Wohnhaus
Gereonswall 110 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8090 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gereonswall 110, 50670 Köln |
| Baujahr | 1952 bis 1954, 1980 bis 1981 |
| Architekt / Planung | Hans Schilling |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.04.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Haus Schilling; erbaut: 1952 - 1954 (1. Bauabschnitt); ca. Ende der 1960er Jahre (2. Bauabschnitt); Umbau ca. 1980/81; Architekt und Bauherr: Hans Schilling (* 1921), auf unregelmäßiger, nach Südosten winkelförmiger Grundfläche im Bauverband zur mittelalterlichen Stadtmauer (1180 - 1215), Orientierung nach Osten.
Zwei Geschosse, Backsteinfassaden (Wiederverwendung historischen Baumaterials der alten Oper), Pultdächer in Schiefer; nach Westen ist das Gebäude den in regelmäßiger Folge gereihten, gewölbten Rundbogennischen und Strebepfeilern der Stadtmauer eingefügt, das Erdgeschoß des im Grundriß gerundeten turmartigen Mauerausbaus (nach Nordwest) dient als Teil des Wohnraums im Neubau; rechts weitgehend verglaster eingeschossiger Vorbau nach Nordost, daran anschließend eingeschossiger Küchenanbau von 1980 (Gehäuse, verschiefert), mit eigenem Pultdach, verschiefert; zwei innenliegende, von der Straße durch hohe Backsteinmauern abgeschirmte Höfe.
Fassaden: Südfassade zur Kyotostraße: weitgehend geschlossen, Sockel verputzt, z. T. historische Backsteinmauer, geschoßweise gestaffelte Backsteinmauer, Abschlüsse schiefergedeckt, rechts Belichtung durch Fenster in Glasbaustein, im oberen Bereich schmale schlitzartige Fenster; gänzlich geschlossene Stirnseite, Backstein.
Nordfassade (zum tiefergelegenen Innenhof orientiert): Eingang, verglaste Metalltür, im Obergeschoß zwei hochrechtekkige Einscheibenfenster.
Hauptfassade (nach Nordost): Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, z. T. hochrechteckige Einscheibenfenster, Metallkastenfenster, Schwenkfenster (stammen vom 1950/51 geplanten Neubau des Klosters der Cellitinnen in der Schwalbengasse); im Erdgeschoß rechts: vorkragender Metallfensterausbau, sprossengeteilt; rechts gänzlich verglaster Vorbau des Wohnraums unter abgeschlepptem Pultdach; am nordöstlichen Giebel Glastür mit zwei Seitenlichten zum Garten, Oberlicht, dem Verlauf der Dachschräge folgend verglast, vorgelagerte Terrasse.
Im Inneren: Eingangsbereich: dreistufige Treppe, Treppenpodest mit Natursteinplatten belegt, Freitreppe zum Obergeschoß, Metallkonstruktion, offene Stufen in Holz, Handlauf in Metall in der Wand verankert; an der Stirnwand künstlerisch gestaltetes Putzrelief.
Bürotrakt: z. T. Holzdielenboden, Parkett (erneuert), Fliesenboden, rot; Wände: z. T. Backstein, geschlämmt, z. T. Tuff, z. T. verputzte Wände; z. T. Decken mit Holzbalkenlagen (Balkenmaterial stammt aus dem ehemaligen Kaufhaus Köster).
Im Bereich des Flures Reste eines ehemaligen Brunnens in Backstein.
Wohnräume: Im Erdgeschoß führt eine Treppe in den Erweiterungsabschnitt (ca. Ende der 1960er Jahre), Natursteinstufen (Bauteile) aus anderem Zusammenhang, Travertin, Marmor; Büroraum (ehemaliges Schwimmbad): mit offener Glaswand zur Treppe, fünfteiliges Fenster in Holz zum nördlichen Innenhof, Türen in Holz stammen aus anderem Zusammenhang, Beton/Estrichböden, Decken in Sichtbeton, eine Decke in Holz, gestrichen.
Badezimmer mit originaler künstlerisch gestalteter Wandfliesenarbeit.
Obergeschoß: Türen und Gewände in Holz (verschiedene Holztüren stammen aus anderem historischen Zusammenhang).
Wohnraum: historischer Innenraum durch tiefen Rundbogen nach Osten zum Neubau hin geöffnet, Polygonalbodenplatten in Naturstein, Wände verputzt, Einschluß von Bruchsteinmauerwerk, Gliederung durch offene Nische der Stadtmauer mit Rundbogenfenster nach Südwest, kleine Schlitzfenster nach Nord, Süd und Nordwest; holzverkleidetes Pultdach; vom Wohnraum Aufgang zum Flachdach des turmartigen Mauerausbaus mittels einer gerundeten Steintreppe.
Dem Wohnraum seitlich vorgelagerte Terrasse mit Backsteinbodenbelag.
Zwei Höfe auf Straßenniveau: Natursteinbodenplatten, der südliche Hof durch Treppe auf Metallkonstruktion mit Steinplattenstufen erschlossen; der nördliche Hof wurde ca. Ende der 1960er Jahre ausgehoben und angelegt (dieser war ursprünglich Teil des sich nach Norden anschließenden Gartens), Backsteintreppe zum nach Nordwesten sich anschließenden Ziergarten; eine gläserne Halbpyramide über einem durch Eisenbahnschwellen gefaßten Schacht dient der Belichtung eines im Erdgeschoß gelegenen Raumes (historisches Holzfenster im Lichtschacht).
