Wohnhaus
Ulmenallee 1 · Sürth
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8403 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Ulmenallee 1, 50999 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.04.1999 |
| Stadtteil | Sürth |
Um 1912 erbaut, Architekt: Max Stirn; freistehendes Villengebäude auf nahezu rechteckigem Grundriß an der Ecke zum Ober Buschweg; zwei Geschosse und ausgebautes Mansardwalmdach (Dachdeckung mit roten glasierten Ziegeln erneuert, vier neue Dachflächenfenster im später ausgebauten Spitzboden); Putzfassaden mit Stuckgliederungen im Stil der Reformarchitektur (Werkbund); Erdgeschoss auf der Ostseite vortretend mit eigenem Walmdach; Eingangsseite im Norden mit hochrechteckiger Haustüröffnung über zwei Terrazzostufen und mit flankierenden kleinen Fenstern, gerahmt von portikusartiger Wandpfeilergliederung mit dreieckiger Giebelverdachung, Haustür erneuert; Fensteröffnungen zumeist hochrechteckig in unterschiedlichen Größen, auch als Fenstertüren, auf der westlichen Seite eine querrechteckige Öffnung, auf der Rückseite (Südseite) in Erd- und Obergeschoss je zwei segmentbogenförmig vorgewölbte Fenstererker; Öffnungen teilweise verändert, z. B. auf der Ostseite im Erdgeschoss und auf der Westseite Anlage einer neuen Türöffnung als Zugang zum Nebentreppenhaus und zusätzliche Anlage bzw. Schließung von Fensteröffnungen im Obergeschoss; Fenster alle erneuert (Holzfenster mit Sprossenteilungen in Anlehnung an den ehemaligen Bestand), Klappläden erneuert.
Im Inneren original erhalten bzw. denkmalrelevant: Im Eingangsbereich und Treppenhaus Bodenbelag aus roten sechseckigen Tonfliesen (drei spätere Marmortreppenstufen), Treppenanlage mit erneuerten Holzstufen und originalem Holzgeländer aus gedrechselten Stäben und Holzhandlauf, Holzhandlauf an der Wand, am Treppenantritt originaler Stützbalken mit Abfassungen an den Kanten; weitgehend Grundrißstruktur, größtenteils Türen mit Kassettenfüllungen einschließlich Gewänden; Holzfußböden (im rückwärtigen Wohnraum im Erdgeschoss späteres Parkett, Dielenböden im Obergeschoss erneuert); Deckenstuck in allen Räumen in Abweichung vom ursprünglichen Bestand erneuert; Ofen im Erdgeschosswohnraum aus anderem Zusammenhang; Nebentreppenhaus mit gerundeter Umfassungsmauer und Betonwendeltreppe (neuer Steinbelag und späteres Geländer); im Dachgeschoss Holztreppe zum Spitzboden (Stützbalken aus anderem Bauzusammenhang).
Bestandteil des Denkmals ist auch die das Haus umgebende und für dessen Villentypus charakteristische Gartenfläche (in Umgestaltung begriffen) mit größtenteils originaler straßenseitiger Einfriedung aus verputztem Mauersockel und Pfeilern.
Der neue Tiefgaragenanbau auf der Ost- und Südseite sowie die Terrassenanlage auf deren Dach sind dagegen nicht Bestandteile des Denkmals.
Sürth - als Bestandteil der Gemeinde Rodenkirchen seit 1975 zu Köln gehörig – wurde im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt. Neben den seit dem Mittelalter überlieferten großen Höfen entwickelte sich der historische Siedlungskern des Dorfes mit schlichter ländlicher Bebauung entlang der Sürther Hauptstraße. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren Fischfang und Landwirtschaft die Haupterwerbszweige der Bewohner. Um 1900 wurde der Ort durch Industrieanlagen im Norden erweitert. Die idyllische Lage am Rhein hatte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zur Errichtung von Villenbauten geführt und die Eröffnung der Rheinuferbahn von Köln nach Bonn im Jahre 1906 hatte eine verbesserte Verkehrsanbindung des in größerer Entfernung gelegenen Vororts Sürth an den Kölner Stadtkern bewirkt. Durch die „Cölner Gelände Gesellschaft m. b. H.“ entstand seit 1910 auf bislang unerschlossenem Gelände unter Beteiligung des mit der Planung und Ausführung beauftragten Architekten Max Stirn entlang der zentralen Ulmenstraße eine Villenkolonie im Landhausstil.
