Wohnhaus
Scheffelstraße 39 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7934 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Scheffelstraße 39, 50935 Köln |
| Baujahr | um 1875 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 19.08.1996 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Erbaut um 1875 (Fassade vermutlich später stuckiert); Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach (mittig erneuerte Gaube); 3 Achsen (Eingang links); Putzfassade mit Stuckgliederung des Historismus (pilastergerahmte Fenster mit profilierten Verdachungen und Bekrönungen, Lagerfugen, Konsolköpfe, Festons); Eingangstür und Fenster (großflächige Holzfenster) erneuert.
Rückfront: 2 Achsen; neu verputzt; rechts Anbau (WC im EG, Bad im OG); Fenster erneuert (großflächige Holzfenster); erneuerte Gaube.
Innen original: Grundrisse; hölzerne Treppenanlage mit Antrittspfosten, gedrehten Geländerstäben, Handlauf (Geländerstäbe und Handlauf vom OG ins DG nach Kriegsschaden erneuert); Kellerwange und -tür; WC-Tür (heute im Anbau); Zimmertüren mit Rahmen im OG; backsteingemauerter Keller (2 flache Tonnen, Scheitelhöhe ca. 1,90 m); Backsteinböden.
Bestandteile des Denkmals sind auch die beiden seitlichen Hofmauern (links relativ flach, rechts höher und mit Vorlagen). Nicht Bestandteil des Denkmals ist der eingeschossige rückwärtige Anbau an die Küche.
Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem dörflichen Ursprung aber bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.
Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen.
So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Bebauung mit Villen, bzw. Mehrfamilienhäusern mit z.T. gehobenem repräsentativem Anspruch ein.
1895-98 wurde der Stadtwald nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt. Der älteste Teil des Stadtwalds war der Park der alten Kitschburg, am Beginn des Stadtwaldgürtels/Ecke Dürener Straße, also in der Nähe des o.g. Objekts gelegen.
Der relativ klein dimensionierte Bau, der an der Einmündung der Rückertstraße in die Scheffelstraße liegt, gehört zu den ganz frühen Bauten der Scheffelstraße und deren Umgebung. Die Dimensionierung des nur zweigeschossigen Gebäudes - ein frühes Beispiel des typischen vorstädtischen Dreifensterhaus - ist ein Beleg für die Erbauung des Gebäudes um etwa 1875. Als wichtiges Indiz hierfür darf der flache, backsteingemauerte Keller gelten.
Dieser frühen Datierung scheint die baukünstlerisch Gestaltung der Fassade zunächst zu widersprechen. Doch handelt es sich hierbei um ein zeittypisches Beispiel einer nachträglichen, durch einen späteren Eigentümer vorgenommenen gestalterischen Aufwertung des ursprünglich backsteinsichtigen Gebäudes, die im Zusammenhang mit der Aufwertung des gesamten Wohnumfeldes zu sehen ist. Die stark plastischen, fein gearbeiteten Stukkaturen dokumentieren einen repräsentativen Anspruch, den der damalige Bauherr bzw. Bewohner an das äußere Erscheinungsbild seines Hauses stellte. Es sind hierbei vor allem die qualitätvollen ädikula-artigen Fensterrahmungen, die die straßenbildprägende Wirkung des Hauses ausmachen.
Als integraler Bestandteil der nur noch teilweise erhaltenen Erstbebauung der Scheffelstraße ist das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument, welches die ursprünglichen städtebaulichen und siedlungsgeschichtlichen Zusammenhänge erkennbar und somit erlebbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0