Wohnhaus

Bodinusstraße 10 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8119
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Bodinusstraße 10, 50735 Köln
Baujahr1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.07.1997
Stadtteil Riehl

Erbaut 1913, Bauherr: Boden-Aktiengesellschaft Amsterdamer Straße, Architekten: Otto Welsch und Bruno Josef Weihase, Eckgebäude zu „Am Botanischen Garten“, auf winkelförmiger annähernd symmetrischer Grundfläche an der Eckparzelle .

Fassaden: 3 Geschosse, veränderter Dachaufbau, je Bauabschnitt Walmdach mit Fuß, 2:1:2 Achsen, Putzfassade mit (Resten der) Gliederungen in zeitgenössischen neoklassizistischen Formen, historisierende Fassadendetails, insgesamt annähernd symmetrische Fassadengliederung des auf abgewinkelter Grundfläche platzierten Gebäudes, Mittelrisalit auf halbrunder Grundfläche im Gebäudewinkel, Erker im 1. Obergeschoss auf rechteckiger Grundfläche (zu „Am Botanischen Garten“). Eingangsvorbau (zur Bodinusstraße); Terrazzotreppe, Podest mit sechsteiligen Bodenfliesen, rot, Rechteckpfeiler auf Sockel, gemauerte und verputzte Treppenbrüstung, verschiefertes Wetterdach, Eingang mit geradem oberen Abschluss, Haustür original, Holz und mit geschliffenen Glasscheiben, Fenster im Erdgeschoss (Am Botanischen Garten): links Rundbogenfenster als Dreiergruppe, rechts Palladio-Motiv (dreigeteiltes, in der Mitte überhöhtes und rundbogiges Fenster, Pilasterstellung), alle weiteren Fenster mit geradem oberen Abschluss, vorwiegend zu Zweier- und Dreiergruppen zusammengefasst, Fenster im Erdgeschoss teilweise original erhalten, bzw. 1994 rekonstruiert, Oberlichter, Sprossenteilung, alle weiteren straßenseitigen Fenster erneuert, zum großen Teil Einscheibenfenster in Plastik.

Rückseite: verputzt, 1:2 Achsen, Fenster mit geradem oberen Abschluss, rückwärtige Fenster zum großen Teil erneuert, Einscheibenfenster, Holz und Kunststoff, Souterrainfenster und -tür original, Holzfenster mit Oberlicht und Sprossenteilung.

Im Inneren original erhalten: Vestibul: Marmorboden, -verkleidung (erneuert), Kassettendekoration, Treppenhaus: Terrazzoboden im Erdgeschoss und Terrazzotreppe bis zum 1. Obergeschoss aus den 50er Jahren, Holztreppe, in den Obergeschossen mit Treppenbrüstung und Handlauf in Holz, in Erd- und 1. Obergeschoss originale Türanlagen mit Glasscheiben in den Türblättern. Nachträgliche Umbauten im Treppenhausbereich: geschossweise Abschlüsse der Wohnungen.

Der straßenseitige Garten (Einfriedung als niedrige verputzte Mauer, Pfeiler) und der rückwärtig gelegene Hof/Garten mit nördlicher Einfriedungsmauer in Backstein mit Deckplatte sind Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden Wohnbauten und Gruppenbauten Am Botanischen Garten und angrenzender Querstraßen an. Das Wohnviertel um den Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf.

Die baumbestandene Bodinusstraße, die direkt auf den Eingang zum Botanischen Garten zuführt, charakterisieren großzügig dimensionierte und reich dekorierte Wohngebäude aus der späten Gründerzeit. Das im Kreuzungsbereich Bodinusstraße/Am Botanischen Garten gelegene Gebäude ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Wohnbauten des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts.

Die Straße Am Botanischen Garten bildet an der Einmündung Bodinusstraße eine konvexe Kreuzungserweiterung mit der die Eckfront des Hauses Nr. 10 durch den im Grundriß halbrund gewölbten Risalit korrespondiert. Das Gebäude weist eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der beiden Baukörper mit Betonung der Eckgestaltung unter großflächigen Walmdächern auf (das Dach des Risalits im Krieg zerstört, heute flach gedeckt). Die breitgelagerten Schauseiten passen sich durch Vor- und Rücksprünge und mit dem zentralen gerundeten Eckrisalit, der eine markante Ecklösung als "point de vue" bildet, der Situation an der Straßenkreuzung an und schließen die Zeilenbebauung beider Straßen ab. Das Gebäude erscheint als großkomponierte, lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf (der Fassadenschmuck wurde weitgehend entfernt, nur in den Erdgeschossen und am Risalit Reste der Dekorationen).

Das in den 1910er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: hochgelegener Eingang mit von Pfeiler getragenem verschieferten Wetterdach, dreiteilige Fensterverdachung mit Zahnschnitt und Profilierung (zur Bodinusstraße,) im Brüstungsbereich Reste einer Pilasterdekoration, Palladio-Motiv/dreiteiliges Fensterband (zu Am Botanischen Garten), Rundbogenfenster als Dreiergruppe, im 1. Obergeschoß Erker (Zahnschnitt Metallverdachung), Stockwerkgesimse, profiliertes Traufgesims, Halbrundrisalit (im Erdgeschoß umbaut von Eingang und Diele, flaches, verschiefertes Walmdach, 1. Obergeschoß: dreiteiliges Fensterband, 2. Obergeschoß: fünfteiliges Fensterband). Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen.

Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes ist der straßenseitige Garten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern an der Bodinusstraße/Am Botanischen Garten gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugenstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Weitere Gebäude der Straße haben ihre ursprüngliche Gestalt der Zeit nach der Jahrhundertwende bewahrt (Bodinusstr. 4 -6, 7, Nr. 8 mit verödeter Fassade; Am Botanischen Garten 28 - 34), erscheinen als Nachkriegsneubauten (Nr. 3) oder als Neubauten der jüngsten Zeit (Appartmenthaus an der Kreuzung zur Stammheimer Straße).

Aufgrund der teilweisen Erhaltung des Originalzustands, insbesondere der straßenseitigen Baukörper, des kostbar ausgestatteten Eingangsbereiches und Teile der Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Bodinusstraße und Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Bodinusstr. 10 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der - dem internationalen Stil des Neoklassizismus verpflichteten - Kölner Baukultur.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0