Max Stirn (1880 - 1916), der seit 1908 in Köln ansässig und sowohl Privatarchitekt als auch als Regierungsbaumeister tätig war, hatte durch vielseitige Arbeiten in der neuzeitlichen Architekturentwicklung Anerkennung gefunden. Von Wasserwerken über andere technische Anlagen und Bauten bis hin zu einigen Gebäuden und der Felsberganlage des Affenfelsens im Kölner Zoo reicht sein Werk. Durch die Auswirkungen der Kriegszerstörungen ist von Stirns Kölner Bauten kaum etwas erhalten geblieben. Doch nicht nur aus diesem Grund zählt die Sürther Landhauskolonie zu den wichtigen Zeugnissen des viel beachteten Architekten, der als Mitglied des Deutschen Werkbundes auf den Grundlagen der Gartenstadttradition im Sinne der Reformbewegung der 1910er Jahre den Plan einer idealen Einfamilienhaussiedlung umsetzte. Deren kennzeichnende Merkmale sind Zurückgezogenheit auf ein Leben in landschaftlich schöner Umgebung und eine künstlerisch durchgestaltete, aber keineswegs protzende und materialüberladene, sondern an Zweckmäßigkeit orientierte Architektur. Vorbild ist nicht das repräsentative prunkvolle Bürgerhaus des 19. Jahrhunderts, sondern das ländliche oder kleinstädtische Wohnhaus schlichter Prägung, aber mit abwechslungsreichen Umrissen und handwerklich qualitätvollen Details. Die verschiedenen Dachformen, Vorbauten und Loggien machen noch heute ebenso wie farbige Läden, Sprossenfenster und dekorative Türen trotz einiger Veränderungen den Reiz der Kolonie aus.
Daß die Gebäude trotz ihres „neuzeitlichen“ Stils durch ihr zurückhaltend repräsentatives Äußeres den Anforderungen eines gehobenen Lebensstandards gerecht wurden, belegt das o. g. Objekt recht deutlich an einigen Detailformen. Der Hauseingang, der in klassischem Sinne durch die Blendarchitektur eines übergiebelten Portikus betont ist, oder die sich segmentbogig vorwölbenden Fensterachsen auf der Rückseite zeugen von der dezent vornehmen Formensprache des Architekten. Im Inneren sind gleichermaßen gediegene Ausstattung mit Kassettentüren, Fußböden und Treppen wie neuartige effektvolle Raumwirkungen zu beobachten, zu denen z. B. die in den angrenzenden Räumen als Negativform ablesbare gerundete Wandführung des Nebentreppenhauses gehört.
In städtebaulicher Hinsicht kommt gerade dem Eckhaus am Eingang zur Ulmenallee besondere Bedeutung zu. Es führt in die planvoll angelegte Straße mit dem sich auf halber Länge weitenden Platz und der bewußt malerischen Gruppierung der Gebäude unaufdringlich ein. Unterstützend wirkt sich hierbei die in weichem Schwung die Straßenführung begleitende Einfriedungsmauer aus.
Bestandteil des Denkmals ist auch die das Haus umgebende und für dessen Villentypus charakteristische Gartenfläche, die zwar in Umgestaltung begriffen ist, als Freifläche mit großenteils originaler straßenseitiger Einfriedung aus verputztem Mauersockel und Pfeilern jedoch zur Vervollständigung des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Gesamtanlage wesentlich beiträgt.
Trotz einiger zum Teil recht starker Eingriffe durch Materialaustausch ist die bauliche Substanz des Hauses Ulmenallee 1 einschließlich wesentlicher Innenausstattung insgesamt gewahrt geblieben und dokumentiert als charakteristisches Zeugnis die unter architekturhistorischen Gesichtspunkten unbedingt erhaltenswerte Bebauung der Sürther Landhauskolonie. Diese stellt zugleich ein einmaliges, auch städtebaulich wichtiges Ensemble für den Beginn der modernen Architektur in Köln dar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0