Wohnhaus

Scheffelstraße 52 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8073
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Scheffelstraße 52, 50935 Köln
Baujahr1911 bis 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.03.1997
Stadtteil Lindenthal

Erbaut 1911/12; Architekt: Robert Stern; Eckhaus zur Rückertstraße; zwei- bis dreigeschossiges Mehrfamilienhaus mit ausgebautem Mansard-, bzw. Mansardgiebeldach; Putzfassaden mit Stuckreliefs des späten Jugendstil.

Straßenfront Scheffelstraße: zweigeschossig ausgebautes Mansarddach (links hochaufragender Giebel, rechts 2 originale Gauben); 5 Achsen (mittiger Eingang); Fassadenrhythmisierung durch überdachten Zugang (Terrazzobodenbelag) mit Balkon und zweigeschossigen Standerker (mit Balkon); Sprossenfenster (in der Giebelzone 4 Rundbogenfenster)/Eingangstür/Brüstungsgitter original (Fenstersprossen teilweise verändert/entfernt.

Straßenfront Rückertstraße: ausgebautes Mansarddach (2 originale Gauben in der Mitte und rechts); 3 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch zweigeschossigen Risalit links (polygonal mit separatem, abgeknicktem Dach; Stuckreliefs an den Fensterbrüstungen/über den Stürzen im 1. OG); untere Dachfläche/Risalitdach verschiefert; originale Sprossenfenster; Fenstertür im EG erneuert.

Rückfront Scheffelstraße: verputzt; Horizontalgliederung im EG durch aufgeputzes Gesimsband (links beschädigt); links Terrasse (EG) und Balkone auf Konsolen (1./2. OG, mit origialen Metallgeländern); mittiger Hofzugang, rechts im Winkel zur Seitenfront an der Rückertstraße Terrasse mit gemauerter/verputzter Brüstung im EG, Balkon mit originalem Metallgitter im 1. OG; Verschieferung (in Pappschiefer erneuert) im unteren Knick des Mansarddaches; Hoftür, Fenster (Treppenhausfenster mit Beschlägen), Fenstertüren original (außer Veränderungen der Badezimmerfenster links im EG/1. OG/Gaubenfenster rechts); neues Dachflächenfenster rechts; Fenster/Balkon (rechts) im Spitzbodenbereich nicht aus der Erbauungszeit.

Seitenfront Rückertstraße: 2 Achsen (seitlich jeweils Zweierfenster); verputzt; 3 Giebel-, ein Spitzbodenfenster (Sprossierung z. T. entfernt; erneuert sind die Giebelfensterund die Fenster im 1. OG rechts).

Innen original: Treppenhaus: Terrazzoboden mit kleinen schwarz-weißen Intarsien (quadratisch) und rahmender Bordüre; im Vorflur untere Wandzone mit glatt aufgeputzter Horizontal- und Vertikalgliederung, obere Wandzone mit Jugendstilornamenten (vertikale Gliederung/Bogenstellung mit Gehängen/florale Motive); Terrazzotreppe und -podeste (mit Bordüre); profilierter Antrittspfosten mit Knauf, gedrehte Geländerstäbe und Handlauf in Holz; hölzerne profilierte Wandleisten; Fensterbänke; Kellertür; je beide markant gestalteten Wohnungseingangstüren (oberer Abschluß der dreiteiligen Verglasung nach innen einschwingend; bauchiger Oberlichtrahmen) im EG/1./2./OG/DG (mit originalen Knäufen).

Wohnungen: DG links: 3 Zimmertüren mit profilierten Rahmen; Speisekammertür.

Veränderungen: an der Rückertstraße im DG 2 nachträglich angebrachte flache Schleppgauben (links einfenstrig, rechts vierfenstrig); Grundriß im DG leicht verändert; erneuerte Verschieferungen in untypischen Materialien (außer an der Rückertstraße); Spitzboden nachträglich ausgebaut.

