Wohn- u. Geschäftshaus
Gertrudenstraße 31 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8106 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Gertrudenstraße 31, 50667 Köln |
| Baujahr | um 1880 bis 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 12.06.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1880-90, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem einachsigem, Seitenflügel.
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (nachträglich verändert), steiles Mansardgiebeldach (ca. 1980 erneuert, ehemals Satteldach mit Gaupen), 2 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in klassizistischen Formen, im weitgehend veränderten Erdgeschoß Ladenlokal mit separatem Eingang innerhalb der Eingangsnische rechts (ehemals Ladeneingang links), Hauseingang rechts, im Eingangsbereich originale mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, Haustür und Oberlicht erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster der Obergeschosse original (Eiche, Mittelteilung, Oberlicht), nachträglich mit Isolierverglasung ausgestattet.
Rückseite: einachsig, Backstein, einachsiger Seitenflügel, Backstein, im Dachgeschoß nachträglicher Terrassenausbau, Dach rückwärtig schiefergedeckt, auf dem Seitenflügel nachträglicher (um 1980) Aufbau eines Vollgeschosses (blechverkleidet), flach gedeckt, Dachterrasse, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster erneuert, Treppenhausfenster im Seitenflügel original (Eiche, Mittelteilung, Oberlicht).
Im Inneren: Treppenhaus: originale Holztreppe (unter Belag) mit Antritts- und Zwischenpfosten, Stäben und Handlauf.
In den Wohnungen und im Ladenlokal keine Originalsubstanz.
Keller und Tiefkeller.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts z. T. aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Neubebauung.
Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Hahnen- und Magnusstraße, unweit des Neumarkts und der Basilika St. Aposteln liegt die Gertrudenstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit z. T. alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Die parallel zur Apostelnstraße, in Nord-Süd-Erstreckung zwischen Breite- und Mittelstraße gelegene Straße weist wie auch die Apostelnstraße eine noch annähernd intakte Zeilenbebauung des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich kommt dem Gebäude Gertrudenstr. 31 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete schmale und hohe Gebäude mit rückwärtigem kleinen Grundstück zeigt eine sehr aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende, dem historistischen Formenkanon verpflichtete Fassade. Die in unverändertem Zustand (das Erd- und Dachgeschoß ausgenommen) überlieferte Schauseite prägen die asymmetrische zweiachsige Fassadendekoration und die Verwendung hellen Backsteins mit Stuckdekorationen in klassizistischen Formen (Schmuckformen: Geschoßgesimse, profilierte Fassung der Öffnungen mit Einschluß von Diamantquadern, im 1. und 2. Obergeschoß profilierte waagerechte Fensterverdachungen, Traufgesims). Die aufwendige Gestaltung der Fassade charakterisiert die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren, die dem Gebäude trotz der durch die Parzellendisposition eingeschränkten Möglichkeiten eine individuelle architektonische Form gaben, die sich von der Massenbauweise des Historismus abhebt. Das Gebäude Nr. 31 ist Teil eines altstädtischen Ensembles von Fassaden und Gebäuden mit historistischen und Jugendstildekoration (z.B. Nrn. 29 und 31). Einzelne Nachbargebäude und gegenüberliegende Wohn- und Geschäftshäuser sind wie die Nr. 31 in weitgehend unverändertem Zustand überliefert. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße ist das Gebäude von hohem Wert.
Das Gebäude dokumentiert trotz mancher Verluste (Erdgeschoßfassade und Innengestaltung) überkommene städtische Lebens- und Wohnformen der historischen Altstadt Kölns und ist als zeittypisches Denkmal gebauter Architektur vom Ende des vorigen Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0