Wohnhaus

Xantener Straße 131 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8284
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Xantener Straße 131, 50735 Köln
Baujahrum 1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 02.03.1998
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1928, östliches Gebäude eines zweiteiligen, symmetrisch gegliederten Doppelbaus, auf rechteckiger Grundfläche mit seitlichem Treppenhausvorbau und Erkern.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach mit Fuß, vorkragende Traufkante (einheitliches Dach des Doppelbaus, seitliche Mauern am Dachansatz entfernt), 2 Achsen, Backsteinfassade, Gliederungen in expressionistischen Formen, insgesamt symmetrische Fassadengliederung, Treppenhausrisalit an der Ostseite, Erdgeschoßerker rechts mit gerundeten Ecken, Fenster mit geradem oberen Abschluß (mit gerundete Ecken am Sturz), z.T. Querrechteckfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, z.T. asymmetrische Teilung), Fensteröffnung im Erker nachträglich verändert (ehemals Fenstertür).

Ostseite: Treppenhausrisalit auf rechteckiger Grundfläche, abgerundete Ecken, nach Osten vertikales Fensterband, Eingang nach Süden mit geradem oberen Abschluß, waagerechte Eingangsüberdachung, Unterseite verputzt mit dekorativer Scharrur, seitliche Brüstungsmauer mit Deckplatte, im Bauverband zur Seitenfront Treppe zum Garten auf abgesenktem Niveau, Kellergarage.

Rückseite: 2 Achsen, Backstein, vorkragende Dachkante, Balkone über die Breite der Rückseite (in Einheit mit dem Nachbargebäude), gemauerte Balkonbrüstung, z.T. gerundet, originale Bodenfliesen, rot, Wetterschutzdach in Wellblech nachträglich angefügt, vom Erdgeschoßbalkon Gartentreppe, gemauerte und getreppte Brüstung, Fenster und Balkontüren mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und Balkontüren (im 1. Obergeschoß Zweiflügeltür) erneuert, Kellertür (zum Garten) mit geradem oberen Abschluß, ehemals flankierendes Fenster vermauert.

Im Inneren: im Eingangsbereich Natursteinbodenplatten, Holztreppe (unter PVC-Belag), geschlossene Treppenbrüstung in Holz, Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielenboden belegt (unter PVC-Belag), Wohnungseingangstüren erneuert, im Dachgeschoß nachträglicher Einbau des Geschoßabschlusses (Holz).

In den Wohnräumen: im Erdgeschoß Parkettböden, original, in Küche PVC-Boden, z.T. originale Wandfliesen, Türen und Gewände erneuert, in allen Wohnräumen originale Deckenstuckprofile, im Obergeschoß Fußböden erneuert (Estrich), Türen und Gewände erneuert; im Dachgeschoß alle Böden in PVC erneuert.

Der straßenseitige Ziergarten (einheitliche Einfriedung des Doppelbaus) mit Gestaltung durch kniehohe Bruchsteinmauer, Abdeckplatte in Naturstein, mit hüfthoher Einfriedungsmauer in Backstein, Mauerpfeilern und aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter (Gartentor erneuert) sowie der rückwärtige Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die nachträglich errichtete Garage im rückwärtigen Garten.

Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller-Straße und Am Botanischen Garten/Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 129/131 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße. Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale der Doppelvilla mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 131 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit dem Nachbargebäude errichtet; beide Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Außenachsen und der Treppenhausvorbauten auf. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Zementstuck und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: annähernd symmetrisch gestalteter Gruppenbau, im mittleren Bereich Wandgestaltung durch Backsteinreliefs in beiden Geschossen). Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete große Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Xantener Straße 131 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0