Wohnhaus

Merheimer Straße 107 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8229
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Merheimer Straße 107, 50733 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 22.12.1997
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1890, 2-geschossiges, 3-achsiges Wohnhaus mit Satteldach. Putzfassade mit Stuckgliederungen des Historismus, rückwärtiger 2-geschossiger Anbau.

Fassade: Hauseingang in linker Achse (erneuerte Holztür), rechts anstelle eines ursprünglichen Ladeneinbaus heute zwei Fenster (Holz, Einscheibenfenster) mit Achsenbezug zu Fenstern des OG. Fenster des OG original erhalten, im bekrönenden Giebel zwei kleine Fenster. Wandflächen mit Fugenschnittstuck, Brüstungsfelder der Fenster, Fensterrahmungen und -verdachungen, Traufgesims sowie der Giebel reich mit stark plastischen Stuckelementen verziert.

Rückseite: backsteinsichtig, ausgeprägtes Konsoltraufgesims, rechts langgestreckter, zweigeschossiger Anbau mit Pultdach (zwei spätere Gauben, Westseite verputzt), originale Fenster teilweise erhalten, alle Holz.

Innen original: Vestibül: Bodenbelag aus schwarzen und weißen Bodenfliesen, Stuckrosette. Steile Holztreppe mit gedrechseltem hölzernem Geländer und Antrittspfosten, im Vorderhaus im EG und OG alte Laibungen und teilweise alte Türblätter (Türen im DG und im Hinterhaus erneuert), Hoftür und Kellertür erhalten, Keller mit gemauerten Backsteinkappen, Dielenböden.

Zum Denkmal gehörig ist auch der rückwärtige Garten mit erhaltener Einfriedungsmauer aus Backstein.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute. Die Merheimer Str., die bis 1890 Longericher Straße hieß, wurde zur Hauptverkehrsachse dieses Ortsteils "Sechzig".

Das o.g. Objekt ist Teil der Erstbebauung dieser Straße und erinnert mit einer Reihe weiterer, aus dieser Zeit erhaltener Bauten an die Entwicklung des Kölner Vorortes Nippes und damit auch an die Geschichte der Menschen in Nippes. 1891 war Eigentümer und Bewohner des Hauses der Eisenbahnwerkmeister Küster. Hier wird ganz besonders stark die enge Verknüpfung von Industrialisierung, Eisenbahnbau und Siedlungsgeschichte deutlich. Die in anderen Bereichen der Merheimer Str. noch sehr viel vollständiger erhaltene Erstbebauung ist in diesem Straßenabschnitt nur noch durch das hier besprochene Objekt und die hier in sehr sprechendem städtebaulichem Zusammenhang genau gegenüber stehende Lutherkirche ablesbar. Die Ende der 1880er Jahre erbaute Lutherkirche ist mit ihrem turmbekrönten, westlichen Eingang zur Merheimerstraße hin ausgerichtet und bildet mit ihrer original erhaltenen Einfriedung gemeinsam mit dem gegenüberliegendem Haus Nr. 107 ein kleines Ensemble, das an dieser Stelle die für Nippes bedeutende Geschichte der Merheimer Straße veranschaulicht.

Das Objekt zeigt den einfachen Kölner Wohnhaustyp des ausgehenden 19. Jahrhunderts: schlichte, zweigeschossige Dreifensterhäuser, die sich auch an anderen, noch vor oder um 1890 bebauten Straßen in Nippes zeigt (Florastraße, Lohsestraße, Siebachstraße). Der kleine Giebel bekrönt als vergrößerte Gaube die Fassade, ermöglicht die Nutzung des Dachgeschosses und wirkte ehemals - aber auch heute noch - belebend auf das Straßenbild, indem er die Abfolge der traufständigen Häuser rhythmisiert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0