Bestandteile des Denkmals sind auch die Einfriedung (straßenseitig gemauerter/verputzter Sockel, Pfeiler - am Eingang mit Kugeln - und Metallgeländer mit zeittypischen geometrischen Formen; rückwärtig Metalleinfriedung), der Vor- und rückwärtige Garten und ggf. erhaltene Innenausstattungen (z. B. Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschlägen; Fußleisten; Die******************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************************** und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem dörflichen Ursprung bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Bebauung mit Villen, bzw. Mehrfamilienhäusern mit gehobenem repräsentativem Anspruch ein, die ihren ersten Höhepunkt in der Zeit vor dem 1.Weltkrieg hat. In dieser Zeit kam es auch in Lindenthal zu umfangreichen städteplanerischen und -baulichen Aktivitäten, die zu einer Aufwertung dieses stadtnahen Wohngebiets führten, so auch für die Scheffelstraße, die eine Verbindung zwischen der Krieler Straße und dem Lindenthalgürtel herstellt.

Der Stadtwald - heute Inbegriff der Grünen Lunge Kölns - wurde 1895 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt. Der älteste Teil des Stadtwalds war der Park der alten Kitschburg, am Beginn des Stadtwaldgürtels/Ecke Dürener Straße, also in unmittelbarer Nähe des o.g. Objekts gelegen. Bis 1898 wurde der Stadtwald angelegt und bis 1910 sukzessive erweitert und umgestaltet.

Der hochaufragende Bau, der den Einmündungsbereich der Rückertstraße in die Scheffelstraße dominiert, wurde im sogenannten Heimatstil um 1914 errichtet. Der zwei- bis dreigeschossige, verputzte Bau ist durch eine bewegte Dachlandschaft, bewußt angelegte Asymmetrien und durch eine großflächige Durchfensterung charakterisiert. Sparsame Stukkornamentik (ovale Reliefs) unterstreicht den Stil des Gebäudes, zu dem die originalen Holzfenster mit Sprossen sowie die originale Eingangstür zählen. Die Fassade zur Rückertstraße ist durch ein niedriger zoniertes Dach und den Risalit in seiner Gestaltung von der Straßenfront an der Scheffelstraße unterschieden.

Diese malerische Vielfalt bezeugt die stilistische Zugehörigkeit des o.g. Objektes zu einer an der Landhausarchitektur angelsächsischer Provenienz orientierten gestalterischen Reformbewegung, die um neue, in Opposition zum historistischen Bauen zu sehende Gestaltungskonzepte bemüht ist.

Der Architekt des Hauses, Robert Stern (geb. 1885 in Köln; gest. in New York), ist neben Georg Falck der bedeutendste Kölner Architekt jüdischen Glaubens in der ersten Jahrhunderthälfte. Er erbaute u.a. 1926/27 die Synagoge in Ehrenfeld (in der Reichspogromnacht am 9./10.11.1938 zerstört) und eine Reihe von Villen in Marienburg und Bayenthal (20er/30er Jahre). Das o.g. Objekt gehört in diesem Zusammenhang zu seiner frühen Schaffensperiode, in der er schwerpunktmäßig in Lindenthal tätig war. Neben dem o.g. Objekt wären die Bauten Rückertstr. 2 (1911/12), Franzstr. 69 (1911/12) und Virchowstr. 21 (Villa J. Levi, 1912) zu erwähnen.

Als integraler Bestandteil der noch teilweise erhaltenen und daher erlebbaren Bebauungsstruktur in Lindenthal stellt das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument des villenartigen Mietwohnungsbaus als Teil einer ehemaligen Vorstadtbebauung jenseits des Gürtels dar, die schon kurz danach in die städtische Blockbebauung einbezogen wurde. Städtebaulich ist das Eckgebäude deutlich mit den in der Rückertstraße stehenden, zeitgenössischen Bauten ein Dokument des villenartigen Mietwohnungsbaus, der am Ende des Historismus vor 1914 steht. Es ist ein Teil einer ehemaligen Vorstadtbebauung jenseits des Gürtels, die schon kurz danach in die städtische Blockbebauung einbezogen wurde.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0