Villa
Strundener Straße 135 · Dellbrück
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8138 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Villa |
| Adresse | Strundener Straße 135, 51069 Köln |
| Baujahr | 1927 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.08.1997 |
| Stadtteil | Dellbrück |
Erbaut 1927 (inschriftlich datiert) von dem Architekten Ludwig Albert für den Fabrikanten Theodor Creifelds im sachlichen Stil der 20er Jahre mit expressionistischen Anklängen.
Zweigeschossiger giebelständiger Putzbau in zwei Achsen mit ziegelgedecktem Satteldach - der Giebel ist oberhalb der Traufe einmal abgestuft. Haustür, Austritte und Fenster sind mit Ausnahme von drei rechteckigen Fenstern im Erdgeschoß (EG) original: Ein- zweiflügelige Sprossenfenster mit Innenanschlag und Messingbeschlägen.
Straßenfassade: Im EG rundbogige Drillingsfenster auf ge- meinsamer Sohlbank mit aufgeputzten Schlußsteinen, im Obergeschoß (OG) längsrechteckige Fensteröffnungen mit aufgeputzten Rahmungen; im Giebelbereich rundbogige Türöffnung mit rund vorspringendem Austritt mit einfacher Gitterbrüstung.
Linke Seitenansicht (Eingang): drei Achsen, Mittelbetonung durch Eingangstür mit dreistufigem Anlauf und darüberliegendem Austritt. Im EG wiederum Drillingsfenster sowie eine längsrechteckige Fensteröffnung; im OG kleine Rechteckfenster mit aufwendig vorkragender, kastenartiger Vergitterung. Im Dachgeschoß originale zweiachsige Rechteckgaube.
Rechte Seitenansicht: Eine große rechteckige, erkerartige Fensteröffnung im EG (mit neuen Kunststoffenstern)
Rückansicht: Abgetreppter Küchenerkeranbau mit Übereck-Fenster (erneuert) und Austritt zum Garten mit neuem Terrassenvorbau; im OG aufsitzender Wintergarten mit Metallprofilen (nicht original) und Balkon mit neuer Lattenbrüstung - die Nutzung als Balkon ist nicht ursprünglich. Im Speicher für die rechtsrheinischen Vororte typische Belüftung durch Dreiecksfenster.
Innen original: Keller mit Betonkappendecke. Holztreppe mit Sägebaluster und Versprung zwischen 1. und 2. OG. Signatur des Architekten:"ARCHITEKT L. ALBERT AD 1927" im Treppengeländer zum 2.OG; Grundrisse in allen Geschossen weitgehend erhalten, in den OG's Nadelholzdielen. Zimmertüren größtenteils erhalten, z. T. mit dreifach waagerechter Kassettierung.
Der die Villa umgebende Garten - ohne den rückwärtigen Garagenbau - ist Teil des Denkmals.
Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Alt Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort entwickelte sich auch durch den Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln mit Eisen- und Straßenbahnlinien. Der Bergisch-Gladbacher Straße kam dabei als Ost-West-Verbindung besondere Bedeutung zu. Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entstanden um diese Zeit viele Wohngebäude von finanziell starken "Stadtflüchtlingen". Diese Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, ging aber ab 1920 nahtlos weiter. Es entstanden mit geschlossenen Villenvierteln (z. B. Thielenbruch) auch viele Einzelbauten, die auf vorhandenen Restgrundstücken entlang wichtiger Verkehrswege wie der Strundener Straße erbaut wurden. Sie spiegeln noch heute die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit und veranschaulichen das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen in städtischer Randlage .
Die Strundener Straße verläuft auf der Flußterrasse nördlich des Strunderbaches, der in Herrenstrunden am Westrand der Bergischen Höhen entspringt. An seinem ca. 20. Kilometer langen Lauf befanden sich mindestens 52 Mühlen (seit dem 14. Jh. belegt), denen auch die Ortschaft Strunden ihre Existenz verdankte. Zu den Mühlen gehörten oftmals Herrenhäuser wie Haus Thurn oder Isenburg - ehemalige Wasserburgen, deren Gräben vom Bach gespeist wurden. Das um 1927 errichtete Haus Strundener Straße 135 gehört zu einer umfangreichen Reihe repräsentativer, mit unterschiedlichen Stilelementen gestalteter Villen auf beiden Straßenseiten. Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Haus als Dokument der stadtkölnisch beeinflußten Siedlungsentwicklung Dellbrücks in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts. Das äußere Erscheinungsbild verweist auf den Anspruch des damaligen Bauherrn, der hier weit außerhalb Kölns ein luxuriöses Wohnhaus für seine Familie errichten ließ. Architekt war der bekannte Ludwig Albert, der im Bereich der südöstlichen Vororte viele Villen gebaut hat. Sein Können und sein Selbstbewußtsein zeigen sich nicht nur im äußeren Erscheinungsbild des Gebäudes, sondern auch in seiner latinisierten "Signatur" in der Treppenknagge. Auf dem heute abgetrennten Nachbargrundstück (Nr. 133) war in einem kleinen Gebäude des 19. Jh.'s die "Duftwasser - Fabrik" untergebracht.
Das Wohnhaus ist nicht nur bezüglich seiner architektonischen Gestaltung im Stil des Expressionismus in der Strundener Straße einmalig, sondern auch städtebaulich als Beispiel für die etappenweise Besiedlung der Kölner Wohnorte, die sich in dieser Straße besonders gut ablesbar niedergeschlagen hat. Zusammen mit dem Gebäude Strundener Straße 133 bildet es eine Einheit, an der sich frühindustrielle Kultur ablesen läßt. Der enge räumliche Bezug zwischen Fabrik und Wohnhaus war bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts bei Familienunternehmen durchaus üblich.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0