Wohn- u. Geschäftshaus

Kempener Straße 40 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8727
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kempener Straße 40, 50733 Köln
Baujahrca 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.12.2008
Stadtteil Nippes

Erbaut ca. 1905, traufständiges Mehrfamilienhaus in geschlossener Bauweise auf rechteckigem Grundriss mit zwei rückwärtig, symmetrisch angeordneten Seitenhäusern, vier Geschosse, Dachgeschoss mit Satteldach, sechs Fensterachsen, Putzfassade.

Straßenfassade:

historisierende Putzfassade mit stuckierten Friesbändern in unterschiedlichen Stilformen; Gliederung des Gebäudes durch einen Erker in der Mittelachse vom 1.-3. OG sowie durch sechs Fensterachsen, der Erker auf rechteckigem Grundriss ist von einem Dachgiebel bekrönt; EG mit rekonstruiertem Fugenschnitt, Stockwerkgesims sowie zwei hochrechteckigen, zweiflügeligen Fenstern mit Oberlichten in der 1. und 2. Achse, in der Mittelachse etwas zurückgesetzt eine zweiflügelige Hauseingangstür mit Glaseinsätzen mit stufenlosem Eingang, rechts daneben zur Erschließung des Geschäftes eine gleichartige Tür, in der 5. Achse ein hochrechteckiges, zweiflügeliges Zwillingsfenster mit Oberlichten, in der 6. Achse ein hochrechteckiges, zweiflügeliges Fenster mit Oberlicht (Fenster und Tür aus Holz); vom 1.-3. OG in der 1. und 6. Achse dreiflügelige, hochrechteckige Fenster mit Kreuzsprossenfenstern oberhalb des Kämpfers und ansonsten zweiflügelige, gleichermaßen gestaltete hochrechteckige Fenster (diese Fenster aus Kunststoff); im 1. OG oberhalb der Fenster Dreiecksgiebel mit Wappen und Schmuckelementen in den Feldern; zwischen 2. und 3. OG Wandfläche zwischen den Fenstern gegliedert durch ein breites Friesband mit muschelförmiger Stuckierung im Stil des Art Déco (jeweils äußere Achsen) sowie zwei reich geschmückten Wappenfeldern (Mittelachse), eingerahmt von Stockwerkgesims und Sohlbankgesims; 3. OG: Pilaster mit Voluten-Kapitellen an den Erker-Ecken und zwischen den beiden Fenstern, Stockwerkgesims: Zahnfries; DG: Wandfläche über den vier äußeren Achsen geschmückt durch ein breites, stuckiertes Friesband, darüber je eine liegende Dachgaube mit einem dreiflügeligen Fenster, in der Mittelachse zwei kleinere, hochrechteckige Fenster mit Segmentbögen (Fenster aus Holz), darüber mit muschelförmiger Stuckierung versehener Dreiecksgiebel mit horizontalem Gesims oberhalb der Fenster sowie Giebelgesims; alle Fenster und Türen erneuert und dem Original angeglichen.

Im Inneren original erhalten:

Hausflur: Bodenbelag aus Terrazzo; im Eingangsbereich Stützbogen und als Deckenschmuck ovale Stuckrosette; gerade, zweiläufige Treppe mit Richtungswechsel bis zum Dachgeschoss mit Terrazzobelag; Hausflur- und Treppenwände in Brusthöhe mit einer Schmuckleiste verziert; kunstvoll geschmiedetes Metallgeländer mit ebensolchem Antrittsstab, hölzerner Handlauf mit mittiger Hohlkehle; Wohnungseingangstüren außer DG hölzerne, einflügelige, profilierte Kassettentüren mit durchgehender satinierter Strukturglasfüllung in den oberen zwei Dritteln und einem ebensolchen Oberlicht oberhalb des Türkämpfers.

Nicht zum Denkmal gehörend sind die rückwärtige backsteinsichtige Fassade, die durch eine aufgeständerte Balkonanlage (Stahl-Holz-Konstruktion) und Ausgänge anstelle der vormaligen Fenster sowie Ausgänge zum Hof im EG stark verändert worden ist und auch der gesamte Hofbereich, der ab rückwärtiger Gebäudekante bis zur Grundstücksgrenze durch eine weitere aufgeständerte Balkon- und Terrassenanlage (Stahl-Holz-Konstruktion) ebenfalls stark verändert worden ist; nur die Hofmauer zum Haus Nr. 38 ist backsteinsichtig, die anderen beiden sind verputzt und durch die Verankerung der Terrassenanlage verändert.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktionen bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße – eine ursprünglich römische Straße – gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die breite baumbestandene Kempener Straße, an der sich das o. g. Objekt befindet, wurde anstelle der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld angelegt, die den Ortsteils Sechzig von Nippes trennte und 1897/98 aufgegeben wurde. Bis ca. 1915 entstanden im Bereich zwischen der Wilhelm-, August- und Steinberger Straße Wohn- und Miethäuser auf breiten Parzellen, deren meist dreiachsige Fassaden in historistischen und modernen Jugendstilformen dekoriert, und durch Erker, Risalite und Dachaufbauten strukturiert sind.

Das Gebäude Kempener Str. 40 ist Bestandteil der noch teilweise erhaltenen historischen Bebauung. Es veranschaulicht mit weiteren Nachbargebäuden in der Zeile und an der gegenüberliegenden Straßenseite das ursprüngliche Erscheinungsbild der hauptsächlich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstandenen Architektur mit ihrer abwechslungsreichen, repräsentativen – an innerstädtischen Vorbildern orientierten – Fassadengestaltung.

Als Beispiel für die gehobenen Wohnansprüchen genügende städtische Baukultur im Stadtteil Nippes und damit an den Wandel des Industrievorortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort erinnernd ist das Gebäude ein unverzichtbares Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0