Wohnhaus

Viersener Straße 19 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8382
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Viersener Straße 19, 50733 Köln
Baujahrum 1904 bis 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.01.1999
Stadtteil Nippes

Um 1904/1905, dreigeschossiger, traufständiger Bau mit Jugendstil-Stuckfassade, Mansarddach; L-förmiger Hausgrundriß, im westlichen Parzellenteil mit schmaler, nur einräumiger Bautiefe.

Fassade: asymmetrische Dreiteilung der Fassade durch linksseitigen, flachen Risalit (Hauseingang und Treppenhaus), Mittelteil, über dem Erdgeschoß leicht zurückspringend, mit Zwerchhaus (durch schmiedeeiserne Maueranker gesichert; - vermutlich ehem. mit Giebelaufsatz) und rechtsseitigem, flachem Erker. Verklammerung der Fassade durch einheitlich gestaltetes Erdgeschoß (geputzter bzw. verklinkerter Sockel, durchlaufendes, profiliertes Gesims) und das mehrfach gestufte, nur durch das Zwerchhaus unterbrochene Traufgesims; variantenreiche Anbindung der einzelnen Fassadenabschnitte (gemeinsame horizontale Gliederungen, Voluten, Konsolfries, Verkröpfungen).

Unterschiedliche Fenster- und Türöffnungen, zumeist mit Segmentbogensturz, z. T. mit gestalteter Rahmung oder Verdachung; große, zwiebelförmiges Jugendstilfenster im Giebel des Zwerchhauses. Reiche Ornamentierung der Fassade, teilweise einem floralen Repertoire verpflichtet (naturalistische Bäume mit Wurzeln und verschränkten Kronen am Treppenhaus, stilisierte Blattranken bei der Rahmung der kleinen Okuli und am Fenster im Zwerchhausgiebel, Blattmasken-Ornament zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß, architektonische Fensterumrahmung mit Wurzelenden am rechten Fenster des zweiten Obergeschosses). Fenster und Türen überwiegend bauzeitlich erhalten, Rückbau ehemals abgemauerter Stürze im Erdgeschoß.

Rückseite: Backsteinsichtig, mit gelben Zierklinkerlagen; Fenster erneuert.

Inneres: unterkellert; Treppenhaus im vorderen Hausteil (Flur z. T. mit Schmuckfliesen, z. T. mit Terrazzo-Boden, Steintreppe mit gedrechseltem Holzgeländer); Wohnräume um kurze Zentralflure herum angeordnet, Zugänge über diagonal gestellte Türen; baufeste Ausstattung (Türen, Stuckkehlen) teilweise erhalten. Geringe Veränderungen im Grundriß des Erdgeschosses.

Das Wohnhaus Viersener Str. 19 wurde um 1904/1905 errichtet und zählt somit zu den ältesten Bauten in dieser Straße. Bislang ist der Architekt des Gebäudes unbekannt geblieben, sein Haus Viersener Str. 19 deutet aber auf einen gut ausgebildeten Baumeister, der sich von überregionalen, aktuellen Entwicklungen seiner Zeit anregen ließ und dies mit einem souveränen Verständnis für seine Bauvorhaben nutzte. So folgte er mit der Fassade des Hauses neuesten Vorstellungen eines organisch motivierten Jugendstils, wie er gleichzeitig in den wichtigen europäischen Kunstzentren realisert wurde. Französische und besonders belgische Bauten des "art nouveau" scheinen in diesem Fall vorbildlich gewesen zu sein. Eingedenk dessen sind die Wurzeln seines Schaffens im Milieu der historistischen Baukunst jedoch unverkennbar: Typologische Analogien - etwa die Dreiteilung der Fassade - wurden ebenso wie auch die Anordnung von Ornamenten und Bau- bzw. Fassadenteilen, die beispielsweise im Nebeneinander von vertrauten, herkömmlichen Elementen und fremdartigen, überraschenden Motiven oder bei der Einordnung und Anbindung architektonischer Bauteile in Art eines Vexierbildes zu einem vielschichtigen, lebendigen und durchaus emotionalen Ergebnis zusammengeführt wurden.

Innerhalb der ohnehin nicht allzu umfangreichen Gruppe von Jugendstilbauten in Köln nimmt das Haus Viersener Str. 19 eine singuläre Stellung ein. In seiner wesentlich von einem floralen Jugendstil bestimmten Ornamentik, aber auch in der bewußten Vermeidung einer straffen Achsialität, ist es innerhalb Kölns ohne unmittelbaren Vergleich. Fraglich erscheint daher auch, ob der bislang anonyme Architekt weitere Werke in Köln hinterlassen hat. - Bei zeitgleichen, "malerischen" Jugendstilbauten, etwa bei den Häusern Auguststr. 56, Aachener Str. 21 oder Brüsseler Str. 92 bevorzugte man in deutlich stärkerem Maße symmetrische Grundstrukturen oder eine stringente Aufteilung in Achsen. Ebenso lassen sich die entsprechenden Vorbilder eher in einem "geometrischen" oder auch in einem stärker monumentalisierenden, neoromantischen Jugendstil benennen.

Als Bestandteil eines noch weitgehend intakt erhalten gebliebenen Ensembles denkmalwerter Gebäude im Bereich Viersener Straße/Kempener Straße besitzt das Wohnhaus Viersener Str. 19 zudem einen hohen städtebaulichen und stadtbaugeschichtlichen Wert: Zusammen mit den benachbarten Baudenkmalen bzw. denkmalwerten Gebäuden Viersener Str. 13, 13 a, 15 und 17 sowie Kempener Str. 44 und schräg gegenüber Kempener Str. 46 zeugt es von den um 1904 ff. begonnenen Neu- und Umgestaltungsmaßnahmen in diesem Bereich und verdeutlicht städtebauliche und stadtplanerische Grundzüge des Wohnhausbaus in Nippes vor dem ersten Weltkrieg.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0