Wohnhaus
Rückertstraße 2 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8031 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Rückertstraße 2, 50935 Köln |
| Baujahr | 1911 bis 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.01.1997 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Erbaut 1911/12; Architekt: Robert Stern; zweigeschossiges, Wohnhaus (dreiseitig freistehend) mit ausgebautem Dachgeschoß (bewegte Dachlandschaft); Dach verschiefert (Dacheindeckung an der rückwärtigen Seitenfront nachträglich mit Dachziegeln); Putzfassaden mit sparsamer Stuckgliederung in Kombination von neo-klassizistischen und neo-barocken Elementen unter Werkbundeinfluß; originale Fenster (im EG mit Beschlägen; DG-Fenster erneuert).
Straßenansicht Rückertstraße: 3 Achsen; Treppenhaus mittig risalitartig vorgestuft (separate Verdachung, in der Dachzone von hohem Giebelfeld überfangen) und seitlich konkav ausschwingend an die Fassade angebunden; in Höhe der Sohlbänke des OG seitlich trophäenartige Stuckelemente; Eingang portalartig gerahmt (Pilaster und Architrav); originale Eingangstür; Zugangstreppe neu verfliest.
Straßenansicht Gleueler Straße: 3 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch Mittelerker im OG/DG; profilierte Fensterbrüstung im DG; Erkerverdachung erneuert; Erker von zwei originalen Gauben flankiert.
rückwärtige Seitenfront: 6 Achsen; je 2 Balkone (zweiachsig) rechts und links im EG/OG (originale Metallgeländer); Gartentreppe (Metall) erneuert; Kellervergitterungen original.
Innen original: Treppenhaus: graue Bodenfliesen und dunkelgrün glasierte Wandfliesen im Eingangsbereich; Terrazzotreppe, hölzernes Geländer (mit Metallbuchsen) und Handlauf; Fensterbänke aus belgischem Granit; Beschläge der Treppenhausfenster; Speichertür; Kellertür; Wohnungstüren (im EG/OG zweiflüglig, teilverglast); Keller: Treppe mit Metallgeländer; Wohnungen: Grundrisse; OG: Zimmertüren; Bodenfliesen in der Küche; DG: Zimmertüren mit Laibungen; Fußleisten; Erkerzimmer mit flacher Stuckleiste.
Bestandteile des Denkmals sind auch die Einfriedung (verputzte Pfeiler, Metallgeländer; Eingangstor), der Vorgarten und seitlicher Garten.
Der schon 1888 nach Köln hin eingemeindete Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem Ursprung jedoch bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.
Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Villenbebauung ein, die ihren ersten Höhepunkt in der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte. Als besiedlungsförderndes Element sind die naheliegenden städtische Grünflächen zu nennen, in diesem städtebaulichen Zusammenhang vor allem die Lindenburg, die eine hohe Wohnqualität gewährleisten.
Die Bebauung der Rückertstraße ist durch für weite Teile Lindenthals typische freistehende Wohnbauten mit einem hohen repräsentativen Anspruch geprägt. Die wesentlichen Gestaltungsmerkmale, die das o.g. Objekt, das den Einmündungsbereich der Rückertstraße in die Gleueler Straße dominiert, sind die Betonung der Kubatur und ein reduzierter Schmukkaufwand. Die Eingangsfront wird durch ein in Höhe und Tiefe gestaffelten Risalit wirkungsvoll gegliedert. Diese straßenbildprägende Gestaltung barocker Provenienz - die qualitätvollen, trophäenartigen Stukkaturen belegen dies zusätzlich - wird zeitgemäß im Sinne des Werkbundes umgewertet, indem der gesamte Baukörper durch schmale Gesimse und abstrahierte Großformen straff gegliedert wird (bewegte Fassadenrhythmisierung; Wandgliederung durch Lisenen, verkröpfte Sturz- und Sohlbankgesimse, rundbogige Fensterabschlüsse mit Ornament im EG, aufgeputzte Fensterrahmungen im OG).
Der reduzierte Schmuckaufwand ist ein Hinweis auf die bei gutsituierten Bürgern aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen, die durchaus als Reaktion auf die mitunter als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.
Der Architekt des Hauses, Robert Stern (geb. 1885 in Köln; gest. in New York), ist neben Georg Falck der bedeutendste Kölner Architekt jüdischen Glaubens in der ersten Jahrhunderthälfte. Bis zu seiner Emigration (um 1936/37) nach London und anschließend nach New York schuf er eine umfangreiche Liste bedeutender Bauten in Köln (u.a. an der Scheffelstraße, der Virchowstraße, in Bayenthal und Marienburg).
Als integraler Bestandteil der noch teilweise erhaltenen und daher erlebbaren Bebauungsstruktur in Lindenthal stellt das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument des gehobenen Mietwohnungsbaus als Teil einer ehemaligen Vorstadtbebauung jenseits des Gürtels dar. Städtebauliche Relevanz hat das o.g. Objekt als Verbindungselement zwischen der offenen Bebauung an der Rückertstraße und der geschlossenen Bebauung an der Gleueler Straße. Das o.g., in allen wesentlichen Elementen erhaltene Objekt ist für das Verständnis der städtebaulichen Zusammenhänge in Lindenthal unverzichtbar und daher unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0