Wohn- u. Geschäftshaus

Berrenrather Straße 343 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1615
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Berrenrather Straße 343, 50937 Köln
Baujahrum 1914
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.09.1983
Stadtteil Sülz

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Sülz, da es die Geschichte der Stadtentwicklung dieses Stadtteils außerhalb der Neustadt bzw. der späteren, preußischen Umwallung von 1880 dokumentiert. Die Herrlichkeit Sülz war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine Ansammlung von Höfen und ländlichen Wohnbauten, die erst mit der Entwicklung von Ehrenfeld und Lindenthal in das Interesse Kölner Bürger bei der Suche nach neuen Lebens- und Wohnraum geriet. Sehr schnell wuchsen Sülz und Lindenthal zu einem zusammenhängenden Stadtraum heran, der 1887 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Das Gebiet um die Berrenrather Straße in Köln-Sülz ist von den Kriegseinwirkungen weitgehend verschont geblieben und damit auch der kunsthistorische Charakter dieses nach der Jahrhundertwende entstandenen Stadtteils.

Das um 1914 erbaute Mietstockwerkhaus ist als Eckgebäude mit der schmaleren Seite - drei Achsen - zur Berrenrather Straße, mit dem längeren Flügel - fünf Achsen - zur Gerolsteiner Straße orientiert, wobei die je vier Fenster der drei Erker als eine Achse zählen. Das viergeschossige Gebäude wirkt vor allem durch die Plastizität seiner Dachlandschaft, die durch die hohen Giebel beidseits der Eckachsen und das Zusammenspiel von Sattel-, Pult- und Mansarddächern bewirkt wird. Das Erdgeschoß ist als Ladenzone mit Bogenfenstern ausgebildet. Der Ladeneingang liegt in der abgeschrägten Ecke und wird durch ein kurzes Pultdach betont. Die gesamte Fassade ist verputzt.

Über einem durchlaufenden Fenstergesims liegen die Wohngeschosse, deren Holzfenster original erhalten sind. Zur Berrenrather Straße wird die Fassade durch einen leicht vorgerundeten Erker mit vier gekuppelten Fenstern betont, deren Sturz durch ein schmales, durchlaufendes Gesims zusammengefaßt wird. Auf beiden Seiten des Erkers liegt im ersten und zweiten Obergeschoß je eine Fensterachse, während die Erkerausbildung ins dritte Obergeschoß durch läuft und schließlich unter dem hohen, abgeknickten Giebeldach in den beiden Fenstern des Dachgeschosses endet.

Das schmale Pultdach, das über Eck des zweiten Obergeschosses abschließt, nimmt die Gesimshöhe der Mansarddächer seitlich der Giebeldächer auf, läßt aber in der Eckzone nochmals Raum für ein drittes Obergeschoß aus je einer Seitenachse und drei gekuppelten Eckfenstern. Unter dieses Pultdach ist gondelartig ein halbrunder Erker gehängt, der wiederum von einem runden Konsolabschluß getragen wird. Diese spannungsreiche Plastizität der Fassade ist über Eck symmetrisch, setzt sich aber zur Gerolsteiner Straße in einer weiteren Achse mit abschließendem, diesmal nur zweigeschossigen Erker fort. Das über dem zweiten Obergeschoß aufsteigende, zweigeschossige, hohe Mansarddach wird durch Dachgauben über den Achsen unterbrochen.

Während in der Fassade des Flächen- und Formenspiel sich zu einem plastisch sehr expressiven Ausdruck steigert, zeigt das Innere des Gebäudes den zeittypischen Ausbau: Im Eingang Terrazzofußboden, mit originalen Wandfliesen und doppelten, flachen Gurtbögen über Wand und (leicht gewölbte) Decke. Die Terrazzotreppe besitzt ein bemerkenswertes Eisengeländer. Wohnungs- und Zimmertüren sind original erhalten.

Die rückwärtige Fassade ist verputzt und mit Balkonen versehen.

Das Haus Berrenrather Str. 343 ist ein außerordentlich expressives Dokument des Übergangs des konservativen Bauens zur Moderne, wobei sicher Berliner Beispiele, etwa H. Muthesius oder Wagner, Vorbild gewesen sind. Die hier nochmals für das ganze Reich verbindliche Formsprache bereichert die weitgehend erhalten gebliebene Berrenrather Straße und setzt an diesen wichtigen Eckpunkt einer intakt gebliebenen Geschäftsstraße aus der Zeit einen stadtbildenden Akzent. Dieses sehr gut erhaltene Gebäude ist deshalb ein besonders denkmalschutzwürdiges, architektonisches Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0