Wohnhaus
Werderstraße 33 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7939 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Werderstraße 33, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 19.08.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1895, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Historismus, Mittelrisalit auf polygonaler Grundfläche mit abschließendem Balkon, niedriger Ziergiebel mit Rundbogenabschluß in Fortführung der Risalitachse, Eingang mit Rundbogenabschluß, Haustür mit Oberlicht erneuert, links separater Eingang zum Souterrain, Eingangstür erneuert (Metall), Fenster im Hochparterre mit Rundbogenabschluß Fenster der Obergeschosse mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Mittelteilung, Oberlicht).
Rückseite: verputzt, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel dreiachsig, Hofzugang im Rücksprung, gerader oberer Abschluß, Hoftür mit Oberlicht original erhalten, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, z.T. Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Im Inneren original erhalten: Vestibül: reicher Wand- und Deckenstuck, Rocailledekoration, stuckierter Durchgang zum Treppenhaus, im Treppenhaus Erdgeschoß Stuckprofile, Treppenhaus: Holztreppe in Eiche, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Treppenhausfenster, sprossengeteilt mit Oberlicht original erhalten, alle Wohnungseingangstüren, zweiteilig mit Oberlicht original.
In den Wohnungen: Holzdielenböden, in den straßenseitigen Wohnräumen sehr aufwendige Stuckdecken (ausgenommen 3. Obergeschoß), z.T. einfache Stuckprofile in übrigen Räumen, Türen, z.T. Zweiflügeltüren und Gewände, z.T. kassetiert. Im Dachgeschoß ehemals Waschküche, auf dem Flachdach des Seitenflügels Trockenterrasse, originales geschmiedetes Stahlgeländer.
Der rückwärtige Hof mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein (nach Nord- und Südwest) ist Bestandteil des Denkmals.
Der straßenseitige Ziergarten wurde entfernt.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Venloer Straße ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Werderstraße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung), liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Spichern- und Kamekestraße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Venloer- und Gladbacherstraße und parallel zum Kaiser-Wilhelm-Ring bzw. westlich des Stadtgartens und der Begrenzung durch die Bahnlinie mit anschließendem Grüngürtel und südöstlich des Neubaugebietes Mediapark. Das im Kreuzungsbereich zur Gladbacher Straße gelegene Mietwohngebäude ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend vier- bis viereinhalbgeschossigen Häusern mit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern mit Hofwohnungen der Zeit des Historismus und des Jugendstils. Das Gebäude Werderstraße 33 stellt in diesem Straßenabschnitt zusammen mit den sich anschließenden, ein gestalterisches Pendant bildenden Gebäude Nr. 29 einen Rest der gründerzeitlichen Bebauung dar, die unmittelbaren Nachbargebäude erscheinen mit purifizierten Schauseiten oder als Nachkriegsneubauten (Nr. 31 und 35); die gegenüberliegende Straßenseite wurde in jüngster Zeit mit einem sechsgeschossigen, die Parzellenstruktur des Wohnviertels sprengenden großflächigen Versicherungsgebäude bebaut. Trotz teilweiser Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis viereinhalbgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Gebäude Nr. 33 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner durch einen Mittelrisalit geprägten Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Originalfassade, der rückwärtigen Fassaden, des sehr wertvollen Treppenhauses und der z.T. sehr aufwendigen Interieurs ist das Objekt für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: Fugenschnitt an Sockelgeschoß und Hochparterre, Konsolstockwerkgesims, reich profilierte Fassung von Fenstern und Eingang, Volutenkeilstein, im 1. Obergeschoß plastische Dreieckverdachungen, Risalit mit Pilasterstellung, umlaufender Fries mit Diamantquadern, im 2. Obergeschoß Verdachungen in Form gebrochener Giebel, Voluten, Brüstungsbalustrade, zum Traufgesims überleitender Fries, von Rundbogenziergiebel gebrochen, Aufsatz in Form eines Obelisken). Die linke Häuserzeile der Werderstraße setzt sich aus Fassaden und Gebäudetypen verschiedener Bauphasen seit der Jahrhundertwende zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude Nr. 33 ist für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Zeugnis für die reiche städtisch geprägte Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0