Wohnhaus
Erzbergerplatz 6 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8001 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Erzbergerplatz 6, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 bis 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.11.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905/10 auf rechtwinkligem Grundriß mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: 3 Geschosse, zusätzlich Sockelgeschoß und ausgebautes Dachgeschoß, 2 Achsen, Erker rechts auf Volutenkonsolen, Stuckfassade mit Flieseneinschluß in neoklassizistischen und barockisierenden Formen, Hauseingang rechts mit originaler Eingangstür, über dem Eingang Rundfenster, Fenster im EG und 1. OG original.
Rückseite: Backstein, 1 Achse/3 Geschosse; am Seitenflügel 3 Achsen/3 Geschosse, Souterrainwohnung, abgeschrägte Ecke im Winkel zwischen Rückseite und Seitenflügel, Fenster schließen mit flachem Segmentbogen ab (erneuert). Der Garten mit Einfriedungsmauer zum Nachbargrundstück ist Bestandteil des Denkmals.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: Treppe und Podeste aus rotem Terrazzo, profilierte Treppenstufen, graublaue Jugendstilwandfliesen (links), Stuckdekor an Wand und Decke. Ab Höhe Erdgeschoß Terrazzotreppe mit Handlauf und Antrittspfosten aus Holz, z. T. originale Wohnungstüren, Keller und Speichertür original; Wohnung 2. OG: Holzdielenboden unter Belag, z. T. originale Türgewände.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch diese neuen Fabrikstandorte und die zunächst auf deren unmittelbarer Nachbarschaft konzentrierte Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Niehler-, Mauenheimer- und Merheimer Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung wurde durch die räumliche Nähe zur Kölner Innenstadt und durch die gute Verkehrsanbindung mit eigenem Bahnhof begünstigt. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals neu errichteten Kirchen St. Marien und Lutherkirche). Von der Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger Platz und den Erzbergerplatz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen den Stadtteil. Ab dem frühen 20. Jahrhundert sind es oftmals drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur - deutliches Zeichen für einen sozialen Wandel innerhalb der Bewohnerschaft. Ein solches Erscheinungsbild bietet auch der Erzberger Platz mit seinen Wohnhäusern für gehobenere Wohnansprüche, der als Ensemble fast vollständig erhalten ist. Das als Doppelhaushälfte mit Haus Nr. 8 im Bauverband stehende Wohnhaus Nr. 6 zeigt an seiner Fassade folgende Schmuckformen: Rundbogenfenster mit originaler Sprossenteilung, Erker über zwei Geschosse mit profiliertem Giebelfeld, Fenster sind am Erker im 1. OG unter verkröpfter Verdachung zusammengefaßt, der linke Blendgiebel nimmt die antikisierenden Schmuckformen des Erkers wieder auf - barockisierende Balustrade im Giebelfeld, Dachgaube nimmt Rundbogenfenstermotiv aus dem 1. Stock wieder auf und wird von Karniesbogen überfangen, Stockwerkgesimse sind z. T. durch Friese (Klötzchenfries, profilierte Stuckkonsolen, Flieseneinschlüsse mit geometrischen Motiven) verziert und besonders betont.
Städtebaulich ist das o. g. Objekt innerhalb der gut erhaltenen Randbebauung des Erzberger Platzes von hoher Bedeutung, dokumentiert es doch die gehobenen Ansprüche an Architektur und Ausstattung einer spätbürgerlichen Klientel im vormals als Arbeiterwohnviertel entstandenen Stadtteil Nippes. Seine z. T. ungewöhnlichen Stuckdekorationensformen an der Fassade, unterstreichen auch den architekturhistorischen Wert der Doppelhaushälfte als wichtiges Zeugnis des späten Historismus.
Das Wohnhaus Erzberger Platz Nr. 6 ist - wie sein denkmalgeschütztes Pendant Nr. 8 - wesentlicher, städtebaulicher Bestandteil einer historischen Platzanlage und als solcher unverzichtbares Dokument der gebauten Kölner Stadtkultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0