Wohnhaus

Kempener Straße 59 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8381
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kempener Straße 59, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.01.1999
Stadtteil Nippes

1905/1906; dreigeschossiges, traufenständiges Wohnhaus mit neobarocker Stuckfassade und rückwärtigem Seitenflügel, Mansarddach mit Zwerchhaus und Gauben.

Straßenfassade: 3 Achsen, Erdgeschoß in der Zwischenkriegszeit verändert, Steinplattenverkleidung, rechteckige Öffnungen, links Hauseingang, kassettierte Füllungstür. Obergeschosse: symmetrisch stuckiert mit Elementen des Neobarock (überwiegend orientiert am sog. Zopfstil); 3 Achsen, Mittelachse mit Erker über zwei Geschosse, segmentbogiger Abschluß über Puttenköpfen an den Kanten, Fugenschnittputz, Brüstungsdrapage; über dem Erker Zwerchhaus mit Balkon, im Giebelfeld große Kartusche. Außenachsen: Verdachungen, Fenstereinfassungen und Brüstungszier zusammengefaßt, Kollossalpilaster mit kompositen Kopfkapitellen. Fenster erneuert.

Rückfront: backsteinsichtig mit zurückhaltender Gliederung durch Kunststeinstreifen; Segmentbogenfenster (erneuert), kleine Balkone mit schmiedeeisernen Gittern. Anbauten rezent (u. a. Liftturm).

Inneres: Keller mit Kappendecken; Treppenhaus, Kunststeintreppe mit schmiedeeisernem Geländer, Erdgeschoßflur mit mehrfarbiger Marmorverkleidung; Wohnungsabschlußtüren ursprünglich, Wohnräume durch Stichflur erschlossen, im Erdgeschoß mit Wandverkleidung (Holzpanele), Füllungstüren, Deckenstuck in einzelnen Räumen erhalten; in den Obergeschossen Raumaufteilung verändert. Dachausbau, z. T. rezent.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind bereits ab 1800 die ersten Ansätze industrieller Produktion nachweisbar. Diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkt fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. 1855 entstand im Verlauf der heutigen Kempener Straße die Bahnlinie Köln-Neuss und in den Jahren 1859/60 westlich davon die zentrale Eisenbahnwerkstätte der Rheinischen Eisenbahngesellschaft mit eigener Arbeitersiedlung. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte der neue Vorort Nippes seit etwa 1895 einen Bauboom. Nachdem in den letzten Jahren des Jahrhunderts der Nippes durchschneidende Eisenbahnabschnitt verlegt worden war, entstand auf dem freiwerdenden Gelände seit 1900 die Kempener Straße als breite, baumbestandene Allee. Das hier beschriebene Wohnhaus prägt gemeinsam mit den umgebenden, ebenfalls denkmalwerten Bauten als Ensemble den städtebaulich und stadtbaugeschichtlich bedeutsamen Straßenzug Kempener Straße und bezeugte zugleich die frühe Bebauung des westlichen Nippes und den damit einhergehenden Wandel des ursprünglichen Industrievorortes zum bürgerlichen Wohnstadtteil.

Das 1905/06 für den Eigentümer Johann Halen errichtete Wohnhaus präsentiert sich sowohl mit seiner Straßenfassade als auch mit den im Inneren erhaltenen Elementen der Ausgestaltung (Treppenhaus, Stuckdecken) als anschauliches Beispiel eines großzügigen, bürgerlichen Mietwohnungsbaus. Das neobarocke, überwiegend am Zopfstil orientierte Dekor vermittelt gediegene Eleganz - ein Anspruch, der auch bei der bemerkenswerten und relativ gut erhaltenen Umgestaltung des Erdgeschosses am Außenbau und im Inneren, wohl in den späten 20er bzw. 30er Jahren für eine in diesen Jahren nachweisbare Arztpraxis entstanden (Praxis Sanitätsrat Albert Santkin), wieder aufgegriffen wurde.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0