Wohnhaus

Kempener Straße 32 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7416
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kempener Straße 32, 50733 Köln
Baujahrum 1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.03.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1903, rechteckiger Grundriß mit rückwärtigem Treppenhausvorbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, Stuckfassade in Formen der Neogotik und des Jugendstils (Erdgeschoß in jüngster Zeit verklinkert), 3 Achsen, Erker auf rechteckigem Grundriß in der Mittelachse, Dachaufbau, Eingang rechte Achse, gerader oberer Abschluß, Fenster mit geradem oberen Abschluß, breite Erkerfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (eine Ausnahme: 2. Obergeschoß links). Rückseite: Backstein 2 Achsen, getrepptes Dachgesims, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Oberlichter z. T. geschlossen, Anbau eines Balkons im 1. Obergeschoß. Im Innern original erhalten: Treppenhaus: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Terrazzotreppe, originaler Antrittspfosten, Geländer in Metall erneuert, mehrfarbige Bodenfliesen der Podeste, segmentbogig abschließende Fensteröffnungen, z. T. original erhaltene Fenster. In den Wohnungen teilweise veränderte Grundrisse, original erhalten: Holzdielenböden, Stuckdecken über den abgehängten Decken in den straßenseitigen Räumen, im 1. Obergeschoß farbige Stuckdecken, im 3. Obergeschoß originale Wohnungseingangstür als doppelflügeliger Einbau mit Oberlicht, reich profiliert mit konsolgetragenem Oberlicht, Diamantquaderdekor, in der Wohnung originale Türen und Gewände, originale Speichertür: profilierte Gewände, konsolgetragenes Oberlicht, Diamantquaderdekor.

Hof/Garten mit Resten der originalen Einfriedungsmauer in Backstein. Eingeschossiger rückwärtiger Anbau ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Das Gebäude Kempener Str. 32 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktionen bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße – eine urspr. römische Straße – gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die breite baumbestandene Kempener Straße, an der sich das o. g. Objekt befindet, wurde anstelle der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld angelegt, die den Ortsteils Sechzig von Nippes trennte und 1897/98 aufgegeben wurde. Bis ca. 1915 entstanden im Bereich zwischen der Wilhelm-, August- und Steinberger Straße Wohn- und Miethäuser auf breiten Parzellen, deren meist dreiachsige Fassaden in historistischen und modernen Jugendstilformen dekoriert, und durch Erker, Risalite und Dachaufbauten strukturiert sind (Schmuckformen: Betonung der Mittelachse durch Erker, der von einem Dachgiebel bekrönt ist, Stockwerkgesimse ausgebildet als Friesbänder mit gotischen Formen, profilierte Rahmung der Fenster, Dachgesims als Fries mit Muschelmotiv, Dachaufbau mit Dreieckbekrönung auf trapezförmigem Unterbau, Turmspitze in Metall).

Das Gebäude Kempener Str. 32, das im Kreuzungsbereich zur Wilhelmstraße liegt, ist Bestandteil der noch teilweise erhaltenen historischen Bebauung. Es veranschaulicht mit weiteren Nachbargebäuden in der Zeile und an der gegenüberliegenden Straßenseite das ursprüngliche Erscheinungsbild der hauptsächlich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstandenen Architektur.

Als Beispiel für die, gehobenen Wohnansprüchen genügende städtische Baukultur im Stadtteil Nippes ist das Gebäude ein unverzichtbares Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0