Wohnhaus

Xantener Straße 137 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8287
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Xantener Straße 137, 50735 Köln
Baujahrum 1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 02.03.1998
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1928, westliches Gebäude einer symmetrisch gestalteten Anlage, bestehend aus zwei Doppelbauten (korrespondiert mit dem Gebäude Xantener Straße 135), Architekt: Ernst Scheidt; auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten, weit vom Straßenraum zurückgesetzte Gruppe mit straßenseitigem Ziergarten.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach mit Fuß, vorkragende Traufkante (einheitliches Dach des Doppelbaus), 2 Achsen, Backsteinfassade, Gliederungen in rheinischem Tuffstein und Backstein in expressionistischen Formen, Erdgeschoßerker in der linken Achse mit anschließendem, die Gebäude 135 und 137 verbindenden Balken auf Stütze in Backstein mit Gliederungen in Tuffstein, gerundete Ecken, Fenster mit geradem oberen Abschluß, gerundete Ecken der Fensterstürze, im Erdgeschoß paarweise zusammengefaßte Hochrechteckfenster, im Obergeschoß zu Vierergruppe verbundene Rechteckfenster in Einheit mit dem Nachbargebäude, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Aluminium (Einscheibenfenster), originale Fenstergitter im unteren Bereich der Erdgeschoßöffnungen.

Westseite: Traufgesims in rheinischem Tuffstein, eine Achse, Eingang mit geradem oberen Abschluß, originale Haustür in Holz, im Obergeschoß Gruppe von vier Treppenhausfenstern in Aluminium erneuert.

Rückseite: 2 Achsen, Backstein, Traufgesims in rheinischem Tuffstein, vorkragende Dachkante, beidseitig Erdgeschoßerkerausbauten, links Terrasse auf Halbrundgrundfläche des Souterrains, Terrassenfliesen original, rot, Brüstung aus Mauerpfeilern, Gitter erneuert; anschließende Terrasse auf Rechteckgrundfläche, gemauerte Brüstung, elfstufige Gartentreppe, Treppenfliesen erneuert, Wetterschutz/Pultdach in Metall/Glas erneuert; Fenster und Fenstertüren mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und Fenstertüren erneuert (Aluminium), im Souterrain originale dreiteilige Gartentür in Holz, im Erdgeschoß ein erneuertes Holzfenster, alle übrigen Fenster in Kunststoff erneuert.

Im Inneren: Eingangsbereich mit erneuerten Bodenfliesen; Diele: originaler Parkettboden, originale Deckenstuckprofile, originale Holztreppe, geschlossene Brüstung und Handlauf in Holz, weitere Holztreppe vom Ober- zum Dachgeschoß, geschlossene Brüstung und Handlauf in Holz.

In den Wohnräumen: im Erdgeschoß originale Parkettböden, im Obergeschoß Fußböden erneuert, im Dachgeschoß originale Holzdielenböden, alle Türen und Gewände original, im Erdgeschoß Stuckdecken, die mit den Profilen der Türgewände korrespondieren, eine Deckenstuckvoute, im Obergeschoß in der Diele Stuckprofile eine Stuckdecke im rückwärtigen Raum, Wand- und Bodenfliesen in Küche und Bädern erneuert

Der straßenseitige - weit vom Straßenraum zurückliegende - tiefe Ziergarten (einheitliche Einfriedung der gesamten Anlage Xantener Straße 133-139) mit kniehoher Einfriedungsmauer in Backstein, z.T. erneuerten Mauerpfeilern, aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, Einfahrt mit Natursteinplatten und Backstein, sowie der rückwärtige Ziergarten mit altem Baumbestand sind Bestandteil des Denkmals.

Die hüfthohe Backsteinmauer zwischen den Gebäuden 135/137 mit aufgesetztem geschmiedeten Gitter in Stahl (erneuert), Einschluß einer Kartusche mit Hirschkopfrelief, ist Bestandteil des Denkmals.

Die im Bauverband nach Westen anstehende Garage in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller-Straße und Am Botanischen Garten/Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 133-139 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße.

Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale von Doppelvillen mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 137 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (133-135, 139) errichtet; alle vier Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Außenachsen, der Eingangsbereiche und der aufwendigen Gestaltung mit verbindender Pergola in Backstein auf. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Tuffstein und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition der beiden Doppelvillen, Sockelbereich mit horizontalem Backsteinbändern, Brüstungsbereich im Erdgeschoß mit Horizontalprofilen in Tuff- und Backstein). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete große Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Das Gebäude dokumentiert mit weiteren in der Nachbarschaft anstehenden Gruppenbauten und Siedlungskomplexen in ausgezeichneter Überlieferung das Werk des bedeutenden Architekten Ernst Scheidt. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Xantener Straße 137 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0