Wohnhaus
Am Botanischen Garten 30 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8404 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Botanischen Garten 30, 50735 Köln |
| Baujahr | 1912 bis 1913 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.04.1999 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1912/13, Einfamilienhaus im Verband einer fünfteiligen zweigeschossigen Reihenhausgruppe mit einheitlicher Fassadenfolge; Architekten: Toni Rodenkirchen und Heinz Feill; auf rechteckiger Grundfläche mit straßenseitigen Vorbauten und hohem, über dem Erdgeschoß ansetzenden Giebel.
Fassade: 3 Achsen, 2 Geschosse, Putzfassade, symmetrische Fassadengliederung mit Gestaltungsformen des Landhaus-/Heimatstils, im Erdgeschoß Pilasterdekoration; ausgebautes Dachgeschoß, nachträglich ausgebauter Spitzboden; Walmdach mit Souterrain mit nachträglich eingefügter Kellergarage; Erdgeschoßaltan in der linken Achse (ehemalige Loggia auf trapezförmig auskragender Grundfläche in der rechten Achse nachträglich geschlossen) mit Verdachung; Hauseingang links innerhalb des Erdgeschoßvorbaus; neunstufige Freitreppe (Terrazzo) mit getreppten und verputzten seitlichen Brüstungen, Podest mit Terrazzoboden und Bordüre; Haustür erneuert; Obergeschoß und Dachgeschoß (im Giebel) mit achsbezogenen beide Geschosse übergreifende Erker auf trapezförmiger Grundfläche, profiliertes Sohlbank-/Geschoßgesims; vorkragendes Spitzbodengeschoß auf Konsolen mit Zahnschnittfries; Giebelfläche verändert (die ursprünglichen Fenster im unteren Bereich und unmittelbar unter dem Ansatz des Schopfwalms geschlossen, Einbau der beiden großflächigen Fenster im oberen Giebelfeld); alle straßenseitigen Fenster mit geradem oberen Abschluß, in Holz erneuert (Teilung, Sprossen aufgesetzt).
Rückseite: Wiederholung des hohen, über dem Erdgeschoß ansetzenden Giebel; Putzfassade; ehemaliger Wintergarten links geschlossen (heute Wohnraum), im 1. Obergeschoß Einbau einer Loggia mit abschließendem Balkon im 2. Obergeschoß; z. T. Rundbogenöffnungen, z. T. gerade Abschlüsse, alle rückwärtigen Fenster in Holz erneuert.
Im Inneren: Vestibül: Rundtonnendecke, profilierter Perlenfries in Stuck; Treppenhaus innerhalb des Gebäudes verlegt, keine Originalsubstanz.
In den Wohnungen: keine Originalsubstanz; im rückwärtigen Wohnraum des Erdgeschosses Stuckbalkendecke.
Straßenseitiger Ziergarten mit Einfriedung entfernt.
Der rückwärtige Garten ist Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in en folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel „Goldene Ecke“ entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Ein-
gängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehoben Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen zweigeschossigen Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden Am Botanischen Garten 28 – 36). Das Villenviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Bereich zwischen Bodinus- und Sieboldstraße gelegene Gebäudegruppe ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur des repräsentativen Reiheneinfamilienhauses zu Anfang unseres Jahrhunderts. Die Häusergruppe mit großzügigem rückwärtigen Grünbereich erscheint als breite horizontale Gliederung mit einheitlichen Dach- und Stockwerkgeschossen, vorspringenden Dächern über den Eingängen, Loggien und Erkern der Erdgeschosse. –Sie weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen des Heimatstils auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildenden ineinander, historisierende Schmuckdetails ordnen sich der Großform der Architektur, die insbesondere von der großflächigen Dachlandschaft zusammengefaßt ist, unter. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind die rückwärtig gelegenen großen Ziergärten. Die Gesamtanlage Am Botanischen Garten 28 – 36 fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden Formen und verschiedenen Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristische Gepräge geben .Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Fassaden, Rückseiten und der Dachlandschaft die zeitgemäß moderne Stilformen überliefern, ist das Gebäude Nr. 30 für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument sowohl des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft als auch der Geschmacksgeschichte des zweiten Jahrzehnts unsere Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Gebäude Am Botanischen Garten 30 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarerer Bestandteil im Ortsteil Riehl.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0