Abschluß des Hof- und Gartenbereiches zum Straßenraum durch geschoßhohe Backsteinmauer mit profiliertem oberen Abschluß, Einschluß von Bruchsteinen im nördlichen Bereich, zwei Garagenöffnungen, Stürze in Sichtbeton.
Die geschoßhohe Einfriedungsmauer in Backstein sowie der große parallel zur Stadtmauer angelegte Ziergarten nach Norden sind Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entstanden in der Kölner Altstadt seit Beginn der 1950er Jahre Neubauten, die sich in Grund- und Aufrißgestaltung sowie Materialwahl und Ausstattung von der überkommenen bürgerlichen Architektursprache abwandten und Bauformen entwickelten, die individuelle Lösungen verwirklichten.
Das Wohngebäudes des Architekten Hans Schilling liegt im Kreuzungsbereich Am Kümpchenshof/Kyotostraße/Gereonsmühlengasse/Gereonswall, parallel und in direktem Bauverband zur hier erhaltenen bzw. teilweise wiederaufgebauten mittelalterlichen Stadtmauer im Bereich eines größeren Grüngeländes entlang der Ringanlage (Hansaring). Das in Nord-Süd-Richtung gelagerte und mit Abstand (Ziergarten, Backsteinmauer) zum Straßenraum gelegene zweigeschossige Bauwerk auf Rechteckgrundriß zeigt backsteinsichtige schmucklose Fassaden, die nur durch die den Backsteinfassaden eingefügte Rechteckfenster mit geradem Abschluß (Beton) gegliedert sind. Teilweise weitgehend geschlossene Mauerflächen an der nach Süden und Osten gerichteten Fassade des Winkelbaus, einfach in die Fassaden eingeschnittene Fenster und die Gleichförmigkeit der Öffnungen in Format und Größe sowie einfache Pultdächer kennzeichnen die zurückhaltenden Architekturformen, die sich der - im Bauverband mit dem Neubau eine Einheit bildenden - monumentalen Stadtmauer unterordnen. Diese, für die Architektursprache der 1950er Jahre charakteristischen Formen der äußeren Gestalt anhand der Fassaden erfahren durch den Bauzusammenhang des Neubaus mit der Stadtmauer und durch die Gestaltung des Inneren eine besondere individuelle Ausprägung.
Durch Einbeziehung der alternierenden, als Großordnung gestalteten Nischen und Strebepfeiler der mittelalterlichen Bruchsteinmauer und des ursprünglich fortifikatorischen Zwecken dienenden Bauwerks auf Halbgrundriß innerhalb des Mauerverbandes in den Zusammenhang der Innenräume und Wohnbereiche des Neubaus wird ein individuelles, vom Reiz der Kombination historischer und moderner Bauformen geprägtes Ensemble geschaffen, das ebenfalls von der ästhetischen Wertschätzung der historischen Architektur in der unmittelbaren Nachkriegszeit zeugt. Das vom Architekten und Bauherrn realisierte Konzept der umfangreichen Wiederverwendung historischer Baustücke aus zerstörten Zusammenhängen städtischer Architektur (Fassadenmaterial, Treppenstufen, Holzbalken, Türen und Fenster) verleiht dem Neubau eine von persönlichem Gestaltungswillen und Weltanschauung geprägten Atmosphäre.
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität.
Hans Schilling hat mit dem Neubau seines Wohnhauses ein äußerst zurückhaltendes Bauwerk geschaffen, dessen Wert in der funktionalen Schlichtheit als Ausdruck der Respektierung der historischen Stadtmauer liegt. Das nach außen klar gegliederte in einfachen Architekturformen erscheinende Wohngebäude eröffnet im Inneren geschmackvoll gestaltete, vom Zusammenspiel historischer Materialien und zeitgemäß-moderner Bauformen belebte Wohn- und Arbeitsbereiche. Innerhalb des Spektrums der verschiedenen Architekturströmungen der Jahre des Wiederaufbaus ist das Objekt als einzigartiger, äußerst qualitätvoller Bau der Nachkriegsarchitektur von hohem Wert.
Das Gebäude Gereonswall 110 fügt sich durch die backsteinsichtigen Fassaden, die sich der mittelalterlichen Stadtmauer anschmiegen und durch die durchlaufenden Pultdächer, die unterhalb des Zinnenkranzes der Mauer ansetzen seiner weitgehend von Grünbereichen aufgelockerten Umgebung ein. Das Bauwerk ist in seiner Gesamtheit mit umgebendem Garten und Einfriedungsmauer und in Einheit mit der historischen Stadtmauer eine exklusive Kostbarkeit der modernen Architektur der 50er Jahre.
Als wesentlicher Bestandteil der Altstadtbebauung nach dem Zweiten Weltkrieg und als charakteristische architektonische Schöpfung und individuelle Lösung der ersten Wiederaufbauphase ist das Wohngebäude Gereonswall 110 unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0