Wohnhaus

Wittgensteinstraße 24 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7964
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wittgensteinstraße 24, 50931 Köln
Baujahrum 1875 bis 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Lindenthal

Erbaut um 1875/80; vermutlich um 1890/95 überformt; rechtekkiger Grundriß mir rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Satteldach; 3 Achsen (Eingang rechts); Putzfassade mit Stuckgliederung in Kombination von klassizistischen und Renaiccanceformen (hochrechteckige Fensterformen; aufgeputzte Quaderstruktur im EG; profilierte, übergiebelte Fensteröffnungen im OG); profiliertes Sturz-, Geschoß-, Sohlbank- und Traufgesims; Fenster mit Beschlägen original (außer Oberlichter EG; Dachflächenfenster erneuert); Eingangstür erneuert (50er Jahre, Oberlicht mit teilweise buntfarbiger Bleiverglasung).

Rückfronten: backsteinsichtig, weiß geschlämmt; Vorderhaus: 2 Achsen; Fenster original mit Beschlägen (Bleiverglasung des Schlafzimmerfensters 50er Jahre); Gaube in der Substanz original (originales Fenster mit Beschlag); Hoftür (vermutlich umfunktionierte Zimmertür) original (Füllungen durch Verglasung ersetzt); Seitenflügel: über eingeschnürten Verbindungstrakt (einachsig, im OG originales Fenster) an das Vorderhaus angeschlossen; 2 Geschosse; Pultdach; einachsig; Fenster mit Beschlägen original; an den Seitenflügel anschließend eingeschossiger, dreiachsiger Anbau; backsteinsichtig, weiß geschlämmt; Tür zu Fenster verkleinert, 2 originale Fenster.

Innen original: Entree: aufwendige Wand- und Deckenmalereien (u.a. 4 aufgemalte Wandspiegel mit Medaillons und kleinformatigen Landschaftsbildern; Sockelzone mit Trompe-L'Oeil-Malerei, eine Holzvertäfelung vortäuschend); schwarz-grau gemusterte Bodenfliesen mit ornamentierter Bordüre; über dem Durchgang zum Treppenhaus (gestauchter Bogen) aufgemalte Inschrift: "Grüß Gott trit ein, bring Glück herein."; Treppenhaus: schwarz-grau gemusterte Bodenfliesen mit ornamentierter Bordüre; hölzerne Treppenanlage (Antrittspfosten ohne Knauf; gedrehte Geländerstäbe; Handlauf; Stufen; Kellerwange und -tür); Keller: hölzerne Kellertreppe (originaler Antrittspfosten); weitgespannte preußische Kappen, im vorderen Gebäudeteil backsteinsichtig, im hinteren Bereich verputzt; Wohnräume: Grundrisse (außer DG); EG: eine Zimmertür im Entree-Bereich (mit Rahmen und Beschlag); teilweise Fußleisten im Straßenraum; Laibung der Zwischentür; Rahmen der Zwischentür zum Anbau (heute Küche); OG: 2 Zimmertüren mit Beschlägen (etwa 1912/14), eine Zimmertür aus der Erbauungszeit; DG: 2 Türrahmen

Veränderungen: der Rückfront des Vorderhauses ist über die gesamte Breite ein neuer verglaster Wintergarten vorgelagert; Dachgeschoßausbau.

Bestandteile des Denkmals sind auch der eingeschossige Anbau (?) an den Seitenflügel und die dreiseitige Hofmauer.

Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem Ursprung jedoch bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgenumfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen.

Die Bebauung begann zunächst nur sehr zögerlich. Erst in Folge der Eingemeindung Lindenthals nach Köln im Jahre 1888 setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit u.a. entlang der Wittgensteinstraße (ehemals Friedrichstraße), die eine Verbindung zwischen der Dürener und der Bachemer Straße herstellt. Typisch für die Wittgenstein- straße ist deren Ausrichtung auf einen Kirchenbau (St. Stephan, erbaut 1884-86). Ähnliche straßenräumliche Beziehung kennen wir zeitgleich aus Ehrenfeld.

Auf der Wittgensteinstraße gehört das o.g. Objekt gemeinsam mit dem Nachbargebäude Nr. 26 zu den frühesten Bauten, wo- rauf deren im Vergleich mit der übrigen Bebauung bescheidene Dimensionierung, die Zweigeschossigkeit und bei dem o.g. Objekt die Stukkaturen in Kombination von neo-klassizistischen und Neo-Renaissance-Elementen hinweisen. Als weiteres Indiz kann die Kellerkonstruktion (weitgespannte preußische Kappen in Backstein) angesehen werden, durch die das Gebäude im Vergleich mit ähnlichen Bauten in Lindenthal in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zu datieren ist (ein Vergleich historischer Karten belegt dies).

Vermutlich war das Gebäude - dies wäre kein Einzelfall - ursprünglich backsteinsichtig und wurde später erst mit einer stuckierten Fassade versehen. Mit der neo-klassizistischen Fassadengestaltung korrespondiert im Entree des Hauses die ausgesprochen aufwendige Wand- und Deckenmalerei, die dem Gebäude ein unerwartet repräsentatives Gepräge geben, das in dieser Form nur noch sehr selten erhalten und daher unbedingt zu schützen ist.

Als integraler Bestandteil der Erstbebauung der Wittgensteinstraße dokumentiert das o.g. Objekt als bauliches Dokument anschaulich die Entwicklung dieses durch eine geschlossene Bebauung charakterisierten Teil Lindenthals, für dessen Verständnis der städtebaulichen und architekturhistorischen Zusammenhänge das Gebäude unverzichtbar und daher unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0