Wohnhaus

Merkerhofstraße 6 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8094
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Merkerhofstraße 6, 51065 Köln
Baujahrum 1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.04.1997
Stadtteil Mülheim

Erbaut um 1913, Architekten Meumann und Kürten (inschriftlich bezeichnet); zweigeschossiger, traufenständiger Baukörper mit 2 Erkern, Mansarddach und großem Dacherker, historische Fenster und Türen.

Straßenfassade: 3 Achsen, Stuckfassade mit Fugenschnitt, Stuckaturen im Stil des späten Jugendstils mit Anklängen an den Neoklassizismus; Sockel bis zur durchlaufenden Sohlbank der EG-Fenster reichend, 3 Kellerfenster mit originalen Gittern; in linker und rechter Achse EG-Fenster bzw. Eingang mit Stuckrahmung, darüber jeweils Erker mit Löwenkopfapplikationen und originalem Gitter sowie Dachhäuschen (erneuert); in Mittelachse breites und schmales EG-Fenster mit gemeinsamem Sturzgesims, eine Stuckkassette flankierend, OGFenster mit profiliertem Sohlbak und Sturzgesims und stukkiertem Mittelpfosten, seitlich je 1 Maske mit Obstgehänge (links beschädigt), vorkragendes Dachgesims mit Stuckkonsolen, darüber Dacherker mit seitlichen, kannelierten Pilastern und Drillingsfenster, Sohlbank um gesamten Erker verkröpft, abschließendes Gesims profiliert mit Stuckkonsolen, darüber geschwungener Giebel.

Rückfront: 2 Achsen, links Terrassen-Tür und Fenster, darüber OG-Fenster und Dachhäuschen, im EG vorgelagert Speisekammeranbau mit originalem Fenstergitter und Terrasse (Boden erneuert) mit Brüstungsmauer, Außentreppe und Kellerabgang (Kellertür und -fenster original); rechts Parterreerker mit 1 Kellerfenster im Sockel, 3 großen EG-Fenstern und Terrassentür sowie Balkon mit originalem Brüstungsgitter.

Innen original: Keller mit Backsteinmauern, Betontreppe und -decke; eiserne Innenfenster sowie Wasserbecken und Heizkessel in der Waschküche historisch; EG mit geknickter Marmortreppe im Eingangsbereich, sockelartiger Treppenpfosten ebenfalls teilweise Marmor, steinerne Fensterbänke im EG und OG; originale Holztreppe im EG und OG mit hölzernem Antrittspfosten auf quadratischem Grundriß, darauf eingerolltes Ende des Handlaufs, Brettbaluster; NW- und NO-Raum im 1. OG mit leicht vortretender Deckenkehle, Erker innen mit gerundeten Fensternischenlaibungen.

Garten: kleine rückwärtige Rasenfläche mit randlichem Buschwerk und Magnolienbaum, Einfassungsmauer größtenteils original erhalten.

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jh. aus einer gewerblichen Ansiedlung zu einer Industriestadt (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes entlang der Ausfallstraßen und in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Entscheidend für die Stadtgestalt Mülheims war die ab 1911 durchgeführte Verlegung der Cöln-Mindener und Bergisch-Märkischen Eisenbahn auf die heutige Trasse. Diese Umlegung ermöglichte die Anlage der Ringstraßen und die Neuordnung des Gebiets südlich der Frankfurter Straße. Hier wurde auf den zum Merkerhof gehörenden und vom Strundener Bach durchflossenen Wiesen der Stadtgarten, Mülheims erster Stadtpark, angelegt. An den neuen Straßen in seiner Umgebung errichteten gut situierter Mülheimer Bürger ihre Wohnbauten. So auch an der Merkerhofstraße, bei deren Anlage 1912 der Merkerhof abgerissen wurde. Zunächst wurde das Doppelhaus Nr. 10/12 erbaut, im Jahr 1913 dann das palaisartige Haus Nr. 8 und das o. g. Objekt sowie die gegenüberliegenden Bauten Nr. 5 und 7 (zerstört).

Bauherr des Hauses Merkerhofstr. 6 war der Kaufmann Jakob Langel, zuvor an der Mülheimer Freiheit 45 wohnhaft. Ausschlaggebend für den Umzug dürfte die Nähe zum Stadtgarten und zum neuen Zentrum Mülheims (an der unteren Frankfurter Straße) gewesen sein. Im Gegensatz zu den Mietshäusern in Fabriknähe (z. B. Hacketäuerstr., Keupstr.) wurde das o. g. Objekt für eine einzige Familie errichtet mit Hauswirtschaftsräumen im Keller, der Küche im EG und Dienstbotenzimmer im DG. Diese Aufteilung orientiert sich am zeitgleichen Villenbau. An die in Grünflächen eingebetteten Villen erinnert auch der rückwärtige Ziergarten, der entsprechend dem engen städtischen Parzellenzuschnitt klein ausfällt. Die Nachahmung großbürgerlicher Villenarchitektur kann auch an der Fassade abgelesen werden, die eine für die Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg ungewöhnlich reiche Stuckausstattung aufweist und darüberhinaus mit 2 spiegelbildlichen Erkern ausgestattet ist. Der übergiebelte Dacherker mit Pilaster und Konsolgesims erinnert an die Mittelrisalite klassizistischer Schlösser; diese Andeutung ist auch beim Nachbarhaus Nr. 8 ablesbar. Zitate von in die bürgerliche Welt umgesetzten Hoheitsformen finden sich auch im Inneren des Hauses Merkerhofstr. 6; so bestehen die Treppenstufen im Eingangsbereich aus Marmor, während sich das Treppengeländer an barocken Brettbalustern orientiert.

Aus den o. g. Gründen ist die Erhaltung des Hauses Merkerhofstr. 6 unbedingt notwendig.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0