Wohn- u. Geschäftshaus

Ubierring 35 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1548
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Ubierring 35, 50678 Köln
Baujahr1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.07.1983
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln, da es die Erstbebauung des südlichen Gebiets des ehemaligen Rayongeländes und somit die Entstehungsgeschichte der südlichen Neustadt (Südstadt) dokumentiert. Die Bebauung nach dem von H.J. Stübben 1881 erstellten Erweiterungsplan verlief in mehreren Phasen. Der repräsentative Ubierring entstand im wesentlichen zwischen 1900 - 1906 und vereinzelt 1910 - 1913 als eine Allee mit hohen Geschäfts- bzw. Häusern öffentlicher Einrichtungen und Wohngebäuden für Mieter mit gehobenen Ansprüchen.

Das viergeschossige Eckhaus Ubierring 35 mit einem Giebel- bzw. Dachgeschoß wurde 1905 errichtet. Es zeigt eine reich dekorierte Fassade in vegetabilem Jugendstil. Zum Platz "An der Bottmühle" ist die Fassade in 3 zu 5 Achsen gegliedert: Die ersten vier Achsen der Obergeschoßzone sind identisch gestaltet, so daß durch die Wiederholung gleicher Abschnitte eine Rhythmisierung der Fassade entsteht, die die als Blickfang gestaltete Giebelecke betont. Jede dieser Achsen zeigt im ersten Obergeschoß ein dreiteiliges, rechteckiges und im zweiten Obergeschoß ein Rundbogenfenster, die durch Zierbänder, Rosettenfriese und phantasievoll dekorierte Zierbekrönung zu einer Einheit zusammengefaßt sind. Die Bekrönung aus breitem Eierstabfries mit großen Maskerons als Kämpfer läßt zusammen mit den Fenstereinfassungen den Eindruck einer monumentalen Arkadenordnung im ersten und zweiten Obergeschoß entstehen, die an den Fensterbrüstungen Basreliefs mit stilisierter, antikisierender Darstellung zeigt. Im dritten Obergeschoß befindet sich in jeder Achse je ein rechteckiges Drillingsfenster, die von einander durch ägyptisch anmutende Doppelpilaster getrennt werden. Die Fassade ist mit einem Kranzgesims mit Blattfries abgeschlossen. Das gebänderte Erdgeschoß zeigt in den ersten zwei Achsen je eine hochrechteckige (durch einen Kämpfer geteilte), in der dritten Achse eine nicht geteilte Fensteröffnung über einem niedigen, glatten Sockel. In der vierten und fünften Achse des Erdgeschosses liegen ein niedriger Geschäftseingang und Schaufenster, beide mit einer flachen Verdachung (die um die ganze, abgeschrägte Ecke verläuft) versehen.

Die turmartig aufragende Hausecke mit einem dreiteiligen, geschweiften und zu beiden Seiten geknickten Giebel (bzw. einem Mittel- und zwei Seitengiebeln) ist zu beiden Seiten (An der Bottmühle und Ubierring) symmetrisch gestaltet: Glatt gebändert mit je einem kleinen, reich dekorierten Drillingsfenster im ersten und dritten Obergeschoß und einem kleinen Thermenfenster (durch Rosettenfries mit Markerons eingerahmt) im zweiten Obergeschoß. Im roh verputzten Giebelfeld befindet sich ein dekoriertes Drillingsfenster mit jugendstil-artig geformten Vorhangbogen, darüber ein elliptisches Blend-Okulus mit Blattwerk und in der Ecke des Haupt- und Seitengiebels eine spärlich verhüllte, weibliche Gestalt, der über die Schulter eine Girlande verläuft, die als Giebelfries die ganze Giebelzone nach oben abschließt.

Gliederung und Dekor der schrägen Eckachsen wirken betont vertikal, vor allem dadurch, daß sowohl die Breite als auch die Tiefe des Ziererkers nach oben abnimmt. Im Hauptgiebelfeld liegen eine fünfteilige Zierfenstergruppe und als Krone ein mit Lyra und Girlanden dekoriertes, stilisiert geformtes Thermenfenster.

Die Eingangsfassade zum Ubierring mit drei Achsen (erste Achse gehört zur Eckzone) springt in der zweiten Achse mit einem Erker (im ersten Obergeschoß mit rechteckigem, im zweiten mit Rundbogenfenster) hervor, der im dritten Obergeschoß zweimal gebrochen ist. Das Gurtgesims mit Eierstabfries, vertikale Rosettenbänder und Brüstungsrelief wiederholen die Dekorformen der anderen Fassadenseite des Hauses. Die Eingangsachse zeigt - ohne Einhaltung der Geschoßhöhen - unterschiedlich geformte Fenster (hochrechteckig, rundbogig bzw. Okulus) mit Dekorelementen der anderen Fassadenachsen (Eierstabfries, Maskerons) und eine Schrifttafel. Ein relativ niedriger Eingang mit großem, rechteckigen Oberlicht ist durch eine einfache Einrahmung mit "fließenden" Dekorformen eingefaßt.

Die reiche Ausgestaltung der Fassade findet eine Fortsetzung im Treppenhaus des Gebäudes: Marmorfußboden im Hausflur, Marmorverkleidung der Wände bis ins erste Halbgeschoß, Terrazzotreppe mit Podesten in differenzierter Ausführung und Stuckdeckenreliefs lassen eine repräsentative Atmosphäre entstehen. Originale Türen und eine Wand mit Fliesen im Büro des Erdgeschosses (An der Bottmühle) erinnern an die ursprüngliche Wohnungsausstattung des ganzen Hauses.

Die Grundrißform des Baugrundstücks (kurz über Eck) bedingt eine interessante Eckhauslösung ohne Hinterhof mit einem relativ engen Treppenhaus.

Städtebaulich bildet das Haus einen das Straßenbild prägenden Höhepunkt, und zwar sowohl für die Hausfront des Ubierrings als auch für die des Platzes An der Bottmühle, in die es sich beide Male nahtlos einreiht. In Korrespondenz mit der Eckgestaltung (schräge Ecke, Eckerker über zwei Geschosse, Eckgiebel) des Hauses Ubierring 33 entsteht eine repräsentative Verbindung zwischen dem trapezförmigen Platz und dem Ring.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0