förmige Putzfelder, Giebel: leicht vertieftes, dreieckiges Putzfeld; flache Eingangsnische mit Segmentbogen in der nördlichen Achse; Holzeingangstür mit Verglasung (erneuert); Gaube (erneuert);

Gartenfront: Putzfassade; nördlicher Gebäudebereich: zweigeschossiger Vorbau (darin ursprünglich die Aborte); Balkone; zwei Gauben (neu);

Seitenfront: Erdgeschoßbereich: backsteinverkleidet (erneuert); Obergeschoß und Giebel: verputzt, eine hohe mittlere, zwei niedrigere seitliche, flache Spitzbogenblendnischen;

Im Inneren original erhalten: Gebäude konnte nicht von innen besichtigt werden;

Der Garten sowie der seitliche Weg zum Garten sind Bestandteile des Denkmals.

Die Garage ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Nach der Ansiedlung von Handwerks- und Industriebetrieben im späten 19. Jahrhundert erfährt Raderthal mit der zwischen 1901-1903 errichteten Reihenhaus-Siedlung an der Schulze-Delitzsch-Straße eine erste städtebauliche Prägung. Die Siedlung ist eine der ersten realisierten Baumaßnahmen der 1899 gegründeten Arbeiterwohnungs-Genossenschaft Köln-Süd. Diese Genossenschaft gehört zu den frühen Kölner gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften (1896 wurde die erste in Köln gegründet) und verfolgte wohnreformerische Ziele zur Beschaffung und Verbesserung von Kleinwohnungen. In der o.g. Zweifamilien-Reihenhaus-Siedlung (heute überwiegend als Einfamilienhäuser genutzt) fanden denn auch die damaligen wohnreformerischen Vorstellungen ihre mustergültliche Verwirklichung (1902 erhielten die Gebäude die Goldene Medaille für das Arbeiterwohnhaus auf der Düsseldorfer Ausstellung in der Gruppe Wohlfahrtseinrichtungen). Die Gründe für diese Auszeichnung liegen sowohl in der städtebaulichen Anlage als auch in der architektonischen Gestaltung und den Grundrißlösungen. Die Wahl von Zweifamilien-Reihenhäusern basierte auf der Ablehnung des Mietskasernenbaus, zur besseren Durchlüftung und Besonnung wurden Lücken in den beiden Häuserreihen gelassen (siehe Eckhaus Schulze-Delitzsch-Str. 84) und großzügig parzellierte Gärten dienten zur Eigenversorgung der Bewohner. Um die Gebäude kostengünstig errichten zu können, beschränkte man sich auf zwei Haustypen (überwiegend Häuser mit Dreizimmerwohnungen, wenige Häuser mit Zweizimmerwohnungen). Eine aus Typisierung resultierende Monotonie wurde jedoch durch die individuelle Fassadengestaltung der einzelnen Häuser im für den Arbeiterwohnungsbau typischen Heimatstil vermieden. Ferner sorgt die durch die Baulücken erzeugte Unterteilung in verschiedene Baugruppen und der rhythmische Wechsel zwischen giebel- und traufständigen Fassaden für ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild. Vorbildlich bei den Grundrißlösungen war die damals durchaus noch nicht gängige Anlage einer abgeschlossenen Wohnungseinheit. So besaß z.B. jede Wohnung einen eigenen Abort, welcher quasi außerhalb der Wohnung lag - meist über den Balkon zugänglich - womit Geruchsbelästigungen im Inneren vermieden wurden. Die Straße, die durch diese äußerst qualitätvolle Siedlung führt, wurde dann auch bezeichnender Weise nach Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883), dem Begründer des Genossenschaftswesens, benannt.

Als Architekten konnte die Arbeiterwohnungs-Genossenschaft Köln-Süd Eduard Endler (1860-1932) gewinnen. Dieser vielseitig begabte, renommierte Kölner Architekt, dessen Schaffensschwerpunkt eigentlich im Kirchenbau lag, darüberhinaus aber auch Fabriken, Rathäuser, Geschäftshäuser, Villen und eben auch Siedlungen entwarf, baute insgesamt 59 Wohnhäuser für die Genossenschaft.

Die Schulze-Delitzsch-Str. 84 ist als integraler Bestandteil der o.g. Reihenhaussiedlung, die sowohl bedeutend für den Ausbau Raderthals als auch für den frühen Kölner gemeinnützigen Siedlungsbau ist, ein unbedingt zu erhaltendes Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0