Wohnhaus
Böcklinstraße 3 · Müngersdorf
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8262 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Böcklinstraße 3, 50933 Köln |
| Baujahr | 1960 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.01.1998 |
| Stadtteil | Müngersdorf |
Erbaut 1960, Architekt: Gottfried Böhm für Bauherrn Dr. Hans Bohn, Rechtsanwalt. 1-2 geschossiges Einfamilienwohnhaus, Geschosse als kubische Baukörper versetzt übereinander angeordnet, teilunterkellertes Erdgeschoß mit Garage auf L-förmigem Grundriß, quadratisches Obergeschoß straßen- und gartenseitig 1,75 m überstehend, von Säulen getragen. Das zu den Seiten weit vorspringende Erdgeschoß mit Flachdach, aufgesetzter Kubus mit flachem Zeltdach; ursprünglich alle Außenwände backsteinsichtig (verändert: OG schieferverkleidet), Holzfenster erneuert.
Eingangsfassade: breitgelagertes, backsteinsichtiges EG, das rechts Trafostation miteinschließt, weit nach links aus der Mitte verschoben OG aufgesetzt. Vorkragender Bereich des OG auf vier Säulen mit betonter, tiefliegender Entasis abgestützt, darunter links Hauseingang, rechts Wirtschaftsraumzugang, beide verbunden durch vergittertes Oberlichtfensterband. Rechts Doppelgarage mit großem Tor. Das EG rundum nach oben abgeschlossen durch sichtbar belassene Betongeschoßdekke. Im OG asymmetrisches, horizontalgelagertes, dreigeteiltes Fenster.
Südansicht (zur Feuerbachstraße): im EG drei große Fenster (ursprüngliche obere und untere Holzverkleidung durch verputzte Flächen ersetzt); im OG-Kubus breitgelagertes, dreigeteiltes Fenster asymmetrisch eingesetzt.
Gartenfront: unter vorkragendem, auf Säulen stehendem OG Fenster- und Glastürenfront (Veränderungen: anstelle des rechten Fensters zusätzliche raumhohe Verglasung, Holzverkleidung unterhalb der Fenster entfernt, stattdessen glatt verputzt, Einbau von Rolladenkästen) links kleiner Freisitz und Garage, rechts vorspringender Wohnraumbereich mit je einem Fenster im Westen und Norden (Holzverkleidungen entfernt, Rolladenkästen). Im OG symmetrisch angeordnetes Fensterband.
Nordansicht: im EG Garage mit Trafohäuschen und anschließendem Nachbarhaus, im OG mittig angeordnetes Fensterband.
Innen original: Grundriß (Veränderungen EG: Wandausbruch zum ehemaligen Büro, Entfernung von zwei dünnen Trennwänden zwischen ehemaliger Küche und Eßecke, Verlegung der Küche ins ehemalige Mädchenzimmer; OG: Zusammenlegung von zwei Schlafräumen durch Wandausbruch). Heller Natursteinboden im Hausflur, Treppe zum OG: Natursteinstufen, goldener Mipolamhandlauf; Kellertreppe gefliest, Mipolamhandlauf (Zimmertüren erneuert).
Zum Denkmal gehörig ist auch der umgebende Garten, der mit seiner Heckenbepflanzung die Abgschlossenheit des Hauses zur Straße fortsetzt.Typisch für die Erbauungszeit ist auch die Terrasse, die direkt in die Rasenfläche übergeht; sowie die teilweise noch nachvollziehbare unregelmäßige Bepflanzung mit Sträuchern und Bäumen,
Die bauliche Erweiterung des alten Müngersdorfer Ortskerns erfolgte seit der Eingemeindung nach Köln im Jahre 1888 zunächst durch genossenschaftliche Arbeiterwohnungsbauten. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden der ausgedehnte Stadionbereich und der Äußere Grüngürtel. Aufgrund der landschaftlichen Schönheit nahm im Bereich nördlich der Aachener Straße und westlich des Äußeren Grüngürtels die Tendenz zum Ausbau als Villen- und Künstlervorort zu. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden in dieser bevorzugten Lage qualitätvolle Beispiele neuerer Architektur errichtet. Das o.g. Haus Böcklinstr. 3 gehört zur Erstbebauung des Malerviertels nördlich des Brauweilerweges, eines erst in der Nachkriegszeit erschlossenen Wohnviertels. Die dortige Bebauung mit Einfamilienhäusern zeichnet sich insgesamt durch ihren gehobenen Standard aus.
Das von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm geplante Einfamilienhaus liegt unmittelbar an der Kreuzung zur Feuerbachstraße. Die Hauptfassade des Hauses ist mit dem auf Säulen stehend wirkenden, überkragenden Obergeschoss ein eindrucksvoller Blickfang in der Nähe der großräumigen Straßenkreuzung. Die Säulenstellung läßt Hauseingang und Nebeneingang zu einem großzügigen Portikus verschmelzen. Hier entsteht eine Verschleifung von Außen und Innen, der loggiartige Bereich vermittelt zwischen Vorplatz und Wohnräumen. Diese auffällige Säulenstellung (die Säulen mit ungewohnt betonter Entasis) steht im Kontrast zu der ansonsten stark zurückgenommenen Gestaltung des Gebäudes. Die äußere Gestalt des Hauses ist aus einem l-förmigen Flachdachbau gebildet, dem ein aus der Mitte nach links verschobenes, vorne und hinten überstehendes quadratisches Obergeschoß aufgesetzt ist. Der helle Streifen der sichtbar gelassenen Betondecke des EG zieht sich um das ganze Gebäude herum und verstärkt so den den Eindruck von zwei versetzt 'aufeinandergestapelten' eingeschossigen Flachdachbauten. Dies wirkt als variierter Verweis auf die eingeschossigen Flachdacheinfamilienhäuser der 50er Jahre in Köln.
Die glatten Außenwände scheinen vollkommen schmucklos, sie wurden jedoch vom Architekten sehr bewußt gestaltet: die Anordnung der Fenster innerhalb der einzelnen Mauerflächen wirkt wie eine graphische Behandlung der Wand. Die Fensteröffnungen wurden zu unterschiedlichen Gruppen zusammengefaßt und sind als Dreiergruppen symmetrisch oder betont asymmetrisch in die Mauer eingeschnitten, bilden ein langes Fensterband (Gartenseite) oder rhythmisieren die Außenhaut durch einzelne Flächen.
So zeigt sich in den Details die Arbeit des bedeutenden Kölner Architekten Gottfried Böhm, dessen Werke in Teilen einen sehr eigenständigen - von gängigen Architekturströmungen unabhängigen - Charakter haben. Trotzdem verweisen viele Details des Baus auf die Architektur im Stile der 50er Jahre. Dazu gehören die raumgreifende Architektur mit der l-förmigen Flügelanlage und die immer wiederkehrende Asymmetrie. Das auf Säulen stehende OG erinnert an die im EG 'schwebenden' Fassaden vieler 50er Jahre Bauten; das Spiel mit geschlossenen und offenen Flächen, und die durch die verglaste Front im Gartenbereich sowie durch den Portikus im Eingangsbereich angestrebte Vermittlung zwischen Innen und Außen ist typisch für die gehobene Einfamilienhausbebauung zu dieser Zeit.
Das Objekt gehört zur Gruppe der qualitativ bedeutenden Kölner Bauten der 50er und 60er Jahre und ist wichtiges Zeugnis für die Entwicklung dieses Bereiches von Müngersdorf als moderner Villenvorort am Rande Kölns.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0