Wohn- u. Geschäftshaus

Isabellenstraße 1 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8363
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Isabellenstraße 1, 50678 Köln
Baujahrum 1881 bis 1882
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.09.1998
Stadtteil Altstadt/Süd

Um 1881/82; dreigeschossiges Eckhaus, neobarocke Stuckfassade, Mansarddach.

Fassaden: Zur Jakobstraße 3 Achsen, abgeschrägte Eckachse mit Eingang, zur Isabellenstraße 6 Achsen, westliche Achse mit Stockwerksversprung, überhöht, Hauseingang; Erdgeschoß rustiziert, 1. Obergeschoß als "Beletage" reich stuckiert, Rundbogenfenster, in den Obergeschossen mit architravierter Verdachung. Risalitartige Betonung der jeweils 2. Achse der Straßenfassade, Aufsätze über der Verdachung des 1. Obergeschosses (durch Putten gehaltene Kartusche, seitlich Fruchtgehänge). Ausladendes Dachgesims, Mansarddach mit Gauben, über den Risaliten reich verkleidet (nur noch an der Isabellenstraße erhalten). Türen und Fenster weitgehend erneuert, z. T. unter Verwendung der alten Schließtechnik.

Seite, Rückseite: Schlicht, ohne Fenster, backsteinsichtig.

Inneres: Durchgehend unterkellert, flache Segmentbogentonnen; Erdgeschoß, Schankraum (verändert), Stuckkehle. Seitliches Treppenhaus, Holztreppe, rückwärtiger langer Stichflur, Terrazzoboden. In den Obergeschossen Decken abgehängt, Türen erneuert, geringe Veränderungen im Grundriß, Zwischentüren zugesetzt. Dachgeschoß ausgebaut.

Das Haus Isabellenstr. 1 wurde um 1881/82 erbaut, wobei die Baugeschichte bislang nicht in allen Punkten geklärt ist. Wahrscheinlich erfolgte die Errichtung in zwei Etappen, die nördlichen drei Achsen - in den gleichen Bauformen - scheinen erst in einem zweiten Schritt an das Eckhaus angefügt worden zu sein. Bauherr und Eigentümer war ein Herr Claasen aus der Geyergasse, der als Spekulant um 1875 damit begonnen hatte, entlang der neu angelegten Isabellenstraße mehrere Gebäude zu errichten. Sein Vermögen wurde um 1887 durch Erbfall aufgeteilt. Das Haus Isabellenstr. 1 diente in den 1880er Jahren als Wohn- und Geschäftshaus (Colonialwarenhandlung u. ä.), ab 1890 im Keller und Erdgeschoß als Weinhandlung und seit 1892 zusätzlich als Schankwirtschaft. Nach Kriegsschäden, besonders im Dachbereich, erfolgten 1945/46 Instandsetzungsarbeiten durch den Architekten Heinrich Lüdecke.

Als Zeugnis neobarocken Bauens belegt das Haus Isabellenstr. 1 die gründerzeitliche Verdichtung der Kölner Altstadt, die in diesem Quartier mit der Anlage der Isabellenstraße und der Jakobstraße allerdings erst nach der Entfestung einsetzte. Wohl der jüngste Bau in diesen Straßen war das Eckhaus Isabellenstr. 1, das über einer - für den Spekulationsbau jener Jahre typischen - Restparzelle errichtet wurde. Rückwärtige oder seitliche Durchfensterung war so gut wie nicht möglich und auch auf einen Hof mußte verzichtet werden. Entsprechend gestaltete der bislang anonyme Architekt seine Bauaufgabe als vorrangig städtebauliche Lösung: Durch die Ausbildung einer markanten Ecksituation und die Wahl anspruchsvoller Formen gelang ihm eine bauliche Dominanz, die gleichermaßen in der Isabellenstraße als auch in der Jakobstraße wirksam wird. Bemerkenswert ist die Verwendung des architektonischen Formenrepertoires: Mit seinem Rückgriff auf französisch-barocke Bauelemente stellt das Haus Isabellenstr. 1 ein frühes Zeugnis des Neobarock in Köln dar, der insbesondere in der wilhelminischen Zeit die Bebauung in der Köln Neustadt prägte.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0