Wohnhaus
Xantener Straße 135 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8286 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Xantener Straße 135, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 02.03.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1928, östliches Gebäude einer symmetrisch gestalteten Anlage, bestehend aus zwei Doppelbauten (korrespondiert mit dem Gebäude Xantener Straße 137), Architekt: Ernst Scheidt; auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten, weit vom Straßenraum zurückgesetzte Gruppe mit straßenseitigem Ziergarten.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Satteldach erneuert, Giebelseiten verändert (ehemals Walmdach), vorkragende Traufkante (einheitliches Dach des Doppelbaus), 2 Achsen, Backsteinfassade, Gliederungen in rheinischem Tuffstein und Backstein in expressionistischen Formen, Erdgeschoßerker in der rechten Achse mit anschließendem, die Gebäude 135 und 137 verbindenden Balken in Backstein mit Gliederungen in Tuffstein, gerundete Ecken, Fenster mit geradem oberen Abschluß, gerundete Ecken der Fensterstürze, im Erdgeschoß paarweise zusammengefaßte Hochrechteckfenster, im Obergeschoß zu Vierergruppe verbundene Rechteckfenster in Einheit mit dem Nachbargebäude, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Kunststoff, originale Fenstergitter im unteren Bereich der Erdgeschoßöffnungen.
Ostseite: weitgehend erneuert, Eingang mit geradem oberen Abschluß, originale Haustür in Holz mit Glas, im Obergeschoß vierteiliges Fensterband, geschmiedete Fenstergitter in Stahl, in Kunststoff erneuert.
Rückseite: 2 Achsen, Backstein, vorkragende Dachkante, Terrasse auf Halbrundgrundfläche des Souterrains, Terrassenfliesen erneuert, zwölfstufige Gartentreppe, links Loggia, Brüstung in Backstein, im Dachgeschoß Terrasse, Brüstung in Backstein (z.T. erneuert), Fenster und Fenstertüren mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß ein erneuertes Holzfenster, alle übrigen Fenster in Kunststoff erneuert.
Im Inneren: Eingangsbereich mit erneuerten Bodenfliesen, originale Stuckprofile, originale Holztreppe, Stäbe und Handlauf in Holz.
In den Wohnräumen: im Erdgeschoß z.T. Parkettboden, im Obergeschoß durchgehend Parkettboden, Küche Erdgeschoß mit originalen Bodenfliesen schwarz/weiß, im Dachgeschoß und Spitzboden originale Holzdielenböden, z.T. abgehängte Decken, Türen und Gewände zum großen Teil original, originale Fensterbänke.
Der straßenseitige - weit vom Straßenraum zurückliegende - tiefe Ziergarten (einheitliche Einfriedung der gesamten Anlage Xantener Straße 133-139) mit kniehoher Einfriedungsmauer in Backstein, erneuerten Mauerpfeilern, aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, Einfahrt mit Natursteinplatten und Backstein, sowie der rückwärtige Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Die hüfthohe Backsteinmauer zwischen den Gebäuden 135/137 mit aufgesetztem geschmiedeten Gitter in Stahl (erneuert), Einschluß einer Kartusche mit Initialen, ist Bestandteil des Denkmals.
Die im Bauverband nach Osten anstehende Garage in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller-Straße und Am Botanischen Garten/Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 133-139 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße.
Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale von Doppelvillen mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 135 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (133, 137-139) errichtet; alle vier Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Außenachsen, der Eingangsbereiche und der aufwendigen Gestaltung mit verbindender Pergola in Backstein auf (die Nrn. 133/135 mit veränderter Dachform). Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Tuffstein und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition der beiden Doppelvillen, Sockelbereich mit horizontalem Backsteinbändern, Brüstungsbereich im Erdgeschoß mit Horizontalprofilen in Tuff- und Backstein). Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete große Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Das Gebäude dokumentiert mit weiteren in der Nachbarschaft anstehenden Gruppenbauten und Siedlungskomplexen in ausgezeichneter Überlieferung das Werk des bedeutenden Architekten Ernst Scheidt. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, des Treppenhauses, Teilen der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Xantener Straße 135 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0