Wohnhaus
Merheimer Straße 149 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8231 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Merheimer Straße 149, 50733 Köln |
| Baujahr | 1901 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.12.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1901, 3-geschossiges, 4-achsiges Wohnhaus mit ausgebautem Satteldach auf annähernd quadratischem Grundriß, rückseitig zwei eingeschossige Anbauten mit Pultdach. Putzfassade mit Stuckgliederungen des Historismus, insbesondere der Neorenaissance.
Fassade: durch vorkragende Gesimse horizontal in einzelne Geschosse unterteilt. (EG 1973 verändert: ursprünglich links liegender breiter Eingang eine Achse nach rechts verlegt um bessere Raumaufteilung für Wohnnutzung zu erzielen, Sockel und EG verfliest, Haustür erneuert. Alle Fenster der Fassade erneuert: Kunststoff, große Einscheibenfenster.) In beiden Obergeschossen in jeder Achse ein Fenster, die Fenster des 1. OG durch Renaissanceverdachungen mit Muschel und Engelmotiven, sowie rahmende Pilaster mit ionischen Kapitellen betont; die Fenster des 2. OG mit schlichteren Rahmen, Diamantquadern im Sturz und verkröpftem horizontalem Band in Kämpferhöhe. Im Dach rechts kleine Gaube.
Rückseite: backsteinsichtig, Konsoltraufgesims, seitliche eingeschossige Anbauten verputzt, (Veränderungen: Toilettenanbau, Fenster erneuert, Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht), alte Einfriedungsmauer aus Backstein erhalten.
Innen original: Holztreppe (mit Linoleum belegt) mit gedrechselten Stäben und hölzernem Handlauf (verändert: Grundriß des EG durch Haustürverlegung, alle Türen erneuert, ursprünglich in jedem Geschoß drei Türen von Treppenpodest abgehend, heute mittlere Tür jeweils geschlossen), Keller mit zwei, parallel zur Straße liegenden Backsteintonnen gewölbt.
Zum Denkmal gehört auch der kleine Garten als ehemaliger Nutzgarten. Nicht zum Denkmal gehörig ist dagegen der heute zum Nachbarhaus gehörende, an den nördlichen Anbau anschließende eingeschossige Anbau.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute. Die Merheimer Str., die bis 1890 Longericher Straße hieß, wurde zur Hauptverkehrsachse dieses Ortsteils "Sechzig".
Das o.g. Objekt ist Teil der nach der Jahrhundertwende entstandenen nördlichen Bebauung dieser Straße und erinnert mit vielen weiteren, aus dieser Zeit in der Nachbarschaft erhaltenen Bauten an die Entwicklung des Kölner Vorortes Nippes und damit auch an die Geschichte der Menschen in Nippes. Hier wird ganz besonders stark die enge Verknüpfung von Industrialisierung, Eisenbahnbau und Siedlungsgeschichte deutlich.
Von großer städtebaulicher Bedeutung ist die Lage innerhalb eines umfangreichen Ensembles erhaltener gründerzeitlicher Bauten entlang der westlichen Seite der Merheimer Straße. Wichtiges Gestaltuns und Gliederungsmerkmal aller Häuser dieses Straßenabschnittes ist die 3-geschossige Bebauung mit betonter Geschoßteilung durch horizontale Gesimse und eine besondere Betonung des 1. OG durch aufwendige Fensterrahmungen oder -verdachungen. Dieses Haus stellt ein wichtiges zeitliches und stilistisches Bindeglied zwischen den südlichen und nördlichen Bauten dieser Straßenseite dar. Während die südlichen Nachbarhäuser, die alle vor 1895 gebaut wurden, typische Vertreter des frühen gründerzeitlichen Haustypus, des Kölner Dreifensterhauses mit drei Fensterachsen sind, weist das hier behandelte Objekt vier Fensterachsen auf. Trotzdem gleicht es sich mit seinen NeorenaissanceSchmuckformen stark an seine südlichen Nachbarn an. Den stilistischen Wechsel zu gotisierenden Schmuckformen vollzieht aber erst das drei Jahre später, 1904 errichtete nördliche Nachbarhaus Nr. 149 a, das nun sogar 5-achsig gegliedert ist.
Im Adressbuch von 1902 taucht die Nr. 149 erstmals auf, als Eigentümer ist J. Hecker mit einer Kolonialwarenhandlung genannt. Durch die Kolonialwarenhandlung läßt sich u. U. die Grundrißgliederung des EG erklären, die zur Straße ursprünglich einen großen Raum aufwies, der später zu Wohnzwecken unterteilt wurde, wodurch der linkseitig gelegene Eingang unpraktisch wurde. Die Baumaßnahmen der 70er Jahre haben daher den Eingang in die Achse des mittig gelegenen Treppenhauses verlegt.
So wird deutlich, wie stark dieses Objekt Zeugnis für die siedlungs- und städtebauliche Entwicklung von Nippes ablegt, und darüberhinaus wichtige Hinweise für die Nutzung und künstlerische Gestaltung der Bauten dieses Stadtteils gibt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0