Wohnhaus
Am Gibbelsberg 12 · Müngersdorf
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7980 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Gibbelsberg 12, 50933 Köln |
| Baujahr | 1963 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 29.10.1996 |
| Stadtteil | Müngersdorf |
"Haus Riphahn"; erbaut 1963; Architekt: Wilhelm Riphahn; freistehendes Einfamilienhaus mit umgebenden begrüntem Raum; 1 - 2 Geschosse; Flachdächer; backsteinsichtig; weiß gestrichen; bewegter Grund- und Aufriß (fünfteilige Baukörperstaffelung bildet innere Funktionsbereiche ab); dominanter zweigeschossiger Hauptbau (Bauteil I); Straßenansicht (Westen): Bauteil I: vergittertes Fensterband im EG; 4 quadratische, regelmäßig angeordnete Fenster im OG; links der eingeschossige Garagenanbau (heute Büronutzung) mit gekoppeltem Fenster (Bauteil V); rechter Hand Bibliothekstrakt mit Dachaustritt (Bauteil III) mit Brüstungsmauer/originalem Metallgeländer; davor abgewinkelter neuer Garagenanbau (nicht Bestandteil des Denkmals); Nordansicht: rechter Hand zweigeschossiger Hauptbau (Bauteil I) mit einem großen und 4 kleinen quadratischen Fenstern in regelmäßiger Reihung (OG); dem vorgelagert (eine Bauflucht) die eingeschossigen Bauteile V (Garage/Büro), II (Eingangsbereich mit vorgestuftem Windfang, flankiert von je 2 quadratischen Fenstern) und IV (dem Geländeniveau entsprechend tiefer gelegener Küchentrakt mit separatem Eingang und kleinen quadratischen Fenstern); Ostansicht: komplexe in der Tiefe verspringende Baukörperstaffelung; v. l. n. r.: Bibliothek (Bauteil III) mit großem Fenster, Hauptbau (2 Fenster im OG) mit Kamin, davor eingeschossig der Wohn- und Eingangstrakt (Bauteil II) mit breitgelagertem Fenster (erneuert); davor Kellerabgang mit originalem Metallgeländer; rechts daneben Küchen- und Eßbereich mit später angebautem Wintergarten (Bauteil IV); Südansicht: Hauptbau mit vorgelagertem Bibliothekstrakt links; eingeschossig schließt rechts Wohntrakt an (großflächige Fensteröffnungen), der eine Terrasse einfaßt; Fenster teilweise erneuert. Das teilweise veränderte Innere ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Auf der von dem französischen Ingenieurgeographen Oberst Tranchot erstellten gleichnamigen Karte von 1807/08 ist Müngersdorf, das eine über 1.000 jährige Siedlungsgeschichte hat, in seiner durch die topographische Lage geprägten Dorfstruktur als bedeutende Ansiedlung zu erkennen. Nordwestlich von Müngersdorf erhebt sich, ebenfalls auf der Karte ablesbar, der "Gipfelsberg", dem die heutige Straße "Am Gibbelsberg" ihren Namen verdankt. Die heutige Belvederestraße (benannt nach dem im Stil des Klassizismus errichteten Bahnhofgebäudes, dem "Belvedere", an der 1839 eröffneten Teilstrekke der Köln-Aachener Bahnlinie), von der die Stichstraße "Am Gibbelsberg" in Richtung Osten abzweigt, verband Müngersdorf schon damals mit Widdersdorf und Bocklemünd.
Im Anschluß an die 1856 von Stadtbaumeister Raschdorff in Müngersdorf errichtete und bereits 1860 wieder geschlossene städtische Ziegelei sorgten Privatunternehmer für einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung (Bau von gedeckten Ziegelöfen und Ziegelschuppen). 1873 wurde im Zuge des Baus einer zweiten Fortlinie die Ringstraße (1906 in "Militärringstraße" umbenannt) in Müngersdorf erweitert. Sie bildet auch heute noch eine deutliche Zasur am Fuß des "Gibbelsberg". Im Anschluß an die 1888 durchgeführte Eingemeindung Müngersdorfs nach Köln setzte ab der Jahrhundertwende eine rege Bautätigkeit (u. a. an der Ring-, Wendelin- und Belvederestraße) ein, die bis in die 30er Jahre reichte und nach dem 2. Weltkrieg erneut einsetzte, da die große Nachfrage nach Baugrund für Einfamilienhäuser im Bereich der zerstörten Stadtstruktur nicht ausreichend zu decken war. Aus dieser Bebauungsphase datiert auch das Haus "Am Gibbelsberg 10", das der bekannte Kölner Architekt Wilhelm Riphahn (1889 - 1963) 1947 errichtete. Riphahn darf neben Rudolf Schwarz und O. M. Ungers als einer der bekanntesten Kölner Architekten überhaupt gelten. Das Bauschaffen der 20er Jahre in Köln wurde v. a. durch Riphahns Tätigkeit für die GAG entscheidend geprägt. Es entstanden Siedlungen, Privathäuser und Geschäftsbauten, die denen der Pratagonisten des "Neuen Bauens", wie Gropius, Haesler, Taut und May nicht nachstehen. Nach dem 2. Weltkrieg ist Riphahn ein Wiederaufbauarchitekt der ersten Stunde. Er war tätig als städtebaulicher Berater der Stadtbauverwaltung und als Mitglied der Wiederaufbaugesellschaft verantwortlich für große Teile der Neugestaltung Kölns. Als engster Berater von Rudolf Schwarz verantwortete er die Neuplanung der Hahnenstraße, den Neubau der Oper und einer ganzen Reihe weiterer wichtiger städtebaulicher Großprojekte. Auch für die Belvederestraße hat Riphahn bereits 1946 eine Kleinhaussiedlung projektiert, von der dann nur das Haus Nr. 10 realisiert wurde. Gut 15 Jahre später errichtete Riphahn dann auf dem Nachbargrundstück sein eigenes Wohnhaus, das die letzte zu seinen Lebzeiten realisierte Planung werden sollte.
Entstanden ist ein komplex gestaltetes Ensemble unterschiedlich dimensionierter Bauvolumen, deren spannungsvolle, in der Höhe und Tiefe verspringende Komposition die unterschiedlichen Funktionsbereiche voneinander abhebt.
War das Haus 1962 noch im wesentlichen in 3 Bauteile gegliedert, wobei der Eingangs- und Wohnbereich unter einem flachgeneigten Satteldach zusammengefaßt waren, so stellt sich der realisierte Bau in der Umrißform zwar wesentlich komplexer dar, erhält durch die vereinheitlichte Dachform und Fassadengestaltung jedoch eine den Gesamteindruck bestimmende Homogenität, die den Solitär aus der umgebenden Bebauung heraushebt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0